Schon viermal die Kasse geklaut Kunden verfolgen flüchtigen Dieb auf Meller Wochenmarkt


Melle. In den vergangenen Wochen sind auf dem Meller Wochenmarkt viermal Kassen gestohlen worden. Am vergangenen Samstag verfolgten Kunden den Dieb, der seine Beute daraufhin fallen ließ. Er wurde kurze Zeit später gefasst.

Er sei am Samstagmittag bereits am Abbauen gewesen, berichtet Klaus Hentzschel, der einen Obst- und Gemüsestand gegenüber der Petrikirche betreibt. „Ich komme seit 40 Jahren. In Melle ist immer alles schön und alles in Ordnung“, sagt Hentzschel, der mittwochs und samstags viele Stammkunden begrüßen kann, die ihn beim Namen nennen. Einer älteren Dame, die ein paar Kartoffeln gekauft hat, steckt er noch schnell zwei Gratisäpfel in die Tasche, dann erzählt er, wie sich die Sache am Samstag abgespielt hat.

Der Dieb ließ seine Beute fallen

Eine Handvoll Kunden habe auch so kurz vor Feierabend noch vor seiner Auslage gestanden. Ein junger Mann und eine junge Frau warteten zudem seitlich. „Unheimlich schnell“ sei der Täter dann hinter dem Stand aufgetaucht, habe sich wortlos die Kasse gegriffen und sei dann geflüchtet. Daraufhin seien die beiden jungen Leute ihm hinterhergerannt. Mit Erfolg: Der Dieb ließ seine Beute fallen, Hentzschel bekam sein Geld zurück.

Währenddessen hatten einige andere Kunden per Handy die Polizei verständigt. Die griff den Flüchtigen dank der guten Täterbeschreibung um kurz nach 13 Uhr an der Ecke Haferstraße/Schürenkamp auf.

Polizeibekannter Intensivtäter

Es handele sich um einen polizeibekannten Intensivtäter, sagte ein Beamter unserer Redaktion auf Anfrage am Mittwoch. Der 39-Jährige sei hartdrogenabhängig, gegen ihn liefen derzeit mehrere Verfahren. Da der Mann im Stadtgebiet einen festen Wohnsitz hat, wurde er nicht in Untersuchungshaft genommen. Jedoch habe die Polizei ihn im Rahmen der Gefahrenabwehr immerhin bis zum Abend in Verhinderungsgewahrsam nehmen können, „sonst wäre es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu weiteren Straftaten gekommen.“ Die Ermittlungen in dieser Angelegenheit dauern noch an.

Ähnliche Aktion schon im November

Bereits im November war es am Stand des Obsthofes Hentzschel aus Rödinghausen zu einer ähnlichen „Blitzaktion“ gekommen, wie der Seniorchef weiter berichtet. Ob es sich um denselben Täter handelt, kann er allerdings nicht sagen. Inzwischen hat er Maßnahmen ergriffen, um seine Einnahmen zu sichern. So schließt er nun beispielsweise zwischendurch Geld in dem Bulli weg, der quasi die Rückseite seines Standes bildet. Mehr soll hier nicht verraten werden.

Auch am Stand nebenan wurde zweimal die Kasse geklaut

Auch Aenne Witte aus Bissendorf am Pflanzenstand direkt nebenan hat mittlerweile Sicherungsmaßnahmen vorgenommen. Denn auch ihr sei in den zurückliegenden Wochen zweimal die Kasse gestohlen worden, berichtet sie. Erstmals im Oktober. Da sei der klassische Ablenkungstrick angewendet worden. Ein mutmaßlicher Täter verwickelte sie in ein Verkaufsgespräch, der andere griff sich die Kasse. Im November sei es ähnlich gewesen, nur dass der Kunde mit dem sie gerade gesprochen habe, als der Dieb aktiv wurde, ganz sicher kein Ganove sei. Und mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass sie ihr Verhalten nach dem ersten Diebstahl geändert hatte, weshalb der Täter in der vermeintlichen Geldkassette nur Papier vorfand.

Wochenmärkte als neues Betätigungsfeld für Kriminelle?

Das Behältnis ist allerdings trotzdem weg. „Jedes Mal eine neue Kasse kaufen, ist ja auch nicht schön“, sagt Witte. Außerdem fragt die Markthändlerin, die seit 35 Jahren mit der Staudengärtnerei Witte nach Melle kommt, sich nun, ob womöglich Kriminelle Wochenmärkte als neues Betätigungsfeld für sich entdeckt haben.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN