Angler beteiligen sich an Besatzmaßnahme Über 10.000 Glasaale für die Else und Hase in Melle

Damit in Uhlenbach, Else und Hase der Bestand an Aalen wächst, helfen Angler wie Boris Kaller nach und setzen junge Glasaale aus. Foto: Kirsten MuckDamit in Uhlenbach, Else und Hase der Bestand an Aalen wächst, helfen Angler wie Boris Kaller nach und setzen junge Glasaale aus. Foto: Kirsten Muck

Gesmold. Aale sind in Gefahr. Seit den 80er Jahren ist der Bestand der langen, glitschigen Fische in Europa um 95 Prozent geschrumpft. Auch in der Else und Hase sind sie eher selten zu finden. Deshalb beteiligen sich die Gesmolder Angler seit 2011 an Besatzmaßnahmen. Tausende kleine Glasaale haben sie am Donnerstagmorgen wieder in Flüssen des Grönegaus ausgesetzt.

Boris Kaller und Heinz Stühlmeyer vom SFV Gesmold öffnen neugierig die Styroporbox. 10.000 Glasaale tummeln sich darin. Eine gräuliche Masse, die unentwegt zuckt. Die Angler sind zufrieden. Denn die Bewegung im weißen Kasten zeigt, dass die Tiere gesund und fit sind und gute Chancen haben, in hiesigen Gewässern einmal groß und schmackhaft zu werden.  

Angler Boris Kaller und Heinz Stühlmeyer vom SFV Gesmold begutachten die wertvolle Fracht aus Frankreich. Foto: Kirsten Muck


Diese Glasaale wurden tags zuvor vor der Küste Frankreichs gefangen, um sie nur 24 Stunden später in Melle auszusetzen. Foto: Kirsten Muck

Sie haben eine lange Reise hinter sich. Tags zuvor wurden die Glasaale an der französischen Atlantikküste gefangen, in die gekühlten Behälter verfrachtet und im Bulli nach Niedersachsen gekarrt. 3,5 Millionen Aale im Wert von 380.000 Euro werden laut Anglerverband Niedersachsen in diesem Jahr besetzt. "400.000 Glasaale sind für die Besatzmaßnahme im Landkreis Osnabrück und Diepholz vorgesehen. 10.000 davon gehen nach Melle", erklärt Biologe Florian Möllers vom Anglerverband Niedersachsen.

Ihre Kinderstube haben Aale an der Südostküste Amerikas, in der Nähe der Bahamas und des Bermudadreiecks. Dort schlüpfen die Larven, nachdem die erwachsenen Tiere abgelaicht haben. Als winzige Weidenblattlarve gelangen die kleinen Tierchen mithilfe des Golfstroms an die Atlantikküsten Spaniens, Frankreichs und Englands. Vor den Küsten wachsen sie zu kleinen schlangenähnlichen Aalen heran. Diese Glasaale haben noch vor Jahrzehnten über die Flüsse, die in den Atlantik oder die Nordsee münden, ihre Reise ins Landesinnere angetreten. Doch Wasserkraftanlagen und Querbauwerke behindern diese natürliche Wanderung. Deshalb helfen die Angler nach, indem sie die Glasaale an der Atlantikküste fangen und sie mit dem Bulli an ihren Bestimmungsort bringen. "Wir bieten den Aalen sozusagen eine Abkürzung an", erklärt Florian Möllers.

Der Biologe Florian Möllers vom niedersächsischen Anglerverband koordiniert die Besatzmaßnahme mit Glasaalen in Melle. Foto: Kirsten Muck

Diese Abkürzung funktioniert auch in entgegengesetzter Richtung. Möllers erzählt von einer Initiative von Berufsfischern, die auf der Weser unterwegs sind. Die Fischer fangen die großen laichfähigen Aale und bringen sie an Wasserkraftanlagen vorbei in die Weser-Mündung, damit sie von dort ihren Weg in Richtung Bermudadreieck antreten können. "Große Aale werden auf dem Weg in die Nordsee in den Turbinen der Wasserkraftanlagen gehäckselt", berichtet Florian Möllers. 

Die Baby-Aale, die in Melle in verschiedenen Flüssen in die Freiheit entlassen wurden, könnten in ein paar Jahren als Leckerbissen auf einem Teller eines Gesmolder Anglers landen. Doch bis dahin müssen die Fische erst einmal in Uhlenbach, Else und Hase wachsen. Die unscheinbaren Fische stehen nicht nur bei hiesigen Anglern auf der Speisekarte. 

In Asien gelten die Fische als Delikatesse. Auf dem Schwarzmarkt wird das Kilo mitunter für bis zu 6000 Euro gehandelt. Der Schmuggel mit Aalen floriert. Umso wertvoller ist für die Angler vor Ort die Besatzmaßnahme. Denn damit konnten die Bestände in Niedersachsen in den vergangenen acht Jahren seit dem Beginn der jährlichen Maßnahme wieder erhöht und stabil gehalten werden. 

Aal-Experte Möllers verteilt mithilfe der Angler vor Ort die Aale auf verschiedene kleine Behälter. Die drei Angler schnappen sich jeder eine Box und fahren zu unterschiedlichen Stellen in Melle. Dort lassen sie vorsichtig wertvolle Fracht ins Wasser. Boris Kaller rutscht vorsichtig am aufgeweichten Uferrand herunter, um die Box möglichst weit ins Wasser zu halten. Die Glasaale verschwinden augenblicklich im trüben Wasser. "Die bleiben meist in Bodennähe. Zu sehen kriegt man die selten", sagt Kaller. Trotzdem hoffen die Angler, dass sich von den kleinen Glasaalen irgendwann mal einer an ihren Haken verirrt. 

Mit einem Kescher holen die Angler die Aale vorsichtig aus der großen Styroporbox, um sie dann in kleineren Boxen an unterschiedlichen Flüssen aussetzen zu können. Foto: Kirsten Muck



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