Warum Älterwerden ein Thema ist Die „Alten“ von heute sind anders

Von Bettina Mundt

Pausenstärkung: Freiwilligenmanagerin Cornelia Poscher (von links), die Beauftragte für Besuchsdienstarbeit Lisa Görlich und Referentin Helene Eißen-Daub beim Seminar „Silberglanz“. Foto: Bettina MundtPausenstärkung: Freiwilligenmanagerin Cornelia Poscher (von links), die Beauftragte für Besuchsdienstarbeit Lisa Görlich und Referentin Helene Eißen-Daub beim Seminar „Silberglanz“. Foto: Bettina Mundt

Sie gehen in Krankenhäuser und Altenheime. Und sie machen Hausbesuche: Die Ehrenamtlichen des kirchlichen Besuchsdienstes aus dem Kirchenkreis Melle-Georgsmarienhütte leisten wertvolle Beziehungsarbeit. Ein Blick auf ein Engagement, das zu direktem Kontakt mit dem Thema „Älterwerden“ führt.

Melle/Hilter Auch wenn der Besuchsdienst keine formale Qualifikation erfordert, handelt es sich doch um eine anspruchsvolle Tätigkeit, die von Schulung profitiert: „Silberglanz – von der Kunst des Alter(n)s“ lautete der Titel eines Seminars für Ehrenamtliche der Besuchsdienste.

„Die ist total fit“

Lisa Görlich engagiert sich seit über 30 Jahren und hat das Thema für die Veranstaltung ausgesucht. Und nicht ohne Grund: Es gibt immer mehr Ältere, sie werden älter, dabei sind sie gesünder und besser ausgebildet als früher. „Die 80-Jährigen heute sind anders als die 80-Jährigen vor 20 Jahren“, so Cornelia Poscher. In ihrer Rolle als Freiwilligenmanagerin hilft die Diakonin, die Rahmenbedingungen für die ehrenamtliche Arbeit zu schaffen.

Im Besuchsdienst selbst engagieren sich viele ältere Menschen, was schon darin begründet ist, dass sie Zeit dafür haben. Darunter ist im Kirchenkreis sogar eine Dame über 90. „Die ist total fit“, berichtet Görlich, „und hat einen Erfahrungsschatz, davon kann ich noch lernen.“

Mit dem gesellschaftlichen Wandel entstehen auch neue Blickweisen auf das Alter. Poscher und Görlich sind sich einig, dass sich hier viel bewegt: Das Thema wird wichtiger, das Altersbild ändert sich – weg von einer oft zu einseitig negativen Sicht – und wird differenzierter. „Wenn ich das Altersbild habe, alt sein heißt vor allem ,negativ, defizitär, kann nichts mehr‘, dann reagier ich auch entsprechend auf den Menschen im Gespräch. Wir wollen hier sensibilisieren. Wir wollen aufmerksam machen zu gucken, mit welchem Altersbild gehe ich zu den Menschen hin“, erläutert Poscher.

Marita Sewöster, eine Teilnehmerin aus der Christophorus-Gemeinde Melle-Neuenkirchen, meint, das sei einfach ein Thema, mit dem man sich auseinandersetzen müsse. Sie macht regelmäßig Besuche im Krankenhaus und an Geburtstagen. Schön an den Geburtstagsbesuchen sei besonders die Entwicklung von anfänglicher Fremdheit hin zu einer herzlichen Beziehung.

Als bereichernd empfinden die Teilnehmer auch den Besuchsdienst selbst. „Man trifft ganz viele interessante Leute, und von diesen Erfahrungen der anderen lernt man für sich selbst auch“, erzählt Lisa Görlich.

Langweilig werde es nicht, nach über 30 Jahren mache sie immer noch neue Erfahrungen: „Ich hab jetzt eine alte Dame begleitet, die ist in eine Wohngemeinschaft gezogen – das kannte ich nicht, das war ganz neu für mich.“ An solchen, für Ältere noch relativ neuen Wohnformen zeigt sich auch, wie sich die Vorstellungen ändern. „Älterwerden wird immer interessanter“, schlussfolgert Freiwilligenmanagerin Cornelia Poscher.


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