Die Landschaften am blauen Teuto Kalender mit Strecker- Bildern in Melle erschienen

Original und Kalenderbild: Fritz-Gerd Mittelstädt (links) und Bernhard Strecker präsentieren den erstmals aufgelegten Kalender mit Werken von Sigmund Strecker. Foto: Christoph FrankenOriginal und Kalenderbild: Fritz-Gerd Mittelstädt (links) und Bernhard Strecker präsentieren den erstmals aufgelegten Kalender mit Werken von Sigmund Strecker. Foto: Christoph Franken

Neuenkirchen. Im Strecker-Museum im Meller Stadtteil Neuenkirchen stellte Bernhard Strecker gemeinsam mit Fritz-Gerd Mittelstädt am Donnerstagabend einen Kalender mit Bildern des Malers Sigmund Strecker (1914-1969) vor.

„Der Kalender soll im Meller und im Haller Raum aufzeigen, dass Siegmund Strecker wie kein anderer die Schönheiten unserer Landschaft am blauen Teuto mit so viel Kraft zeigt“, erklärte Strecker-Sohn Bernhard. Er bezeichnet die Werke seines Vaters mit Landschaftsmotiven des Teutoburger Waldes als „poetischen Realismus“. Es habe auf der anderen Seite auch Expressionisten wie Peter August Böckstiegel gegeben, die die selbe Landschaft gemalt hätten.

„Sigmund Strecker ist ein Beispiel für einen Grenzgänger zwischen Niedersachsen und Westfalen“, sagte Mittelstädt. Künstlerisch habe vor ihm bereits Böckstiegel die Grenzregion vom Grönegau in den Ravensberger Bereich für sich entdeckt.

Folgenden Text verfasste Fritz-Gerd Mittelstädt nach einem Gedankenaustausch mit Bernhard und Ivo Strecker, den beiden Söhnen von Sigmund Strecker. Der Herausgeber des Meller Jahrbuchs gab ihm den Titel: Sigmund Strecker - Maler eines poetischen Realismus

Die Poesie des Grönegau

Für Melle einen Kalender mit Landschaftsbildern aus dem Grönegau zu gestalten ist schon insofern eine gute Sache, als sich Melle als Stadt der Landschaften versteht. Nun hat Bernhard Strecker Bilder seines Vaters ausgesucht um mit Martina Bergmann einen Kalender zum Jahr 2019 mit Meller Landschaftsmotiven zu gestalten. So wie sich Paul Cezanne von der Schönheit der Provence inspirieren ließ, so hat sich Sigmund Strecker auf die Poesie des Grönegaus eingelassen und sie besungen.

Streckers Bilder, könnte man sagen, gleichen dem, was die Kunsthistorikerin Barbara Eschenburg zum Werk von Paul Klee geäußert hat. Das heißt, für Klee waren „die malerischen Zeichen nur Mittel für den eigentlichen Sinn, der hinter den Zeichen liegt“ und alles Sichtbare wurde ihm „zum Material für seine Phantasien über die Welt und mögliche Welten.“ Ähnliche Gedanken kann man beim Betrachten der für den Kalender ausgewählten Bilder von Sigmund Strecker aufgreifen. Sie sind Resultate von Bildungsprozessen, die mit Sinnzuweisungen des Künstlers einhergingen.

Romantiker mit Botschaft

Strecker lässt sich bei seiner Motivauswahl von der natürlichen und agrarbäuerlichen Ästhetik der Landschaften im Grönegau leiten und unterzieht das, was er sieht, einer Ordnung. In dieser Ordnung erkennt Strecker die Schöpfung, so dass er durchaus als Romantiker die Botschaft sendet, diese Landschaftsräume seien in ihrem ökologischen Gleichgewicht zu bewahren.

Wie Sigmund Strecker nach dem Zweiten Weltkrieg, so hat nach dem Ersten Weltkrieg bereits Peter August Böckstiegel aus Arrode bei Werther die Landschaft am Teutoburger Wald im Übergangsbereich vom Grönegau nach Ravensberg gemalt. Doch seine expressionistischen Bilder unterscheiden sich stark von Strecker. Böckstiegel stellte den unermüdlich arbeitenden und seine Existenz sichernden Menschen in den Vordergrund und wählte dafür leidenschaftliche Formen und Farben. Strecker dagegen nahm die vom Menschen gestaltete Landschaft als Ganzes in den Blick um aus einer gewissen Distanz heraus deren kompositorischen und farblichen Reiz zum Ausdruck zu bringen.

„Das ist Essenzialismus“

Diese Bilder sind genau das Gegenteil von Impressionismus. Sie sind aber auch kein Deut mehr expressionistisch. Es ist Landschaftsmalerei auf der absoluten Grenze zur Abstraktion. Wenn man dafür einen wissenschaftlichen Begriff finden wollte, wäre das dieser: Essenzialismus, also eine Verwesentlichung des Gegenständlichen bis hart an die Grenze zur Abstraktion, mithin Gegenstandsverzicht. Das wird in den Landschaften übrigens noch deutlicher als bei Sigmund Streckers Stilleben.

Der Kalender ist für 15 Euro erhältlich im Strecker-Museum in Neuenkirchen, in der Buchhandlung Bergmann in Borgholzhausen und ab Montag auch bei Bücher Sutmöller an der Plettenberger Straße.


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