Dritter Diskussionsabend Matthäuskirche verkleinern? Meller Gemeinde gespalten

Meine Nachrichten

Um das Thema Melle Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Gut 100 Interessierte hatten sich im Gemeindehaus St. Matthäus Melle eingefunden, um über eine mögliche Umgestaltung der Kirche zu diskutieren. Foto: Kirsten MuckGut 100 Interessierte hatten sich im Gemeindehaus St. Matthäus Melle eingefunden, um über eine mögliche Umgestaltung der Kirche zu diskutieren. Foto: Kirsten Muck

Melle. Das Thema „Verkleinerung der neuen Matthäuskirche“ bewegt die Gemeinde weiterhin. Am Dienstag wurden beim Diskussionsabend zur Einrichtung eines Kolumbariums erneut Vorbehalte deutlich.

Die Entscheidung, ob der Kirchenraum verkleinert werden soll und wenn ja, wie, ist noch nicht gefallen, betonte Pastor Michael Wehrmeyer zu Beginn seiner einleitenden Erklärung. Die Entscheidung sei für Anfang 2020 geplant. Zwei Informations-/Diskussionsabende waren der Versammlung am Dienstag im Gemeindehaus vorausgegangen. In der ersten ging es darum, wie es zur Idee Kolumbarium gekommen ist (starke Rückgänge der Besucherzahlen in Gottesdiensten, Wirtschaftlichkeit) In der zweiten um die grundsätzliche Erörterung der Frage „Gehören die Toten überhaupt in die Kirche?“. In einem Kolumbarium werden Urnen mit der Asche Verstorbener bewahrt.

Für die meisten wahrscheinlich neu war die Information, dass ein vierter Abend stattfinden soll. Thema dann: „Alternativen zum Kolumbarium entwickeln“. Am 14. März, 19 Uhr, können die Gemeindemitglieder eben dies tun. Wehrmeyer: „Das setzt voraus, dass man grundsätzlich umgestalten will.“

Das genau ist die Frage, wie aus den Redebeiträgen der gut 100 Versammelten deutlich wurde. Der dritte Abend war mit zwei Fragen überschrieben. „Wie viel Kirchenraum brauchen wir?“ und „Wie wollen wir in Zukunft Gottesdienst feiern?“ Letzteres wurde im zweiten Teil des Abends in Kleingruppen erörtert.

Kirche nur noch selten voll

Um den Hintergrund der grundsätzlichen These „Die Kirche ist inzwischen im Alltag zu groß“ zu untermalen, hatte Pastor Wehrmeyer Gottesdienstbesucher-Zahlen vom Bistum besorgt. So kamen 1958 (3800 Mitglieder) am Wochenende 2900 ins Gotteshaus. 1968 waren es trotz einer auf 4500 deutlich gestiegener Mitgliederzahl noch 2700. Zehn Jahre später (5000 Mitglieder) 2300. Danach pendelte sich die Mitgliederzahl bei etwa 4800 ein, die Teilnahme aber sank weiter. 1200 waren es 1995, gerade noch 700 im Jahr 2010. Inzwischen sind es 500; etwa 200 am Samstag, 250 bis 300 am Sonntagmorgen. Voll sei die neue Kirche mit ihren 750 Plätzen nur noch Heiligabend, zur Erstkommunion und beim Unicef-Konzert des Gymnasiums, so Wehrmeyer.

Gut 100 Interessierte hatten sich im Gemeindehaus St. Matthäus Melle eingefunden, um über eine mögliche Umgestaltung der Kirche zu diskutieren. Foto: Michael Hengehold

Die Gemeinde zeigte sich in der anschließenden Diskussions- und Fragerunde gespalten. Während ein Redner betonte, es sei doch schön, wenn man lockerer sitzen könne statt eng gedrängt, gab es auch einige Stimmen, die sich im Gegenteil wünschen, wieder dichter zusammenzurücken. Den Gottesdienst eben gemeinsam feiern, statt nur im selben Raum. Ein „Kollektant“ (Einsammler der Kollekte) habe das Wort „Wandertag“ verwendet, hieß es. Ähnlich sei es beim Friedensgruß, wenn „zehn Meter“ zum Nächsten zu gehen seien.

Auch an die Zukunft denken

Mit eher zögerlichem Beifall wurde der Vorschlag bedacht, normale Gottesdienste in der alten Kirche abzuhalten. Deutlich lauter fiel die Zustimmung beim Hinweis aus, dass angesichts des Priestermangels fraglich sei, wie lange noch zwei Messen in Melle-Mitte angeboten werden können und was überhaupt aus den weiteren Matthäus-Standorten Riemsloh, St. Annen, Buer und Sondermühlen werden solle.

Für die Idee, hintere Bankreihen zu sperren, damit die Gemeinde vorne konzentriert sitzt, können sich einige erwärmen, verriet der Applaus. Und gleich zwei Redner mahnten, nicht so sehr die eigene Sicht in den Vordergrund zu stellen, sondern den Blick 10, 20, 30 Jahre in die Zukunft zu richten.

Das Kolumbarium, das mit einem Grundstock anfangen und nach und nach vergrößert werden könnte, trüge sich zum einen finanziell, diene aber auch der zukünftigen Finanzierung des Kirchengebäudes, sagte Michael Wehrmeyer: „Noch so eine Sache wie der Turm und wir stehen auf ganz dünnem Eis.“ Der Kirchturm musste vergangenes Jahr für 650000 Euro saniert werden.

Dass zukünftig weniger Gottesdienstbesucher kommen werden, wie mehrere Redner vermuteten, zweifelten zwar einige an („Woher willst du das denn wissen?“), doch machte Pastor Wehrmeyer den Anwesenden mit Blick auf den Altersdurchschnitt der Gemeinde keine Hoffnung: „Es geht seit 60 Jahren immer nur bergab, wie sollen die Zahlen denn wieder hochschnellen?“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN