An der Christian-Vater-Orgel Orgelkonzert mit Daniel Skibbe als Hörgenuss in Melle

Von Conny Rutsch

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Von Texten umrahmt, gelesen von Rudolph Kremer, Gesang von Greta Buhrmester, präsentierte Organist Daniel Skibbe (von links) ein Konzert der Extraklasse. Foto: Conny RutschVon Texten umrahmt, gelesen von Rudolph Kremer, Gesang von Greta Buhrmester, präsentierte Organist Daniel Skibbe (von links) ein Konzert der Extraklasse. Foto: Conny Rutsch

Melle. Es hat schon Tradition zwischen den Jahren, das weihnachtliche Orgelkonzert mit Daniel Skibbe. Auch am Samstag konzertierte er an der Christian-Vater-Orgel in der Meller Petrikirche, und das auf seine so besondere Art, die das Publikum samt versierter Fachleute immer wieder zum Staunen bringt.

Daniel Skibbe ließ Improvisationen über bekannte Weihnachtslieder hören. Das freie Spiel über bestimmte Melodien ohne Notenmaterial auf dem Pult ist für jeden Organisten ein Studienfach, ein Bestandteil des liturgischen Spiels. Daniel Skibbe aber macht aus dem Improvisieren eine hohe Kunst ganz in der Tradition der Orgelgrößen wie Johann Sebastian Bach oder Max Reger. Und nicht nur, dass er über Melodien fantasiert, er setzt sich selbst formale und damit gestalterische sowie harmonische Ziele, die das Zuhörern kurzweilig und spannend machen. Ob er einen Choral als freie Meditation, als Präludium und Fuge im barocken Stil oder als mehrsätzige Symphonie anlegt: nichts, aber auch gar nichts ist dem Orgelkünstler Skibbe zu knifflig, um daraus einen musikalischen Leckerbissen zu machen.

Basis für erste Lesung

Mit einer modernen Improvisation über den Choral „Nun komm, der Heiden Heiland“ startete er den Reigen der weihnachtlichen Klänge. Die mit einem Zungenregister nur angetupfte Melodie ließ er auf einem Klangteppich lagern, der kurze Zeit später auch Rudolph Alexander Kremer als Basis für seine erste Lesung diente. Um Texte rund um das biblische Geschehen der Geburt Christi rankte sich denn auch das musikalische Geschehen. Eine erste Überraschung brachte Daniel Skibbe nicht an der Vater-Orgel zu Gehör, sondern unten vor dem mächtigen Weihnachtsbaum am alten Kirchenharmonium. Hier gestaltete er eine Meditation über „Maria durch ein Dornwald ging“, das Greta Buhrmester zu seiner Begleitung sang und damit eine ganz eigene Stimmung in die Kirche trug. Die junge Solistin singt in dem von Skibbe geleiteten Chor einer Engeraner Grundschule.

Mit seinen eigenen Ideen brachte der Organist dem berühmtesten Weihnachtslied der Welt, „Stille Nacht“, sein Geschenk zu dessen 200. Geburtstag. Aus gedackten Registerklängen gepaart mit strahlendem Zimbelstern formten er eine Fantasie, späteres Mitsingen der Zuhörer inklusive.

Barockes Präludium

Als barockes Präludium mit Fuge gestaltete Daniel Skibbe dann Luthers Gesang der Engel „Vom Himmel hoch, da komm ich her“, mit der Melodie in den mächtigen Pedalklängen das Präludium als festliches Entree. Und der Choral war darauf in der Fuge in allen Stimmen perfekt zu hören. Großartig und eindrucksvoll. Gleich darauf dann das Bach´sche „Ich steh an deiner Krippen hier“: den Wiegenliedcharakter aufnehmend wurde aus dem Choral eine Pastorale, feinsinnig-filigran musiziert.

Die Höhepunkte des Programms aber folgten erst noch. Eine barocke Partita, also eine Folge von unterschiedlich charakterisierten Stücken, formte Skibbe aus dem Choral „Zu Bethlehem geboren“. Und was gab es da alles zu entdecken. Eine mächtige, voranschreitende Basslinie, die virtuose Umrahmung einer Trompetenstimme, einen Cantus firmus mit detailreicher Ausgestaltung mittels barocker Verzierungen.

Und wer genau aufpasste, konnte sogar musikalische Zitate aus einer Bachkantate oder anderen Chorälen heraushören. Höchst erstaunlich, was dem Organisten da alles aus den Fingern floss: ob ein Trio, die figurierte Form oder der Choral als strahlend-festliches Konzert.

Zuhören als Hochgenuss

Nicht erst an dieser Stelle ist zu bemerken, dass Daniel Skibbe nicht nur die klangliche Gestaltung an der Vater-Orgel in vollen Zügen genießt. Er besitzt auch die durchaus nicht selbstverständliche Gabe, die musikalische Formensprache perfekt zu beherrschen. Jedes seiner Improvisationswerke prägt ein gestalterischer Bogen, der Anfang und sinnreiches Ende seiner musikalischen Gedanken umrahmt. Das macht das Zuhören seiner Kunst zum Hochgenuss.

Mit seiner Weihnachtssymphonie in vier Sätzen über die Heilige Nacht, die Hirten auf dem Felde, das Gloria der Engel und den Morgenstern setzte Daniel Skibbe den Schlusspunkt unter sein Konzert der absoluten Extraklasse, auch hier wieder mit Anklängen und versteckten Melodiesplittern aus bekannten Weihnachtsliedern.

Mit minutenlangem Applaus im Stehen zogen die Zuhörer in der gut besuchten Petrikirche alle sprichwörtlichen Hüte vor diesem Ausnahme-Orgelkünstler Daniel Skibbe.


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