Hintergründe zu Pastor Krahns Abgang Vergiftete Atmosphäre im Kirchenvorstand in Melle-Buer

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Die Hintergründe des Abgangs von Pastor Ingo Krahn aus der Martinigemeinde in Buer werden im Dorf seit Wochen diskutiert. Foto: Michael WollDie Hintergründe des Abgangs von Pastor Ingo Krahn aus der Martinigemeinde in Buer werden im Dorf seit Wochen diskutiert. Foto: Michael Woll

Buer. Der Rückzug von Pastor Ingo Krahn aus der Martinigemeinde Buer geht offenbar auf ein schwerwiegendes Zerwürfnis mit Teilen des Kirchenvorstands zurück. Dabei ging es unter anderem um eigenmächtige Auftragsvergaben und eine angeblich gefälschte Unterschrift.

Bislang war lediglich von „unterschiedlichen Auffassungen in der Zusammenarbeit mit dem Kirchenvorstand“ die Rede. Diese Formulierung hatte Superintendent Hans-Georg Meyer-ten Thoren auf Anfrage unserer Redaktion verwendet. Krahn, inzwischen in der Gemeinde St. Marien in Wienhausen (Landkreis Celle) tätig, hatte sich ebenfalls zurückhaltend geäußert: Nach zehn Jahren sei es durchaus an der Zeit, sich neu zu orientieren. Im Übrigen habe er sich auch auf die neue Stelle beworben, weil sie eine große Nähe zur Familie mit sich bringe.

Kenner der Vorgänge in Buer berichten nun aber, dass die Auseinandersetzungen deutlich über unterschiedliche Meinungen hinausgingen und die Atmosphäre regelrecht vergiftet war. So ist davon die Rede, dass der Pastor „weggeschubst“ worden sei. Auch das Wort „Mobbing“ fällt und wird von anderen Insidern als durchaus angemessen eingeordnet. Ein Kenner der Vorgänge hatte von „eigenwilligen Charakteren“ im Kirchenvorstand gesprochen.

So soll ein Kirchenvorstandsmitglied trotz mehrfacher Mahnung wiederholt eigenmächtig, ohne Beschluss des Gremiums, Aufträge erteilt haben, berichten mehrere Quellen. Dabei ging es teils um einige Tausend Euro.

Angeblich eine gefälschte Unterschrift

2017 habe ein Kirchenvorstandsmitglied dann eine Rückerstattung zugunsten von Krahn unterschrieben, aber hinterher behauptet, die Unterschrift nicht selber geleistet zu haben. Dabei ging es um die sogenannte Diakoniekasse, eine Soforthilfe in bar für Bedürftige, die der Pastor vorstreckt. Diese Unterschrift sei gefälscht, behauptete das Mitglied. Von Gerüchten, dass er die Unterschrift gefälscht habe, wurde Krahn erst Ende 2018 innerhalb des Kirchenvorstands entlastet.

Die Anti-Krahn-Fraktion soll drei Personen im aktuellen Vorstand umfassen, der im März 2018 gewählt und im Juni 2018 konstituiert wurde. In dem Vorgänger-Gremium sollen es vier bis fünf Mitglieder gewesen sein. Die Auseinandersetzung soll darin gegipfelt haben, dass diese Krahn-Gegner des alten Vorstands sich Anfang 2018 mit einem fünf-Punkte-Papier an Superintendent Hans-Georg Meyer-ten Thoren gewandt hätten. Die fünf Punkte sollten belegen, warum eine weitere Zusammenarbeit mit Krahn unmöglich geworden sei.

Der Superintendent soll ein schlechtes Verhältnis zu Krahn gehabt haben, weil der Pastor zu oft und zu offen Kritik an internen Verfahrensweisen geübt habe. Tatsache ist, dass Meyer-ten Thoren bei der Verabschiedung Krahns im Gottesdienst am zweiten Weihnachtsfeiertag nicht anwesend war.

„Es war nicht nicht immer einfach mit ihm“

Superintendent Hans-Georg Meyer-ten Thoren verweist auf Anfrage darauf, dass er der Schweigepflicht unterliege und sich zu Interna aus dem Kirchenvorstand nicht äußern werde. Die Darstellungen gäben „eine bestimmte Sicht der Dinge“ wieder: „Es gibt aber auch andere Dinge, die ich nicht sagen darf“, das auch zum Schutz „aller handelnden Personen“. Die Frage, wie sein Verhältnis zu Pastor Krahn gewesen sei, beantwortete Meyer-ten Thoren mit: „Es war nicht immer einfach mit ihm.“

Pastor Krahn sagte unserer Redaktion, dass es ihm „dienstrechtlich“ nicht zustehe, die Aussagen zu kommentieren. Seine Aufmerksamkeit gelte nun den Belangen seiner neuen Gemeinde. Und weiter: „Die guten Erinnerungen in zehn Jahren Tätigkeit in der Kirchengemeinde Buer behalte ich. Und die sind in der großen Mehrheit und verbinden mich mit vielen Gemeindegliedern und Kirchenvorstandsmitgliedern. Ich hoffe, dass Ruhe einkehrt und sich bald ein Pastor für diese wunderbare Kirchengemeinde findet.“

Auch der Vorsitzende des Kirchenvorstands, Falk Bischoff, möchte nichts weiter dazu sagen: „Wichtig ist, dass im Vorstand Ruhe einkehrt, wir einen neuen Pastor bekommen und zum Wohle der Gemeinde arbeiten können.“


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