Berührende Kleinodien Cello, Klavier und Orgel verzauberten mit „edlem Ton“

Am Klavier, begleitet von Stephan Lutermann, berührte Cellist Frank Lässig mit kleinen Meisterwerken voller Empfindsamkeit. Foto: Petra RopersAm Klavier, begleitet von Stephan Lutermann, berührte Cellist Frank Lässig mit kleinen Meisterwerken voller Empfindsamkeit. Foto: Petra Ropers

Melle. „Vom edlen Ton“ ließe sich viel referieren. Besser ist es, ihm zu lauschen – in der Reihe „Orgel trifft…“ etwa, die in der St. Matthäus-Kirche zum zweiten Mal in diesem Jahr mit einer inspirierenden musikalischen Begegnung aufwartete.

Für den titelgebenden „edlen Ton“ sorgte dabei mit Kirchenmusiker Stephan Lutermann der Berliner Cellist Frank Lässig. Als Orchester-Mitglied der Komischen Oper Berlin spielt er eigentlich den Kontrabass. Doch dessen Partituren sind eher selten melodiöser oder gar solistischer Natur. Und so wandte sich Lässig von einigen Jahren auch dem Cello zu. Dabei greift er zu einem Instrument, das im selben Jahrhundert gefertigt wurde wie die Klausing-Orgel. 

Feinsinnige Abstimmung

Doch nicht die Orgel, sondern das Klavier begleitete in feinsinniger Abstimmung den Cellisten, der seinem Instrument „edle Töne“ von bewegender Empfindsamkeit entlockte. Zwar ist Ralph Vaughn Williams eher für gewaltige Werke wie die „Sea Symphony“ bekannt. Seine „Six Studies in English Folksong“ berührten jedoch gerade in ihrer Schlichtheit, die mit minimalistischen Mitteln höchste atmosphärische Dichte zauberte. Mal in zarter Melancholie, dann wieder in entrückter Verträumtheit entfalteten sich die volkstümlichen Melodien, die Williams zu kleinen Meisterwerken ausgestaltete.

Der Zauber der Empfindsamkeit bestimmte auch die weitere Werksauswahl von Frank Lässig. Als Liebeserklärung mit Bogen, Saiten und Klaviertasten begeisterte dabei Peter Tschaikowskis Nocturne op. 19 Nr. 4. Die Erinnerung an die Liebe schwingt auch in der Elegie op. 24 nach, die Gabriel Fauré als Totenklage komponierte. Lässig und Lutermann interpretierten das gefühlvolle Werk ohne Schwere, aber dennoch mit fesselnder Eindringlichkeit zwischen hauchzartem Pianissimo und kurzen, dramatischen Akzenten.

Dezente Flötenstimmen

Natürlich kam zur Reihe „Orgel trifft…“ auch die „Königin der Instrumente“ zu ihrem Recht. Dabei verzichtete Stephan Lutermann an der Klausing-Orgel bei Werken von Johann Sebastian Bach und seinem Schüler Gottfried Augustus Homilius bewusst auf wuchtige Klangbilder. Vielmehr präsentierte sich die Orgel passend zum „edlen Ton“ von Cello und Klavier mal mit dezenten Flötenstimmen wie in der Triosonate d-Moll von Bach, mal heiter und fast verspielt wie in Homilius‘ erster Bearbeitung des Bach-Chorals „Jesus, meine Zuversicht“.

„Vom edlen Ton“ hatten die Konzertbesucher an einer klangvollen dreiviertel Stunde lange nicht genug: Mit langanhaltendem Applaus forderten sie noch eine Zugabe ein. Schon jetzt dürfen sie sich unterdessen die nächsten Konzerte freuen: Bei „Orgel trifft…“ ist am Sonntag, 12. Mai, das Bassklarinetten-Duo „Døbas" zu Gast. Zuvor feiert die Klausing-Orgel am Sonntag, 28. April, mit einer Collage aus Musik, Texten und szenischen Darstellungen ihren 200. Geburtstag.


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