Elshof will seine Ernte mit anderen teilen Meller Biobauer sucht Mitglieder für „Solidarische Landwirtschaft“

Für das Gemeinschafts-Kartoffelfeld, Eier und den vielfältigen Anbau von Gemüse und Salaten sucht Familie Carl-Philipp, Rahel (6 Monate) und Therese Brinkmeyer noch Partner. Foto: Norbert WiegandFür das Gemeinschafts-Kartoffelfeld, Eier und den vielfältigen Anbau von Gemüse und Salaten sucht Familie Carl-Philipp, Rahel (6 Monate) und Therese Brinkmeyer noch Partner. Foto: Norbert Wiegand

Buer . Ein Gemeinschafts-Kartoffelfeld von neun Paaren und Familien aus der Nachbarschaft des Hustädter Elshofes ist schon für die Pflanzung vorbereitet. Die Biobauern Carl-Philipp und Therese Brinkmeyer streben aber eine noch wesentlich größere Gemeinschaft an.

Sie laden alle Interessierten ein, in einer Verbrauchergemeinschaft das neue Konzept der „Solidarischen Landwirtschaft“ (Solawi) zu unterstützen. 

Die Mitglieder der Solawi erhalten neben Kartoffeln weitere frische, saisonale Lebensmittel in hoher Bioqualität – Tomaten, Gurken, Salate, Möhren, Brokkoli, Zucchini, Kürbisse, Eier, Geflügelfleisch, Rindfleisch und die ganze Palette heimischer Agrar-Produkte. Nach dem Solawi-Konzept werden die Produktionskosten für die gesamte vielfältige Ernte bereits im Vorfeld des Anbaus von der Verbrauchergemeinschaft gestellt. 

Schon vorkeimende Kartoffeln zeigt Isabelle Rzepecki, derzeitige Praktikantin auf dem Elshof. Foto: Norbert Wiegand


„Dadurch wird uns ermöglicht, uns unabhängig von Marktzwängen einer guten landwirtschaftlichen Praxis und Naturschutzzielen zu widmen“, erläutert Carl-Philipp Brinkmeyer die Intention des Solawi-Konzeptes. „Solawi-Mitglieder wissen, woher ihr Essen kommt und wie es produziert wird“, erklärt Therese Brinkmeyer Vorteile für die Mitglieder der Verbrauchergemeinschaft, die so auch die regionale Lebensmittelversorgung unterstützen und dabei helfen, nachhaltig bewirtschaftetes Ackerland zu sichern.

Geteiltes Risiko

„Die bäuerliche Existenz hängt immer mehr vom globalen Preisdruck ab, der die Bauern zwingt, Tiere und Böden auszubeuten oder ganz aus der Landwirtschaft auszusteigen“, geht der Hustädter Biobauer auf die Hintergründe des Solawi-Modells ein. Sogar der ökologische Landbau gerate zunehmend in das Fahrwasser solcher Mechanismen. Deshalb sucht Familie Brinkmeyer nach neuen Wegen, die Planungssicherheit geben und nicht zuletzt für ein sicheres Einkommen sorgen: Erzeuger und alle beteiligten Verbraucher teilen sich nicht nur die Ernte, sondern auch die Verantwortung, die Kosten und das Risiko.

Heute beginnen, was morgen Früchte trägt: Ein Plakat für die Solidarische Landwirtschaft präsentiert Rebecca Reinhart. Foto: Norbert Wiegand


„Es kann beispielsweise sein, dass witterungsbedingt die Blumenkohlernte besonders üppig ausfällt, die Tomaten aber unter den durchschnittlichen Erwartungen liegen – dann gibt es eben viel Blumenkohl und wenig Tomaten für alle Beteiligten“, veranschaulicht Therese Brinkmeyer das Konzept. „Dieses für uns weniger riskante Verfahren ermöglicht uns Bauern, uns mehr einem vielfältigen Anbau und einer verantwortungsvollen Tierhaltung zu widmen“, ergänzt sie.

Ernte-Abhol-Tage

Durch die regelmäßigen Ernte-Abhol-Treffen könnten Transport- und Vermarktungskosten eingespart werden, merkt Praktikantin Rebecca Reinhardt (18) an. „Bei diesen Treffen lernen Städter und Kinder etwas über den Anbau von Lebensmitteln, die unser Leben erst möglich machen“, geht Praktikantin Isabell Rzepecki (24) auf pädagogische Aspekte ein. Wer wolle, könne sich auch am Anbau und der Pflege „seiner“ Lebensmittel nach seinen Möglichkeiten beteiligen.

  „Unsere Eierproduktion und unsere Rinderhaltung mit dem roten Höhenvieh sind gut angelaufen“, betont Therese Brinkmeyer, dass das neue Konzept keineswegs aus einer aktuellen wirtschaftlichen Notlage resultiert. „Wir wollen Menschen gerne direkt ernähren, eine Gemeinschaftsbildung rund um die eigene Ernährung fördern und unsere Ernte teilen“, nennt sie ihre wesentlichen Gründe, eine große Verbrauchergemeinschaft gründen zu wollen.

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Interessenten an der Solidarischen Landwirtschaft können sich unter Telefon 05427/9229927 oder auf www.elshof-melle.com melden. Weitere Infos auf www.solidarische-landwirtschaft.org und auf einer Veranstaltung des Elshofes in der Bueraner Kulturwerkstatt am 15. Mai um 19 Uhr.  


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