„Traget diese Kunde weiter“ Melle: Mittelalter-Markt lockt Fans ins Canisiusheim

Von Conny Rutsch


Wellingholzhausen. „Seid gegrüßet, Schreiberin“. In eine völlig andere Zeit und Welt fühlten sich die Besucher des Canisiusheims am Wochenende in Welling versetzt. Händler und Kunsthandwerker setzten mit ihren Verkaufsständen das Mittelalter in Szene.

Es roch nach Gewürzen und Räucherwerk, nach Leder und Honig zwischen den Balken des alten Fachwerks. Dieses diente den Händlern der Mittelalterszene als willkommener und authentisch wirkender Hintergrund ihrer Marktstände. All das, was es sonst nicht augenfällig in Schaufensterauslagen zu sehen gibt, zog das Interesse der Besucher an.

Geschnitzte Motive

Gewandschneiderin Bettina König fertigte vor Ort nicht nur bunte Webbänder, sie nahm auch gleich Maß für individuelle Kleidung. Ihr gegenüber hatte Vanessa von Poeppinhausen all das mitgebracht, was sie aus Honig herstellt wie Senf oder Kosmetika. Und Met fehlte selbstverständlich auch nicht. Die passenden Trinkgefäße dazu hielt André Gebien in seiner „Taberna Mercatoria“ bereit. Amulettschmuck aus Bronze und Silber sowie Trinkhörner in allen Größen bot er feil.

„Karma Henna“ verzierte Interessierte mit Schmuck der anderen Art. Er kennt sich in der historischen Körperkunst aus und verziert die Haut mit Hennafarbe. „Ich benutze zwar moderne Hilfsmittel, aber die Farbpaste rühre ich so an, wie es schon seit vielen Jahrhunderten gemacht wird“, erzählte er. Etwa zehn Tage halten die filigranen Muster des Henna auf der obersten Hautschicht, dann verschwindet die Farbe wieder. Gleich nebenan flocht Schamanin „Jasra“ ihrer Tochter Kathrin Haarschmuck in die Frisur. Fellknäuel, Federn, Knochen, Schnecken und Muscheln verarbeitet die Händlerin zu Schmuck für Kopf oder Hut.

Filigrane Muster zeichnete „Karma Henna“ mit Hennafarbe auf die Haut von Kunden. Foto: Conny Rutsch

Handliche Truhen mit geschnitzten mittelalterlichen Motiven und Säfte aus heimischem Obst verkaufte Andreas Wilkin. Und Bea da Silva und ihr Mann Maik Brandt hatten gleich säckchenweise getrocknete Kräuter und Tees mitgebracht. In „Thores Kinderrüstkammer“ hielt Uwe Kipping all das vor, was Kinderherzen höher schlagen lässt, wie hölzerne Drachentöter und Schilde, Schwerter und Haarreifen.

Kaninchen- und Schaffelle

Ihr Handwerk als Lederin hat sich Ursula Korn zwar selbst beigebracht, aber „ich bin sogar in der Handwerkskammer als Sattlerin und Feintäschnerin eingetragen“, erzählte sie. Beim Verkauf der Lederbeutel und mit Fell verzierten Taschen unterstützte sie ihr Mann Frank. Gleich am Eingang unterhielten Daniela und Tanja Mügebeer einen Stand mit allem, was das mittelalterliche Herz begehrt wie Met und Bier, Räucherwerk, Kleidung und Schmuck. Gegenüber hatte Markus Jasper Kaninchen- und Schaffelle ausgebreitet. Und mit einer Handharfe brachte Musikerin Jessica die passende Unterhaltungsmusik ins Canisiusheim. Die wurde nur hin und wieder übertönt von den lautstarken Stimmen der Männer in der kleinen Taverne, die sich an Bier labten.

Die Frauen hatten sich in wunderschöne Gewänder gekleidet, die Männer in weite Hosen oder Wollröcke. Bärte und Bronzeschmuck sowie derbes Schuhwerk machte das Mittelaltergefühl für die Gäste komplett.

Einer der Organisatoren aus der Szene, Bernd Jürgenliemk, schwärmte vom genau passenden Ambiente des Canisiusheimes und „wir freuen uns jetzt schon auf den großen Mittelaltermarkt, der im September dann hier in Wellingholzhausen draußen stattfindet“. Und mit einem fröhlichen „Gehabt euch wohl“, verabschiedeten sich „De Holthusener“ der Kolpingfamilie Wellingholzhausen als Veranstalter von den Gästen.


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