Vom Reiz des Tragbaren Mode um 1900: Silberhauben im Fachwerk Wellingholzhausen

Von Marita Kammeier


Wellingholzhausen. Die Damenmode um 1900 war geprägt von der Trendfarbe Schwarz. Einen historischen Schatz an Hauben und Gewändern präsentierte Elisabeth Benne, die das Publikum mit Geschichten und Anekdoten in plattdeutscher Sprache zum Lachen brachte.

Es war ein humorvoll-vergnügter Nachmittag mit Kaffee und Kuchen, der Einblicke in die Mode um das Jahr 1900 zeigte, aber auch die damaligen Lebensumstände von Bauern und Bediensteten nicht verschwieg. "Die Tischdekoration mit altem Porzellan von Tante Toni, genannt Toto," so begrüßte Marie-Luise Lumme die Gäste im vollbesetzten Fachwerk 1775 zu der gemeinsam mit dem Seniorenkreis der katholischen Kirchengemeinde organisierten Modenschau.  

Historische Kleindungsstücke

Seit 1983 sammelt, entwickelt und restauriert Elisabeth Benne aus Bad Rothenfelde historische Kleidungsstücke. Ganz nervös wird die in Gesmold-Dratum geborene und in Borgloh aufgewachsene 82-Jährige, wenn ein kleiner Riss in den schwarzen Spitzengewändern sichtbar wird. Jedes einzelne Teil liegt der Modefrau am Herzen.

Babypuppe mit Schelmenaugen im Blick der Mutter. Foto: Marita Kammeier


Im Puppenwagen mit hohen Rädern aus dem Jahr 1880 sitzt eine Schelmenpuppe, die mit den Augen rollt, wenn sie hochgehoben wird. Im Hintergrund hat die Mutter mit Silberhaube und blauem Band alles im Blick. "Das bedeutet, sie ist auf der Lauer", erklärte die Sammlerin. Der erste Mann sei gestorben, und die Frau sucht nach einem neuen.

Herzklopfen in der Nacht

"Das Knüppeln der Hauben ist nicht einfach", meinte die Moderatorin. Wenn eine Bäuerin in den Jahren von 1830 bis 1910 heiratete, erhielt sie drei Hauben "von der Wiege bis zur Bahre": in Gold, Silber und Schwarz. Am Tag der Hochzeit trug die Braut ein schwarzes Kleid mit weißem Spitzentuch auf dem Kopf. Nachts zog sie ein weißes Gewand an mit Mütze und Stoffbeutel für Schokolade und Alkoholfläschchen, um die Nerven zu beruhigen und das Herzklopfen zu mindern.  

Das Nachtjackengeschwader mit angerauten Nachtmützen holt Moderatorin Elisabeth Benne hier auf die Bühne. Foto Marita Kammeier


Nach einer Woche beim katholischen Kirchgang kam dann die goldbesetzte Haube erstmals zum Einsatz. "Da wusste jeder, das Mädchen ist unter der Haube." Erst ab dem Jahr 1934 setzte sich das weiße Hochzeitskleid durch.

Zeit der "Schmachtjahre" 

Es sei in der Osnabrücker Region auch die Zeit der "Schmachtjahre" gewesen, so Elisabeth Benne. Viele Männer arbeiteten in Holland, um mit dem Geld über den Winter zu kommen oder wanderten nach Amerika aus.

Von dort gelangte der erstmals von den Quäkern getragene Zylinder, der sogenannte Chapeau Claque, nach Europa. Schwarze Kleidung mussten auch die Dienstboten in wohlhabenden Haushalten tragen. Mit weiß-durchlöcherter Schürze arbeiteten dort die Köchin, Amme und Küchenmamsell.

Dienstbotenkleidung für die Köchin, Amme und Küchenmamsell. Foto: Marita Kammeier


In entzückenden weißen Kleidern liefen die Schulkinder Eleonor, Hanna, Maja und Rima mit Ranzen und Tafel barfuß auf die Bühne, begleitet von den dreijährigen Mädchen Annabell und Nora sowie Marie-Luise Lumme in Dienstbotenkleidung.

Zum Abschied der historischen Modenschau zitierte Elisabeth Benne den Dichter Friedrich Schiller mit den Worten: "Ein tiefer Sinn wacht in den alten Bräuchen." Dem stimmte das begeisterte Publikum mit großem Applaus zu.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN