Hilfe für Pflegebedürftige Pflegesprechstunde beim Hausarzt in Melle

Hausärzte und ambulante Pflegedienste in Melle ziehen an einem Strang. Sie bieten in zwei Hausarztpraxen Pflegesprechstunden an. Foto: Simone GraweHausärzte und ambulante Pflegedienste in Melle ziehen an einem Strang. Sie bieten in zwei Hausarztpraxen Pflegesprechstunden an. Foto: Simone Grawe

Melle. Dieses Modell ist im weiten Umkreis einmalig und könnte weit über Melle hinausstrahlen: In Zusammenarbeit von Hausärzten und ambulanten Pflegediensten besteht seit Kurzem das Angebot einer Pflegesprechstunde.

Diese Problematiken sind vielen Familien bekannt: Der Angehörige wird zunehmend vergesslich, er ist nicht mehr so gut auf den Beinen, oder nach einem Krankenhausaufenthalt stellt sich die Frage, wie die Versorgung zu Hause sichergestellt werden kann. Was kann zu Hause bewältigt werden, und welche Unterstützungsmöglichkeiten bestehen?

Kompetenzen bündeln

Mit diesen Ängsten und Nöten von Patienten werden die Hausärzte oftmals konfrontiert. Sie sind die erste Anlaufstelle, wenn es um die Beratung von Menschen mit Pflegebedarf oder deren Angehöriger geht. Allerdings können die Hausärzte viele Fragen kaum beantworten.

An diesem Punkt setzt das neue Projekt der Pflegesprechstunde an: Es koordiniert die Kompetenzen der hausärztlichen und der pflegerischen Versorgung: „Die Idee ist ganz einfach. Wir schaffen einen Rahmen, wenn es die hausärztliche Versorgung und um pflegerische Themen geht“, betont Andreas Büscher, der das Projekt unter dem Dach der Hochschule Osnabrück wissenschaftlich begleitet.

Siebenköpfiges Beratungsteam

An dem Modell in Melle sind die beiden Hausarztpraxen Andreas Wiechmann/Sascha Wehming in Melle sowie Thomas Herzig in Buer beteiligt. Sie bieten in Kooperation mit den Pflegediensten der Caritas und der Diakonie einmal wöchentlich Pflegesprechstunden an. Die Patienten beider Praxen haben nun unmittelbar die Möglichkeit, sich fachkundig und kostenlos informieren und beraten zu lassen, wobei ein siebenköpfiges Beratungsteam zu Verfügung steht.

Deren Mitglieder verfügen über eine Ausbildung und langjährige Berufserfahrung in der Kranken- und Altenpflege. In mehr als 130 Unterrichtsstunden hat sich das Team auf die neue Aufgabe vorbereitet. Dazu gehören Diana Kröger, Viktoria Kühne, Monika Meyer-Placke, Ulrike Schulke, Sandra Senftleben, Ulrike Stutmann und Maren Többen.

„Unser Ansatz ist es, nicht erst zu reagieren, wenn es zu spät ist, sondern frühzeitig zu intervenieren, um im Vorfeld einer fortschreitenden Erkrankung Plan A, B oder C zu entwickeln“, betont Sascha Wehming.

Agieren statt reagieren

„Agieren statt abwarten“, ergänzt sein Kollege Andreas Wiechmann. So soll das Projekt dazu dienen, bei den Patienten die Bereitschaft zu wecken, das Angebot in Anspruch zu nehmen, um schwerere Folgen bei den Pflegebedürftigen zu vermeiden.

Ausdrücklich weisen die beteiligten Hausärzte darauf hin, dass sich das Angebot an die Patienten der jeweiligen Praxen richtet: „Wir betreiben keine Akquise oder Abwerbung, vielmehr wollen wir unabhängig beraten“, fügt Thomas Herzig hinzu.

Gefördert wird das Projekt vom Land Niedersachsen im Rahmen des Programms zur Stärkung der ambulanten Pflege im ländlichen Raum, betont Martin Schnellhammer von Living Lab, einer Einrichtung, die durch den Landkreis, das Bistum Osnabrück, die Hochschule und die Uni Osnabrück gefördert wird. Die Laufzeit ist mit Ablauf der Förderrichtlinie zunächst bis April begrenzt: „Wir bemühen uns aber um eine Weiterfinanzierung“, sagt Schnellhammer. Eine wissenschaftliche Begleitung erfolgt ebenfalls durch die Hochschule. Für Juliane Erdmann ist Projekt Gegenstand ihrer Masterarbeit.

Dauerhaft installieren?

Andreas Büscher regt an, das Projekt auch ohne Modellprogramm dauerhaft zu installieren. Dabei müsse allerdings geklärt werden, ob Kranken- oder die Pflegekasse oder beide in Kooperaton die Finanzierung übernehmen.

Termine: In der Praxis von Thomas Herzig in Buer findet die Pflegeberatung dienstags von 15 bis 17 Uhr statt, in der Praxis Wiechmann/Wehming in Melle donnerstags von 15 bis 17 Uhr.


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