Die Gülle bleibt noch in den Silos Nasse Böden verhindern in Melle die Gülle-Ausbringung

Ganz gelassen warten Rainer Heitkamp, Lars Sieckermann, Volker Brinkschule und Dierk Sabbert (von vorne nach hinten) auf trockenes Wetter, das erst den Einsatz des Güllefasses mit Schleppschläuchen ermöglicht. Foto: Norbert WiegandGanz gelassen warten Rainer Heitkamp, Lars Sieckermann, Volker Brinkschule und Dierk Sabbert (von vorne nach hinten) auf trockenes Wetter, das erst den Einsatz des Güllefasses mit Schleppschläuchen ermöglicht. Foto: Norbert Wiegand

Melle. Die Sperrfrist für die Ausbringung von Gülle auf Ackerland vom 1. Oktober bis zum 1. Februar ist abgelaufen. Aber bis jetzt liegt noch keine Duftwolke über der Landschaft. „Es ist zu nass und zu matschig, da ist das Güllefahren kein Vergnügen“, erklärt Bauer Volker Brinkschulte.

Sein Gülle-Silo in Markendorf hat noch freie Kapazitäten. „Bis Mitte März habe ich keinen Druck, unbedingt Gülle auszubringen“, rechnet Brinkschulte bei einer Kontrolle des Füllungs-Grades im Kopf aus. Ähnlich geht es den meisten seiner Berufskollegen, auch Rainer Heitkamp, der von „vier Wochen Spielraum“ spricht. Der Barkhausener lässt derzeit den Inhalt seines Gülle-Lagers unter den Schweineställen von Lohnunternehmer Dierk Sabbert in sein großes Vorratssilo umpumpen. An die Verteilung des Düngers auf dem Acker denkt er noch nicht.

Den Füllungsgrad seines Gülle-Silos in Markendorf prüft Landwirt Volker Brinkschulte. Foto: Norbert Wiegand

Da im späten Winter oft und lang anhaltend mit Nässe und Matsch zu rechnen ist, sind Tage mit Nachtfrost die geeignetsten, um mit schwerem Gerät überhaupt auf dem Acker fahren zu können. Dann ist der Boden so angefroren, dass die Räder nicht im Morast versinken. Auf bei Dauerfrost hart gefrorene Böden darf keine Gülle aufgebracht werden, weil sie dann nicht vom Erdreich aufgenommen wird. Die beste Voraussetzung ist eine längere trockene Wetterperiode.

Exakte Bedarfsermittlung

Die Landwirte weisen darauf hin, dass sie sehr genau darauf achten, dass die Düngermengen dem Bedarf der Pflanzen entsprechen und nicht ungenutzt ins Grundwasser sickern. „Mais braucht mehr, Gerste weniger Dünger“, erläutert Brinkschulte. „Wir lassen den exakten Düngerbedarf eines jeden Ackers von einem spezialisierten Fachmann ermitteln“, ergänzt der Landvolk-Sprecher. Dieser Fachmann ist Lars Sieckermann. Der Berater für Düngerecht beim Meller Landvolk bestätigt, dass tatsächlich jeder Landwirt mit ihm Kontakt aufnimmt, bevor er Gülle auf seine Äcker ausbringt.

Das Umpumpen von Gülle in größere Sammelbehälter steht vorläufig noch bei Lohnunternehmer Dierk Sabbert im Vordergrund. Fürs Ausbringen der Gülle sind die Äcker noch zu nass. Foto: Norbert Wiegand


„Bei der Bestimmung der geeigneten Düngermenge berücksichtigen wir auch den Standort und Ergebnisse von Bodenproben, um einen wirklich sehr exakten Nährstoffbedarf zu ermitteln“, versichert Sieckermann. Zu den Vorbereitungen der Düngung gehört ebenso die genaue Bestimmung des Nährstoffgehaltes im Dünger – denn Gülle ist nicht gleich Gülle. Für Brinkschulte wurden so 18 Kubikmeter Gülle für einen Hektar Winterweizen ermittelt. Der Düngezeitpunkt und die Düngermenge ist so zu wählen, dass die Nährstoffe vollständig von den Pflanzen aufgenommen werden können.

Moderne Dosier-Technik

„Moderne Dosier-Technik ermöglicht es, den gemessenen und berechneten Düngerbedarf verlässlich und punktgenau auszubringen“, ist Landvolk-Geschäftsführer Heinrich Kinnius überzeugt. Inzwischen kämen auf den meisten Äckern Präzisionsgeräte von Lohnunternehmern zum Einsatz. „Wir stehen doch überall unter öffentlicher Beobachtung und wollen auch eine möglichst gute Arbeit im Sinne des Umweltschutzes leisten“, betont Lohnunternehmer Dierk Sabbert.

Den Stickstoffgehalt der Gülle ermittelt Lars Siekermann mit einem speziellen Gerät, damit absolut bedarfsgerecht gedüngt werden kann. Foto: Norbert Wiegand

Nach Einschätzung von Volker Brinkschulte passt in der Flächenstadt Melle die Menge der Tiere in den Ställen zum Nährstoffbedarf auf den vorhandenen Agrarflächen. Auf seinem eigenen Hof sei die Bilanz ausgeglichen, auf manchen anderen Höfen werde der Überschuss an Ackerbauern abgegeben, die selbst keine Tiere halten.


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