Eine Schatztruhe voller Weihnachtslieder Tenor Björn Casapietra verzaubert in Martinikirche Buer

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Buer. Farbige Strahler tauchten den Altarraum in geheimnisvoll gedämpftes Licht. Hauchzart schwangen sich die ersten Takte des „Ave Maria“ in die Höhe: Tenor Björn Casapietra verzauberte in der Martinikirche.

Vor acht Jahren entführte er zur Osterzeit mit „Celtic Prayers“ auf die grüne Insel. Mit „Christmas love songs“ bereicherte Björn Casapietra nun die Weihnachtszeit. Der bekannte Tenor sächsisch-italienischer Abstammung öffnete zu seinem Konzert in der Martinikirche eine Schatztruhe, bis zum Rand gefüllt mit den schönsten Weihnachts- und Wintermelodien aus aller Welt. Am Piano begleitete ihn dabei Peter Forster mit zurückhaltender Virtuosität.

Leidenschaftliche Melodien

Über zwei Stunden lang schlugen Tenor und Pianist in sympathischer Natürlichkeit die Brücke zu ihrem Publikum, das sich bereitwillig hineinnehmen ließ in den Zauber der Weihnachtszeit. Die alte, berührende Volksweise „Still, still“ und der vergleichsweise moderne, in der Interpretation Casapietras gar nicht mehr abgegriffene Weihnachtshit „White Christmas“, der berühmte französische „Cantique de Noel“ und das eindringlich dargebotene „Ave Maria“ von Franz Schubert: In der empfindsamen, von spürbarer Wertschätzung getragenen Interpretation des Tenors erklangen sie als musikalische Kostbarkeiten in fast erzählerischer Dichte.

Doch Björn Casapietra, der in müheloser Leichtigkeit mal sanft, mal leidenschaftlich über die eigene Stimmlage hinauseilte, beschränkte sich nicht auf die vertrauten Weisen. Er überraschte sein Publikum auch mit hierzulande wenig bekannten Perlen musikalischer Weihnachtstraditionen – aus dem Liederbuch seiner Kindheit etwa, die er in der damaligen DDR verbrachte. „Sind die Lichter angezündet“, klang es dort unter nahezu jedem Weihnachtsbaum. Und mit dem Wunsch „Überall soll Friede sein“ traf das Lied auch in Buer in die Herzen der Zuhörer.

Fesselnde Intensität

Dass der weihnachtliche Friede keine Selbstverständlichkeit ist, bewies die jiddische Weise, die bis zum Holocaust in Polen weit verbreitet war. Eine sehr persönliche Liedauswahl stellte Casapietra für seine begeisterten Zuhörer zusammen. Mit ihnen teilte er das italienische Wiegenlied, das seine Großmutter ihm als Kind vorzusingen pflegte, und auch jene Weise, deren Text für ihn zu den bedeutendsten Gedichten der Neuzeit zählt: Dietrich Bonhoeffers „Von guten Mächten“ erhob sich bemerkenswert leicht und voller Zuversicht in der Martinikirche.

Mit fesselnder Intensität, die ebenso zart wie eindringlich jeder Silbe nachspürte, erfüllte Leonard Cohens zeitgenössisches „Halleluja“ die Kirche. Die Besucher ließen sich danach gerne einladen, gemeinsam mit dem Tenor in bekannte Weihnachtslieder einzustimmen. Mit einem zu Höchstform auflaufenden Björn Casapietra verwandelten sie gleich darauf beim leidenschaftlichen „O sole mio“ die Martinikirche in eine italienische Piazza.

„Es war ein Wagnis, hierher zu kommen“, gestand der Tenor, der vornehmlich in den östlichen Bundesländern konzertiert. Doch der anhaltende, jubelnde Beifall ließ nach mehreren Zugaben auf ein neuerliches Wiedersehen und -hören hoffen.


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