Gespräche mit der Stadt laufen Huning plant Klärschlamm-Verbrennungsanlage in Melle

Von Christoph Franken

So sieht der Klärschlamm aus, der hier in einem Meller Klärwerk auf die Abholung wartet. Archivfoto: Christian LangSo sieht der Klärschlamm aus, der hier in einem Meller Klärwerk auf die Abholung wartet. Archivfoto: Christian Lang

Melle. Der Unternehmer Walter Huning will auf dem Gelände seiner Biogas-Anlage im Meller Ortsteil Drantum eine kompakte Klärschlamm-Verbrennungsanlage errichten. Dort sollen auch die 4500 Tonnen Trocken-Klärschlamm, die jährlich im Stadtgebiet von Melle anfallen, verwertet werden.

Entsprechende Gespräche mit dem Investor bestätigte gestern Stadtbaurat Volker Clodius auf Anfrage. Es läge aber noch kein Bauantrag vor. Der Meller Klärschlamm wird momentan in eine Verbrennungsanlage gebracht oder als Zusatzstoff in Kraftwerken oder in der Zementindustrie mitverheizt.

Innerhalb der Huning Gruppe gibt es die Huning-Umwelttechnik, deren momentan 50 Mitarbeiter sich seit Jahrzehnten mit der Behandlung und dem Transport biologischer Schlämme beschäftigt. "Wir wollen eine kleine Anlage ausschließlich für regionalen Klärschlamm errichten, jede Form von Müllverbrennung dort ist absolut kein Thema", betonte Walter Huning. Ihm und Bernd Hüpohl, bei Huning zuständig für das Stoffstrom-Management, schwebt eine Anlage "ähnlich einer Hackschnitzelheizung" mit den Ausmaßen 20 mal 15 Metern einschließlich der Trocknungs-Voranlagen vor. "Also eine kleine Kompaktanlage, bei bei der die Filteranlage das größte Bauteil ist", erklärte der Unternehmer. Die jährlich anfallende Aschemenge gab Hüpohl bei 5000 Tonnen Einsatz mit 250 bis 300 Tonnen an. Dieses mineralische Material könne problemlos deponiert werden. Um die Anlage im Sinne der Kunden wirtschaftlich betreiben zu können, sei nach seinen Worten eine Einsatzmenge von 10.000 bis 12.000 Tonnen jährlich sinnvoll. Hüpohl denkt an die Einbeziehung von Nachbargemeinden. 

"Wollen wir das wirklich?"

Zur Zeit machten sich täglich zwei Lkw von Melle aus auf den Weg, um den Klärschlamm anderswo zu entsorgen. "Mein Vorschlag: Wollen wir uns nicht selbst um unseren eigenen Scheiß kümmern und autark werden?", formuliert es der Unternehmer. Er machte keinen Hehl daraus, dass es ihm ein Dorn im Auge ist,  dass in Deutschland bei der Klärschlammverbrennung kaum noch etwas ohne die Sparten der Rethmann-Gruppe gehe. "Der ist Marktführer auf dem Weg zum Monopolisten, aber wollen wir das einschließlich der langen Wege zu Großanlagen wirklich?", fragte Huning. 

Der Vorstoß erfolgt vor dem Hintergrund eines bundesweit politisch gewünschten sukzessiven Ausstiegs aus der Verwertung von Klärschlamm auf landwirtschaftlichen Flächen. Der Anteil der thermischen Entsorgung aller Klärschlamm-Mengen in Deutschland stieg nach Angaben des Umweltbundesamtes seit 1995 von 12 Prozent auf 54 Prozent. Die Mitverbrennung in Kohlekraftwerken wird allerdings zunehmend schwieriger, weil deren Zahl abnimmt. Auch eine Erhöhung von Mitverbrennungskapazitäten in Zementwerken ist nicht zu erwarten, da der hohe Phosphorgehalt im Klärschlamm die Qualität des Zements beeinträchtigen kann. Das Umweltbundesamt skizziert seine Strategie öffentlich: Ausstieg aus der bodenbezogenen Verwertung und Ausbau von Verbrennungskapazitäten. Als Perspektive sieht das UBA die notwendige Schaffung neuer Mono-Verbrennungskapazitäten und die "Entwicklung hin zu kleineren dezentralen Anlagen".

Auf Linie des Umweltbundesamtes

Insofern liegt Walter Huning mit seinem Projekt auf der aktuellen Linie. Er verwies darauf, dass in Osnabrück eine große Anlage geplant werde. Aber es mache doch keinen Sinn, den Meller Klärschlamm täglich dorthin oder noch weiter zu kutschieren. Hunings Vorschlag: Die Meller Politiker sollten sich seine Pläne gerne auch vor Ort anschauen und dann entscheiden, ob sie die Anlage bauen lassen. 

Sein Unternehmen nehme dafür dann viel Geld in die Hand. Aber eines sei ihm wichtig: "Wir machen das nur, wenn die Stadt und ihre Bürger das wollen". 


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