Schafft Planungssicherheit Mehr Geld für Tagesmütter in Melle


Melle/Bissendorf. Sicherheit in der Planung und in punkto Finanzen, das haben sich die Tagesmütter und -väter in Melle gewünscht. Zum 1. Januar 2019 werden Änderungen wirksam, die sie diesem Ziel einen großen Schritt näher bringen. Eltern müssen künftig ihre Betreuungszeiten verbindlich planen. In Melle betreuen 100 Tagesmütter und -väter 270 Kinder.

Aufatmen bei den Tageseltern: Tilo Jahnke aus Neuenkirchen und Simone Hartung aus Wissingen blicken entspannt in die Zukunft. Denn künftig gibt es nicht nur etwas mehr Geld für die Betreuung der Kinder, sondern auch mehr Qualität und mehr Planungssicherheit. Ihre Stundenlöhne steigen zum 1. Januar um 50 Cent. Je nach Berufserfahrung und Qualifizierung erhält eine Tagesmutter dann zwischen 3,50 und 4,50 Euro pro Stunde und pro Kind – und zwar verbindlich für eine fest vereinbarte Stundenzahl pro Woche. Diese Änderungen gelten für alle Tagesmütter und -väter im Landkreis Osnabrück.

Ausnahmen sind möglich

Die „Komm-ich-heut-nicht-komm-ich-morgen-Mentalität“ müssen einige Eltern dann ad acta legen. Sich jede Woche neu zu überlegen, wann der Filius in die Betreuung geht, ist nun nicht mehr möglich. Die Eltern buchen in ihrem Betreuungsantrag bei der Kommune eine feste Stundenzahl, für die sie jeden Monat den gleichen Beitrag zahlen. „Ausnahmen sind in Einzelfällen sicherlich möglich, wenn sich beispielsweise Arbeitszeiten wie im Schichtdienst oder die Anzahl der Arbeitsstunden ändern“, sagt Tilo Jahnke. Grundsätzlich sollen Eltern aber wie in einer Kita ihre Betreuungszeiten verbindlich planen und bezahlen. „Im Kindergarten muss ich ja auch am Anfang des Kindergartenjahres angeben, wie viele Stunden ich brauche. Das ist bei uns jetzt genauso“, ergänzt Simone Hartung, die vor zwei Jahren mit Tilo Jahnke und einigen anderen Tagesmüttern den Verein Kindertagespflege Osnabrücker Land gegründet hat.

Verdienstausfälle summieren sich

„Für uns haben sich die Bedingungen wesentlich verbessert“, freut sie sich. Verdienstausfälle gehören dann der Vergangenheit an. Im Moment bezahlen die Eltern nur die Stunden, die sie auch tatsächlich in Anspruch nehmen. In der Schnupfenzeit summieren sich dann die Ausfälle bei den Tageseltern. „Mir graut es schon vor meiner Dezember-Abrechnung“, sagt Hartung. Finanzielle Planungssicherheit war im bisherigen System nicht gegeben, was den Beruf nicht unbedingt attraktiv machte. Das lästige Schreiben der Stundenzettel entfällt künftig ebenfalls, ein weiterer Vorteil der verbindlichen Buchungen.

Dreijährige auch in der Tagespflege beitragsfrei

Trotz der veränderten finanziellen Rahmenbedingungen müssen Eltern jedoch nicht fürchten, über Gebühr tiefer in die Tasche greifen zu müssen. Die Beiträge orientieren sich nämlich ab 2019 am steuerpflichtigen Einkommen laut Steuerbescheid. Einige müssten sogar weniger bezahlen, berichtet Simone Hartung aus Gesprächen mit Eltern. Zudem werden Dreijährige auch in der Tagespflege beitragsfrei betreut. Eltern, die für ihren dreijährigen Sprössling keinen Kitaplatz bekommen haben, sind also nicht im Nachteil, wenn sie ihr Kind weiterhin bei der Tagesmutter lassen.

Vorrang für Kitas und Schulen

In der Regel betreuen Tagesmütter und -väter Kinder von null bis zwei Jahre, vereinzelt auch bis drei Jahre, wenn ein Kind keinen Platz in einem Kindergarten bekommen hat. Für Randzeiten, in denen Kitas und Schulen nicht geöffnet sind, stehen ebenfalls Tageseltern zur Verfügung. Schulkinder dürfen nur dann zu Tageseltern gehen, wenn sie keinen Platz in einer Ganztagsbetreuung haben. „Die institutionelle Betreuung in Kitas und Schulen hat Vorrang“, erklärt Tilo Jahnke.

Neu ist für Tageseltern auch, dass sie sich künftig 24 Stunden pro Jahr fortbilden müssen und dass sie diese Fortbildungen vom Landkreis finanziert bekommen. Die Tagespflege soll so qualitativ aufgewertet werden. Damit geht ein weiterer Wunsch der Tageseltern in Erfüllung.


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