Erstmals Berufspraktika 50 Jahre her: Die 9 s verließ Kantor-Wiebold-Schule in Melle

Zur Schulentlassung im März 1969 entstand diese Aufnahme der Klasse. Foto: Archiv Edith KirchhoffZur Schulentlassung im März 1969 entstand diese Aufnahme der Klasse. Foto: Archiv Edith Kirchhoff

Neuenkirchen. Zu ihrem Schulabgang vor 50 Jahren an der damaligen Volksschule Kantor-Wiebold-Schule im Meller Stadtteil Neuenkirchen trafen sich jetzt 26 frühere Schüler und Schülerinnen. Mit Werner Druse war sogar ihr ehemaliger Klassenlehrer mit dabei.

Annemarie Kathe, Edith Kirchhoff und Elsbeth Lammerschmidt-Pantelidis berichteten begeistert von dem Treffen ihrer früheren Klasse 9 s, aus der vor 50 Jahren 34 Mitschüler entlassen worden waren. „Zwei sind leider gestorben, aber 26 konnten kommen“, freuten sich die Organisatorinnen. Besonders stolz sind sie auf die Teilnahme des Lehrers Werner Druse, der aus Langerwehe bei Aachen gemeinsam mit seiner Frau angereist war.

„Herr Druse war unser Klassenlehrer und schon vorher Referendar an der Kantor-Wiebold-Schule“, sagte Edith Kirchhoff. Im Übrigen sei der Lehrer nur zwölf Jahre älter als seine Schüler gewesen. Sogar die Worte, die Druse seiner Klasse in Anlehnung an ein Volkslied zur Entlassung mit auf den Weg gab, hatten die drei Frauen noch parat: Lass doch der Jugend ihren Lauf.

Der 1. April 1960

Die offizielle Einschulung in Neuenkirchen erfolgte am 1. April 1960. Die Organisatorinnen und ihre Mitschüler hatten damals kein Problem mit kilometerlangen Schulwegen, die sie zu Fuß zurücklegten. „Nur im Winter wurden manche Klassenkameraden aus Insingdorf mit dem Trecker zur Schule gebracht“, erzählte Annemarie Kathe.

Nicht ohne Stolz verwiesen sie darauf, dass ihre Klasse 1968 als erste ein Berufspraktikum absolviert hat. „Ich war in der Scharnierfabrik Heinze und habe Schrauben sortiert“, sagte Elsbeth Lammerschmidt-Pantelidis. Edith Kirchhoff absolvierte ihr Praktikum im Kindergarten Neuenkirchen und Annemarie Kathe war in der Wäscherei Tönsing im Einsatz.

Das Klassentreffen am 16. März begann mit einer Führung durch die heutige Grundschule Kantor-Wiebold-Schule durch Schulleiter Michael Ehlhardt. Die liebevolle Begrüßung erfolgte im Lehrerzimmer. „Den Begriff Rektor gibt es nicht mehr“, erfuhren die Teilnehmer dabei. Sie kamen übrigens aus Aschaffenburg, Papenburg, Hameln, Spenge, Werther und Halle. „So richtig weit hat es keinen von uns verschlagen“, wussten die Organisatorinnen zu berichten.

Ein mulmiges Gefühl

In ihrem alten Schulgebäude hätten sie während des Rundgangs nur noch gestaunt. „Alles ist neu und hat sich durch den 1996 erfolgten Anbau verändert, das war nicht mehr unsere alte Schule“, erklärten sie. Dennoch hätten sie ihre früheren Klassenzimmer wiedergefunden. „Das war schon ein mulmiges Gefühl.“

Die frühere Küche im Keller gibt es nicht mehr. „Wir hatten ja Hauswirtschaftsunterricht, während die Jungs Werken hatten“, erklärte Edith Kirchhoff. Gut erinnern konnten sich alle auch noch an die Dunkelkammer für die Foto-AG auf dem Dachboden. Der Raum wurde auch genutzt, um die damals üblichen Schul-Lehrkarten hängend deponieren zu können

Nach dem Rundgang verlegten die Ex-Schüler abends zum Tannenhof Grottendieck in den Wintergarten. „Da ging es dann richtig ab“, scherzte Elsbeth Lammerschmidt-Pantelidis. Nein, das sei natürlich nicht Ernst gemeint gewesen. Im Gegenteil, der Abend sei sehr ruhig und gemütlich verlaufen und sie hätten sich viel zu erzählen gehabt. Erst gegen Mitternacht sei das Klassentreffen zu Ende gegangen.

„Ein kleiner Schatz“

Edith Kirchhoff besitzt übrigens einen dicken Ordner, in dem sie Klassenbilder und seit Jahrzehnten auch alle Artikel des „Meller Kreisblatts“ rund um die Kantor -Wiebold-Schule akribisch sammelt. „Ein kleiner Schatz, der natürlich beim Klassentreffen rumging“, schmunzelte sie.

1969 führte eine Mehrtagesfahrt die 9 s zum Niederwalddenkmal. Foto: Archiv Edith Kirchhoff



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