Naturschutzgebiet „Im Wischen“ Artenvielfalt in Melle auf kleinstem Raum


Melle. 31 Naturschutzgebiete gibt es im Landkreis Osnabrück, darunter drei in Melle. Das rund 13 Hektar große Areal „Im Wischen“ in Buer wurde vor genau 30 Jahren als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Während das mit knapp 43 Hektar große Gebiet Beutling und das knapp 107 Hektar große Areal Obere Hunte einen recht großen Bekanntheitsgrad genießen, ist es vielen Zeitgenossen nicht geläufig, dass auch das Gebiet „Im Wischen“ unter besonderem Schutz gestellt ist.

Schutz seit 30 Jahren

„Dieses Naturschutzgebiet hat seinen Status wirklich verdient“, betonen Florian Seifert und Volker Tiemeyer mit Blick auf die Artenvielfalt auf kleinstem Raum. In einem Gespräch mit dem „Meller Kreisblatt“ erläutern die Vorstandsmitglieder der Stiftung für Ornithologie und Naturschutz (SON) die Besonderheiten, die Flora und Fauna in dem 13 Hektar großen Areal aufweisen.

Geowissenschaftlich bedeutsam

Vor genau 30 Jahren wurde die Fläche „Im Wischen“ als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Laut niedersächsischer Naturschutz-Verordnung werden der Erhalt und die Entwicklung standortgerechter Waldgesellschaften des Bacherlen-, Eschen- und des Waldmeister-Buchenwaldes sowie die im Wassereinzugsgebiet gelegenen zum Teil seggenreichen Grünlandflächen als Zweck der Unterschutzstellung genannt: „Außerdem soll das schluchtartige Relief mit seinen geowissenschaftlich bedeutsamen Quellhorizonten und Quellnischen als Lebensraum für wild wachsende Pflanzen und wild lebende Tiere langfristig gesichert werden“, heißt es in der Verordnung.

Viele kleine Bäche

Kleinflächig, farbenfroh, vielfältig: Diese drei Charakteristiken zeichnen das Areal in Buer aus. So wird das Gebiet von einer Vielzahl kleiner Bäche, temporären Rinnsalen und Quellen geprägt. Interessant sind nach Worten von Florian Seifert darüber hinaus die Vielgestaltigkeit aus ganz verschiedenen Biotopen sowie nicht zuletzt eine Artenvielfalt bei den Vögeln.

Tiemeyer richtet den Fokus auf die ausgedehnten Feucht- und Nasswiesen und eine eindrucksvolle Pflanze: die Steife Segge. Diese Pflanze bildet sogenannte Bülten aus: „Die sehen aus wie Bubiköpfe. Sie haben sich aus abgestorbenen Pflanzenmaterialien aufgetürmt und können bis zu einem Meter hoch werden. Eine typische Pflanzenart der Verlandungszone. Hier gab es früher neben dem Mühlenteich einen weiteren Teich, aber das ist schon sehr lange her“, erklärt Tiemeyer. Zu einem Friseur sollte man diese Bubiköpfe jedoch nicht schicken. Vielmehr sollen sie sich weiter entwickeln können.

Farbenfroh

Als für Meller Verhältnisse interessant und vielgestaltig ist auch der Waldbereich zu bewerten. Alter Buchenwald wechselt ab mit einem überaus artenreichen Auwald, der in einen in der Verlandung begriffenen ehemaligen Mühlenteich übergeht.

Weitere Pflanzen finden besondere Erwähnung: Neben Bachnelkenwurz und Riesenschachtelhalm wachsen „Im Wischen“ zum Beispiel auch Milzkraut und Wasserminze. Gerade der Riesenschachtelhalm hat sich hier zu einem der größten Bestände im Grönegau entwickelt: „Mit dem bis zu 1,50 Meter hohen Spross sehen die Bestände aus wie ein Miniaturwäldchen“, sagt Tiemeyer. Auf Feuchtwiesen anzutreffen ist das Wiesenschaumkraut: „Nicht ganz selten, aber einigermaßen hübsch“, kommentiert Seifert.

Kristallklares Wasser

Kristallklar, sandreiche Sedimente, die mit eiszeitlichen, edelsteinfarbenen Kleingeröllen durchsetzt sind, und mit moosbewachsenen Steinen garniert: So beschreibt Tiemeyer die kleinen Bächen, Rinnsale und Quellen des Auwaldes und der Sieke, die auch zum Naturschutzgebiet zählen.

Neben den Pflanzen spielt auch die Artenvielfalt bei den Vögeln eine große Rolle, die zur Schutzwürdigkeit des Gebietes beiträgt. So haben Mitarbeiter der SON freiwillig und ehrenamtlich eine Bestandserfassung für das gesamte Naturschutzgebiet nach der Revierkartierungs-Methode vorgenommen: „Das ist ein ziemlich aufwendiges Verfahren“, erläutert Florian Seifert. An sieben Morgenden der Brutzeit sind die Zähler mit der Sonne aufgestanden und haben die Vögel nach dieser wissenschaftlichen Methode erfasst. Dabei spiegeln insbesondere die drei Arten Hohltaube, Dorngrasmücke und die Gebirgsstelze die besonderen Lebensraumverhältnisse in dem Gebiet wider.

100 Brutpaare

Insgesamt brüten um die 25 Vogelarten mit etwa 100 Paaren im Naturschutzgebiet: „Und ebendiese drei Namen malen aufgrund ihrer Biotopansprüche ein kleines Bild im Kopf eines jeden Vogelkundlers, das für eine große Vielfalt auf kleinem Raum steht“, unterstreicht Seifert. So ist zum Beispiel die Gebirgsstelze entlang mäandrierender Fließgewässer unterwegs. Ein Brutpaar dieser farbenfrohen Art konnte die SON ausfindig machen.

Ein Spaziergang durch dieses artenreiche und abwechslungsreiche Naturschutzgebiet lohnt sich zu jeder Jahreszeit. Die Wege dürfen betreten werden. Allerdings warnt die Schutzgebietsverordnung davor, sie zu verlassen.


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