"Ein-Meter-Puffer reicht aus“ Meller Landwirte gegen Fünf-Meter-Schutz an Gewässern

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Der Ackerstreifen, auf dem nicht gespritzt und gedüngt werden darf, soll nun doch nicht mehr fünf Meter breit werden. Die einst geplante Breite zeigen die Landwirte Dirk Speckmann (links) und Hermann Stratmann an der Oberen Hase. Foto: Norbert WiegandDer Ackerstreifen, auf dem nicht gespritzt und gedüngt werden darf, soll nun doch nicht mehr fünf Meter breit werden. Die einst geplante Breite zeigen die Landwirte Dirk Speckmann (links) und Hermann Stratmann an der Oberen Hase. Foto: Norbert Wiegand

Melle. Ein Fünf-Meter-Schutzstreifen beim Spritzen auf Äckern an Gewässern, den der Kreis wollte, ist vom Tisch. „Ein Ein-Meter-Puffer reicht aus“, ärgert sich Landwirt Hermann Stratmann über den „fachlich nicht zu rechtfertigenden Eingriff“ in seine Eigentumsrechte. Der wird jetzt von der Politik korrigiert.

Der Kreis wollte den fünf-Meter-Schutzstreifen zur Umsetzung der europäischen „Natura-200-Richtlinie“ im „Landschaftsschutzgebiet Else und Obere Hase“ einrichten. „Bei unserer präzisen Pflanzenschutz-Technik reicht der geltende Ein-Meter-Puffer aber völlig aus“, sagt Hermann Stratmann. 

Ein Feld des Wellingholzhauseners grenzt auf einer Länge von 120 Metern an die Obere Hase im Bereich Wellingholzhausen. „Ich hätte bei einem fünf Meter breiten Schutzstreifen also fast 480 Quadratmeter weniger Acker und entsprechende Verluste“, gibt Stratmann zu bedenken.

Bei Bauer Dirk Speckmann sind es sogar 1000 Meter Ackerland, die an die Hase angrenzen. „4000 Quadratmeter, die ich der Allgemeinheit zur Verfügung stelle, laufen auf jährlich 400 Euro Ernteeinbußen für mich hinaus“, erklärt Speckmann.

Punktgenaues Spritzen

Dirk Speckmann glaubt nicht daran, dass ein Fünf-Meter-Streifen dem Ziel der FFH-Richtlinie dient, die Lebensbedingungen für Steinbeißer, Bachneunaugen und andere Fischarten zu verbessern. Denn: „Unsere Maschinen mit GPS-Steuerung und Abdrift-Minderung können die Pflanzenschutzmittel punktgenau ausbringen, da gelangt fast nichts ins angrenzende Gewässer.“ Hermann Stratmann weist darauf hin, dass wirklich jeder Landwirt, bevor er spritzt, einen Sachkundenachweis erworben haben muss, der stets beim Händler vorgelegt wird.

Ohne seinen Sachkundenachweis bekommt Hermann Stratmann keine Spritzmittel. Foto: Norbert Wiegand

Die Spritzleistung jeder einzelnen Düse werde präzise kontrolliert, ergänzt Speckmann. Trotzdem praktiziere er persönlich schon jetzt freiwillig einen Zwei-Meter-Abstand zur Gewässerkante. „Aber fünf Meter halte ich für absolut übertrieben“, plädiert er für mehr Freiwilligkeit und zielgerichtete Maßnahmen an naturräumlich besonders sensiblen Stellen.

„Eigentlich helfen pauschal und überall verordnete Fünf-Meter-Abstände der Umwelt und Natur nicht weiter“, spricht der Landwirt sich für „ein anderes Schutzmodell mit differenzierten Vorschriften“ aus.

150 Betroffene

Heinrich Kinnius weist darauf hin, dass von der fünf-Meter-Regelung allein in Melle 150 Flächeneigentümer betroffen wären. Der Landvolkgeschäftsführer ist froh, dass sich die Überzeugungsarbeit des Landvolks gelohnt hat: „Die Politik im Landkreis ist dabei, den Fünf-Meter-Vorschlag der Kreisverwaltung zu korrigieren.

Wie der CDU-Fraktionsvorsitzende Martin Bäumer und der Meller Kreistagsabgeordnete Heinrich Niederniehaus mitteilen, haben sich CDU und SPD im Umweltausschuss des Kreises auf einen Ein-Meter-Schutzstreifen verständigt. Allerdings wird die Untere Naturschutzbehörde ermächtigt, Anordnungen zur Sicherung des Schutzziels zu treffen, falls eine Beeinträchtigung durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln festgestellt werde, ergänzt Johannes Eichholz als umweltpolitischer Fraktionssprecher. 

Landwirt Stratmann ist durchaus dafür, dass Gebietsmanager der Unteren Naturschutzbehörde Gewässerproben ziehen und genau ermitteln, wo tatsächlich Handlungsbedarf besteht. „Falls so nachgewiesen werden kann, dass FFH-Schutzziele durch Pflanzenschutzmittel beeinträchtigt werden, ist gegen behördliche Anordnungen nichts mehr einzuwenden“, meint auch der Handarper Landwirt Heiner Niederniehaus. „Zunächst aber sollte Vertrauen in das verantwortliche und umweltbewusste Handeln der Landwirte im Vordergrund stehen, die es dann selbst in der Hand haben, durch ordentliches Wirtschaften höhere Auflagen zu vermeiden.“

Für Martin Bäumer hat die Festsetzung für das Meller FFH-Gebiet Signalcharakter für den gesamten Landkreis Osnabrück. Der Kreistag muss den Beschluss am 11. März noch bestätigen.


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