"Jeder soll Musik machen dürfen" Meller Abiturient will Begeisterung für Musik wecken

Von Conny Rutsch

Ganz relaxt: Bente Hinkenhuis lernt seit seiner Kinderzeit das Klavier- und Geigenspiel. Foto: Conny RutschGanz relaxt: Bente Hinkenhuis lernt seit seiner Kinderzeit das Klavier- und Geigenspiel. Foto: Conny Rutsch

Neuenkirchen. Es gibt sie noch, die jungen Leute, die sich mit Herzblut und langfristig mit Musik umgeben. Bente Hinkenhuis zum Beispiel. Der Abiturient aus St. Annen möchte auch andere junge Leute fürs Musizieren begeistern.

Dabei ist jetzt nicht vom Musikhören in erster Linie die Rede oder vom vermeintlich schnellen berühmt werden durch Um-die-Wette-Rappen in Fernsehformaten. Die Rede ist von denen, die ganz ernsthaft ein Instrument erlernen und damit ins Thema Musik in Theorie, Praxis und Geschichte eintauchen.

Bente Hinkenhuis aus St. Annen ist in Sachen Musik sicher kein Maßstab, möchte aber junge Leute fürs Musizieren begeistern.  

Es begann, als Bente mit fünf Jahren seiner Schwester nacheifern wollte, die damals schon Klavierunterricht bekam. „Ich wollte tatsächlich damals schon Klavier spielen“, stellt der heute 17-Jährige selbst fast ungläubig fest, denn welches Kind weiß schon so früh, dass es ein Instrument erlernen möchte.

Als Bente in der vierten Klasse ist, hört er auf die Empfehlung der Schwester, nicht nur Klavier, sondern auch ein Orchesterinstrument zu erlernen, um im Orchester des Gymnasiums mitmachen zu können. Er beginnt, Bratsche zu spielen. Mit Begeisterung.

Musik als Ausgleich

Ein Unterrichtspaket, das das Kultusministerium Niedersachsens seit dem Jahr 2007 schnürt, kommt für Bente genau richtig. „Viff“ heißt das Programm, mit dem die Musik- & Kunstschule der Stadt Osnabrück musikalisch besonders begabte Kinder aus der Region ab acht Jahren fördert. Seine Eltern fahren ihn dafür zweimal in der Woche nach der Schule nach Osnabrück. Auf die Frage, wie sich die Begeisterung für die Musik mit der Schule verträgt, antwortet Bente: „Ich muss zugeben, dass ich mich im Unterricht in der Schule so fokussieren kann, dass ich zuhause nicht mehr viel lernen muss. Aber auch für diejenigen, die Arbeitsstress in der Schule haben, lohnt sich Instrumentalunterricht. Er kann sogar als Ausgleich helfen.“ Für ihn zumindest ist nachmittags Platz für noch mehr: Bente nimmt an der Orchester- sowie der Theater-AG des Gymnasiums teil. „Und Tischtennis spiele ich, ein bisschen Sport muss ja auch sein“, sagt er und grinst.

Seit zwei Jahren erhält Bente außerdem Orgelunterricht und begleitet auch schon Messen an der Orgel in St. Annen oder einmal im Monat das Taizé-Gebet am Klavier in der St. Matthäuskirche. „Sich durch Musik einbringen zu können, ist ein sehr gutes Gefühl, weil man dann anfängt zu erkennen, wofür sich der jahrelange Unterricht lohnt“, meint er. „Das Taizé-Gebet ist mit seiner meditativen Atmosphäre und den schönen Liedern immer wieder ein willkommener Ruhepol für mich, den ich jedem nur empfehlen kann.“

Eigenen Satz arrangieren

Etwas ganz Besonderes schaffte Bente für das große Unicef-Konzert des Gymnasiums im Dezember. Zu diesem 50. traditionellen Spendenkonzert arrangierte er einen eigenen Satz zum Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“. „Ich wollte, dass alle Schüler, die im Chor singen oder ein Instrument spielen, an dieser Aufführung beteiligt werden und zumindest einmal das Gefühl erleben, in einem richtigen, großen Sinfonieorchester zu musizieren“, erzählt Bente. Beim diesjährigen Frenswegenkonzert zeichnete der Leiter des Gymnasiums, William Pollmann, Bente Hinkenhuis mit einer Urkunde für seinen musikalischen Einsatz am Gymnasium aus.  

Nicht erst seit seinen musikalischen Erfolgen, auch beim Wettbewerb Jugend musiziert, treibt Bente ein Anliegen um. „Das Erlebnis, mit anderen gemeinsam Musik zu machen, funktioniert nur mit einem Instrument“, sagt er. Und das muss trainiert werden wie Sport oder ein Handwerk. Die Arbeit aber wird mit dem gemeinsamen Erleben von Musik belohnt, wie Bente das empfindet. Ihm ist nach dem Frenswegenkonzert klar geworden, dass es das letzte Orchestertreffen für ihn war. Und das macht den jungen Mann richtig wehmütig.

„Der Instrumentalunterricht muss viel mehr gefördert werden“, betont er, denn, „jeder soll Musik machen dürfen und solche besonderen Momente erfahren.“

Musik studieren will Bente wahrscheinlich übrigens nicht. Er möchte ein Studium Generale nach dem Abitur beginnen, auf das er sich jetzt gerade vorbereitet.


In Zusammenarbeit mit dem Institut für Musik der Hochschule Osnabrück und dem Institut für Frühförderung musikalisch Hochbegabter der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover fördert die Osnabrücker Kunst-&Musikschule Kinder, die eine besondere Begabung im Fach Musik entwickeln. Sie erhalten eine frühe Schulung ihrer Fähigkeiten. Ihre besondere hohe Konzentrationsfähigkeit und schnelle Auffassungsgabe werden genutzt, um Gehör, Rhythmik und das musikalische Grundwissen auszubilden.

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