Festival "classic con brio" Kleine Geige und viele Handys beim Konzert in Melle

Von Conny Rutsch

Die jungen „Stadtstreicher“ aus Osnabrück spielten im Stehen. Foto: Conny RutschDie jungen „Stadtstreicher“ aus Osnabrück spielten im Stehen. Foto: Conny Rutsch

Melle. „Bitte schalten Sie ihre Handys ein und stellen Sie sie auf volle Lautstärke.“ Sicherlich erleben Besucher von klassischen Konzerten diese Aufforderung nicht wirklich oft. Für eine Uraufführung im Rahmen des Osnabrücker Festivals „classic con brio“ im Solarluxforum in Melle allerdings gelangen mit den Mobiltelefonen effektvolle Klänge.

Das 9. Konzert der „classic con brio“- Reihe barg überhaupt so manche Überraschung. Zunächst bekam der musikalische Nachwuchs seine Bühne. Die „Stadtstreicher“ Osnabrück bestehen aus den jüngsten Musikern nicht nur aus der Stadt, sondern auch aus dem Umland, und treffen sich einige Male im Jahr für Probenwochenenden zu Konzertaufführungen. Und so leisteten die Anfänger und die fortgeschrittenen Streicher ihren Beitrag zum Konzert von einem Händelmarsch bis hin zu Musicalklassikern von Andrew Lloyd Webber mit höchster Konzentration und viel Herz unter der Leitung von David Cohen.

Für Männerhände winzig

Tja, und nach der Pause dann staunte so mancher versierte Konzertgänger nicht schlecht, als der russische Geiger Sergey Malov eine Piccologeige für das Violinkonzert in a-moll von Antonio Vivaldi mit auf die Bühne brachte. Begleitet von zwei Geigen (Adrian Wonnemann, Ana Kirchmayer-Wonnemann), einer Viola (Vladimir Mendelssohn), Cello (David Cohen) und Cembalo (Stephan Lutermann) brachte er das bekannte Werk auf dem für Männerhände winzig anmutenden Instrument hochvirtuos zu Gehör. Damit die kleine Geige ihre Klangqualität so richtig entfaltete spielte das Ensemble das Konzert nicht in der ursprünglichen Tonart, sondern eine Terz höher in c-moll.

Mit seiner Violine im Piccoloformat brillierte Sergey Malov. Foto: Conny Rutsch


Handymusik als Klangteppich

Und dann kam plötzlich die Ansage, die Handys einzuschalten, noch schriftlich bestätigt auf großer Leinwand. Für die Uraufführung „smart-dreams“ für sechs Instrumente und Smartphone-Orchester hatte sich der Osnabrücker Komponist Peter Witte Nicholas Ulmke als Unterstützung geholt. Dieser schloss sein Studium in Informatik und Musik in Osnabrück 2018 mit dem Bachelor of Arts ab und half nun dem Komponisten per Computer und dem Publikum mit Erläuterungen zu ihren Handys, ein ungewöhnliches Experiment zu vollbringen. Eingeloggt ins W-Lan-Netz und per QR-Code weiter auf eine Internetseite geleitet, entlockte der Informatik-Musiker den Handys wunderbare Klänge und Effekte. Während die Instrumentalisten Jocelyn Aubrun (Flöte), Blanca Gleisner (Oboe), Sergey Malov (Violine), Vladimir Mendessohn (Viola), David Cohen (Cello) und Alfredo Perl (Klavier) zunächst Raumklang neben den Stuhlreihen erzeugten und sich erst nach einer Weile auf der Bühne versammelten, zauberte Nicholas Ulmke die Handymusik immer wieder als Klangteppich oder auch als Solopassagen. Da dieses Werk noch niemals aufgeführt worden war, blickten auch die Musiker von der Bühne staunend zum Publikum hinunter und genossen diese ungewöhnlichen und bereichernden Erfahrungen.

Handys spielten bei der Uraufführung von Peter Witter (links) eine musikalische Rolle. Foto: Conny Rutsch


Atemberaubende Soloeinlagen

Zum Schluss dann rockte Sergey Malov mit einer elektronischen Geige das Solarluxforum. Bevor er zu spielen begann, erklärte er der charmanten Moderatorin des Konzerts, Lieko Schulze, Instrument samt technischem Zubehör. Dann kreierte er mit spontanen kleinen Einspielungen mit seinem Instrument und mittels Computertechnik seine eigene Band, über die er dann seine atemberaubenden Soloeinlagen legte. Klar, dass er am Ende nach Vivaldi und Weltmusik mit „We will rock you“ von Queen die den bekannten Rhythmus gebenden Zuhörer begeisterte. 


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