„Der erste Schritt ist der härteste“ Joey Kelly erzählt in Melle seine Geschichte

Von Conny Rutsch


Melle. Ein Abend voller extremer Geschichten erwartete 520 Joey-Kelly-Fans am Mittwochabend in Melle. Unter dem Titel „No Limits“ trat der Extremsportler und Musiker passend zu Beginn des Jahres als Motivator im Hotel Van der Valk auf.

Diesen als einen der sehr seltenen öffentlichen Vorträge Kellys organisierte Christiane Hüsing, die privat eine seine Schwestern kennt.

Die erste Vortragsstunde widmete Joey Kelly der Geschichte seiner Familie. 20 Jahre lang tourte er mit elf Geschwistern und den Eltern auf der Straße durch Europa und Amerika. Sie versuchten musizierenderweise, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Zunächst immer pleite

Das gelang mehr schlecht als recht: „Die ersten zwölf Jahre waren wir immer pleite“, erzählt Kelly. Unter den strengen Parolen des Vaters: „Nur wer kämpft, fordert sein Glück ein“ oder „Der Hut lügt nicht“ schafft es die Familie, durchzuhalten. Sie verlagern ihr Leben, ohne Schule für die Kinder, von einem alten Bus auf ein Hausboot in der Nähe von Köln. Dort sammelt sich dann das mühsam verdiente Geld in Form von einer Million Mark in Münzen an, die sie in Hüten für ihre Musik auf der Straße einsammeln. 1994 erreicht die Kellyfamilie ihren musikalischen und kommerziellen Durchbruch mit dem Hit „Over the Humb“ tatsächlich und füllt von da an riesige Hallen mit Fans. Der Rest ist Geschichte. Heute nach Jahren der Stille feiert die Kelly-Familie gemeinsam oder mit Soloauftritten einzelner Mitglieder wieder Erfolge. Seit 2017 tritt Joey Kelly mit sechs Geschwistern in der Gruppe The Kelly Family auf.

Nach einer Wette in den 1990er Jahren, einen Triathlon zu bewältigen, den Joey Kelly ohne Vorbereitung im wahrsten Sinn des Wortes mit Hängen und Würgen hinter sich bringt, beginnt er sein Leben als Ausdauersportler bis in die extremsten Bereiche, die überhaupt vorstellbar sind. Und sein Willen ist enorm.

Schon 100 Marathons

Ein Jahr nach dem Triathlon ist Joey Kelly drei Marathons gelaufen. Inzwischen bewältigte er über 100 Marathons, Ultramarathons, Triathlons und Ironmans. In dieser Disziplin hält er bis heute den Rekord, acht Ironmantriathlons innerhalb eines Jahres geschafft zu haben. Neunmal quälte er sich laufend durch Wüstenmarathons wie den Etappenultramarathon durch die marokkanische Sahara – sechs Etappen in sieben Tagen samt Gepäck und Nahrung. Dreimal absolvierte er das Radrennen „Race Across America“ von der West- zur Ostküste der USA.

Im September 2010 macht sich der Extremsportler ohne Geld zu Fuß auf den Weg von Wilhelmshaven bis auf die Zugspitze. In 17 Tagen und 23 Stunden erreicht er nach 900 Kilometern deren Gipfel, völlig erschöpft, aber glücklich. Er ernährte sich unterwegs nur von dem, was er in der Natur fand – briet sich sogar einen überfahrenen Hasen. „Diese Tour hat mich 9,24 Euro gekostet“, witzelt Joey Kelly. So viel kostete ihn eine Plane aus dem Baumarkt, in die er sich zum Schlafen wickelte. Im Winter 2010/11 bestritt er mit einem Team den „Wettlauf zum Südpol“. Bei minus 40 Grad legte die Gruppe, in der auch Fernsehmoderator Markus Lanz teilnahm, in zehn Tagen 400 Kilometer zurück.

Beeindruckend sind diese gewaltigen sportlichen Leistungen, denen weitere folgen werden, wie ein Nordpollauf und weitere Survivals: Im Jahr 2020 startet Kelly am 8. August um 8.08 Uhr in München zu einem Lauf bis nach Venedig – ohne Geld. „Wer will, kann mich begleiten“, sagt er. Und zum Schluss seines Zweieinhalbstundenvortrags kommen sie dann, die motivierenden Worte.

Mehr Lebensqualität

Sport sei eine Investition in sich selbst postuliert er, der von Kindesbeinen an unter dem strengen Vater eiserne Disziplin lernen musste. Man solle die Ziele verfolgen, an die man glaubt, sagt er, man solle für seine Ziele brennen. „Raus aus der Komfortzone“, ruft er seinen Fans zu, die sicherlich alle wissen, dass Sport die Lebensqualität auch fürs Alter erhöhen kann. Gleichzeitig macht er nicht unbedingt Mut, wenn er sagt: „Der erste Schritt ist der härteste“ oder „Das letzte Drittel schafft man nur mit Willen“. Und dass seine Art Sport zu betreiben, nicht die gesündeste ist, gibt er zu. „Einen Halbmarathon zu laufen oder zu gehen, ist auf jeden Fall besser“, sagt er.

Wie und ob sich nun die Kelly-Fans zu Beginn des Jahres mit seinem Vortrag zur sportlichen Ertüchtigung motivieren lassen, wird der willensstarke Extremsporter Joey Kelly wohl nie erfahren.


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