Diesellok wird zur Dampflok Dreharbeiten für Remarque-Film auf dem Osnabrücker Zechenbahnhof

Von Christoph Franken

Letzte Vorbereitungen: Mitglieder der Filmcrew und die Schauspieler sammeln sich auf dem Gelände des Piesberger Zechenbahnhofs. Foto: Mathew-CrewLetzte Vorbereitungen: Mitglieder der Filmcrew und die Schauspieler sammeln sich auf dem Gelände des Piesberger Zechenbahnhofs. Foto: Mathew-Crew

Melle/Osnabrück. Die Dreharbeiten der Meller Filmcrew, die den Remarque-Roman "Der schwarze Obelisk" neu in Szene setzt, laufen auf Hochtouren. Am Samstag wurden erneut 1920er-Jahre-Szenen auf dem Osnabrücker Zechenbahnhof aufgenommen. In vier Wochen steht die ehemalige Jugendherberge in Melle mit einem Großaufgebot auf dem Drehplan.

Oberspielleiter Mark Mathew hatte in einem Schreiben an alle Amateurschauspieler und Komparsen auf bevorstehende größer angelegte Szenen hingewiesen. Die Einzelszenen mit Remarque (Mario Buletta) und seiner zeitweiligen Geliebten Marlene Dietrich (Heidi Bowenkamp) dagegen sind weitestgehend abgedreht.

Erste Szenen am Piesberger Zechenbahnhof waren bereits Anfang Februar aufgenommen worden. So unter anderem eine Zugfahrt im Jahr 1956, dem Erscheinungsjahr des Romans. Im Zug saßen der gealterte Hauptprotagonist Ludwig Bodmer (Andreas Bartsch) und Remarque-Darsteller (Mario Buletta). In der Rahmenhandlung gesellten sich 16 Komparsen dazu, die im Zug während der Fahrt kleine Eigenleben haben und Brücken bauen zu den vielen Rückblicken, die Ludwig mit Blick auf die Protagonisten von 1923 mit den Zuschauern teilt. (Weiterlesen: Meller Crew will Roman von Remarque verfilmen)

In direktem Zusammenhang mit dem Dreh am Samstag standen vorherige Bahnsteig- und Bahnfahrtszenen. Der junge Ludwig Bodmer (Nils Diekmann) verlässt die Stadt. "Abweichend von dem Buch, wo Ludwig abends nur von Georg Kroll (Manuel Wolter) verabschiedet wird, haben wir jetzt daraus eine Bahnszene ähnlich dem Treiben von „Mord im Orientexpress“ zusammengebastelt", berichtete Mathew.  

Dank an die Osnabrücker Dampflokfreunde

Er dankte den Osnabrücker Dampflokfreunden, die das Team bei seinem Vorhaben mit viel Aufwand unterstützen. So hatten die  Dampflok-Enthusiasten eigens einen Zug zusammengestellt, der außer der Lok noch wahlweise aus zwei Waggons Baujahr 1920 oder zwei  Waggons von 1950 besteht. Auch ein zeitgenössischer Postwagen gehört dazu. Außerdem konnte die Filmcrew das Stellwerk und das Kartenverkaufshaus samt Schranke mit einbeziehen. 

Die Dampflokfreunden ließen sich zudem als Lokführer, Schaffner und Gleisarbeiter zeitgenössisch ausstaffieren. Sie stellten auch ihr Vereinshaus zum Aufwärmen, zum Umziehen, für das Catering, für die Maske und als Umkleide zur Verfügung.

50 Komparsen beteiligt

Eine besondere Herausforderung stellt die Lok dar, denn es handelt sich um eine Diesellok. Wie wird die zur Dampflok? "Wir filmen sie nur seitlich und dank einer Rauchmaschine der freiwilligen Feuerwehr aus Melle und mit den passenden Geräuschen zaubern wir daraus eine Dampflok", erklärte Mathew. 

Dazu kommen rund  50 Komparsen, die den Bahnsteig und die Zugfahrten beleben. "Alle im passenden Outfit, dank der städtischen Bühnen, der Waldbühnen in Melle und Oesede und diverser privater Sammler", berichtete Mathew. Als  Komparsen agieren ein frecher Zeitungsjunge, Apfel- und Birnenverkäuferinnen, ein pfiffiger Kofferpage sowie Menschen aller sozialer Schichten mit diversen tragischen und lustigen Hintergrundgeschichten. Auch an Hunde wurde gedacht.

Wie groß der Aufwand an dem Bahnhof war, macht ein Blick auf die Zahl der ehrenamtlichen Mitstreiter deutlich: Allein die Filmcrew bestand aus 35 Personen und für 120 Menschen galt es, Kaffee, Tee, Kaltgetränke, belegte Brötchen und Kuchen bereitzustellen. Insgesamt engagieren sich 350 Menschen für das Meller Filmprojekt.

Am 16. März wird wieder in Melle gedreht

Am 16. März geht es dann auch wieder in Melle weiter. Die Cabaret-Szene in der roten Mühle, wo Ludwig im Roman  seine Gerda kennen lernt, entsteht als Tisch-Szene  in den Osnabrücker Gaststätten Grüne Gans, Grüner Jäger und Zwiebel. Eine Saal-Szene findet bei Steinfeld in Kloster Oesede statt. 

"Die aufwendigsten Saal-Szenen aber werden am 16. März in der ehemaligen Meller Jugendherberge an der Grönenberger Strasse gedreht", sagte Mathew. Dort wird dann die Kapelle Los Elegantos auf einer eigens mitgebrachten Bühne spielen, und zu den Schauspielern und Komparsen kommen noch  30 Tänzer dazu.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN