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„1,66 im Weit- oder Hochsprung?“ 15-jähriger Meller Breeck überrascht auch Familie

Von Heike Dierks | 23.02.2017, 09:00 Uhr

Landesmeister draußen und in der Halle, Sportler des Jahres im Landkreis Osnabrück und beim SC Melle: Die Ereignisse überschlagen sich gerade in der jungen Karriere des Hochspringers Fabian Breeck. Der 15-Jährige betreibt den Sport erst seit neun Monaten – und entdeckte ihn zufällig.

Gesmold. Im Mai 2016 nahm der heutige Neuntklässler mit dem Gymnasium Melle am Leichtathletik-Wettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“ teil. Bis dato war Breeck junior für den SC Melle als Mittelstreckenläufer im Einsatz. Daher meldete ihn der organisierende Sportlehrer, der davon wusste, für die 800 Meter an. Und da der Lehrer über das viel genutzte Trampolin im Garten bei den Breecks in Gesmold informiert war, meldete er den 1,88 Meter großen Athleten auch für den Weit- und Hochsprung an.

Sofort besser als im Lauf

„Letztlich war ich im Weit- und Hochsprung besser als über die 800 Meter“, erzählt Fabian. 1,66 Meter überquerte er ohne ein einziges Hochsprung-Training zuvor. Als er direkt nach dem Wettkampf seiner Familie simste: „1,66 Meter geschafft“, tickerte Vater Christian Breeck, erfolgreicher Mittelstrecken- und Crossläufer, verdattert zurück: „Hoch oder weit?“ Die Familie war über das Hochsprungtalent des Sohnes ebenso überrascht wie der Verein. Die Coaches Frank Rüdiger und René Romdane-Hebbe gestalteten die Einheiten für Fabian fortan um.

„Die Entwicklung hat uns überrollt“, gesteht Christian Breeck, der den Sohn seither zu den Wettkämpfen begleitet und die Sprünge filmt. Er ist ein wichtiger Ratgeber für seinen Sohn, auch wenn dieser nun in einer anderen Disziplin beheimatet ist. „Papa gibt die besten Tipps. Als ich klein war, hat er mir beim Meller Stadtlauf gezeigt, wie ich mir die Schuhe binden muss. Und jetzt hat er mir empfohlen, dass ich bei den Wettkämpfen immer ein Kreppband und Stecknadeln dabeihaben soll, um meinen Startpunkt für den Anlauf zu markieren und die Startnummer am Trikot zu befestigen.“

Fabians Leistungssteigerungen waren in den ersten Monaten und sind noch immer enorm. „Zunächst hatte ich ja noch keine Hochsprungtechnik. Bei ‚Jugend trainiert‘ bin ich bis zur Höhe von 1,50 quasi im Sitzen über die Stange gekommen. Im Laufe des Wettkampfs und mit jedem weiteren Training habe ich meine Technik enorm verbessert“, erklärt das Talent, das seine Paradedisziplin nach Testphasen in anderen Sportarten nun gefunden zu haben scheint. „Am Hochsprung habe ich den meisten Spaß. Wenn man es geschafft hat, dass die Latte liegen bleibt, ist das ein erfrischendes Gefühl. Es ist etwas komplett anderes als Laufen, Fußball oder Turnen. Und ich hatte schon immer den Drang zu springen.“

Das Breeck’sche Trampolin im Garten lässt grüßen. Doch auch im Haus hat Fabian sich ausprobiert. Nach einem Wachstumsschub entdeckte er im Winter vor einem Jahr, dass er es nicht mehr weit hatte bis zur Decke des Wohnzimmers, und hinterließ fortan springend überall seine Fingerabdrücke, sodass Vater Breeck anschließend zum Pinsel greifen musste. An die Sportart Hochsprung dachte der Sohn da jedoch noch nicht. Wenn er in die erste Etage möchte, nimmt er die vier tiefen Treppenstufen bis zum Absatz mit einem Sprung. Das gehe schneller und laufe automatisch ab. „Wenn ich zu Besuch bin, muss ich mich zusammenreißen, um die Treppen normal zu gehen, die Freunde gucken sonst komisch.“

Mit seinem aktuellen Bestwert von 1,82 Metern ist der Gesmolder in seiner Altersklasse Zweiter der Bundesbestenliste. Weitere Steigerungen sind wahrscheinlich. Die Voraussetzungen dafür schafft nicht zuletzt das Landeskadertraining. „Ich möchte mich in diesem Jahr für die Deutschen Meisterschaften qualifizieren und in naher Zukunft 1,90 Meter überspringen. Ich denke schon, dass mittelfristig 2,00 Meter drin sind“, sagt Fabian, während der Vater bremst und ein Fortkommen „in kleinen Schritten“ favorisiert.