Gerhard Wenke versorgt Damwild und Vögel Wie kommen die Tiere im Meller Grönenbergpark über den Winter?

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Damhirsch Hennes frisst Gerhard Wenke aus der Hand. Foto: Karsten GrosserDamhirsch Hennes frisst Gerhard Wenke aus der Hand. Foto: Karsten Grosser

Melle. Damwild, Fasane, Tauben, Wellensittiche – im Meller Grönenbergpark leben in Gehege und Volieren viele Tiere. Wie aber kommen die über den Winter? Die Antwort hat einen Namen: Gerhard Wenke.

"Für Viecher habe ich schon immer einen an der Klatsche gehabt", sagt Gerhard Wenke. Wobei er das Wort Viecher keineswegs abfällig meint. Im Gegenteil. Der 66-Jährige liebt die Tiere. Jeden Tag fährt der Meller mit seinem Auto in den Grönenbergpark, um dort das Damwild und die Vögel zu füttern. Im Kofferraum seines Autos bringt er in der Regel eine Kiste voll Grünzeug mit. Obst und Gemüse, das ein Meller Lebensmittelladen nicht verkauft hat und nun den Hirschen zur Verfügung stellt. Wenke schüttet Blumenkohl, Äpfel, Salat und Tomaten in den Trog. Hennes der Dritte schaut zu.

Fütterungszeit: Hirsch Hennes schaut zu, wie Gerhard Wenke das Futter bringt. Foto: Karsten Grosser

Hennes und sechs namenlose Tiere

"Lauf mal ein bisschen, du faule Socke", ruft Wenke dem Chef im Gehege zu. Der dreijährige Hirsch trabt an. Die drei Muttertiere und die drei Kälber, die zusammen mit Hennes im Gehege leben, halten Abstand. Namen hat Wenke diesen Tieren nicht gegeben. "Die hören auch alle auf Hennes", schmunzelt er. Der Hirsch kommt näher und frisst Wenke aus der Hand.

Damhirsch Hennes erhält von Gerhard Wenke eine Extraportion Futter. Foto: Karsten Grosser

Müssen die Tiere im Winter besonders versorgt werden? "Nein", erklärt Wenke. Generell sei wichtig, dem Damwild Rauhfutter wie Heu zu geben. "Sonst kriegen sie Durchfall." Außerdem finden die Wiederkäuer im Gehege Nahrung, die dort von selbst wächst. Die Hirsche fressen sogar verholzte Triebe und Rinde. Und dann gibt es ja noch das Tierfutter, das Besucher in kleinen Portionen kaufen und verfüttern können. An diesem Tag gibt es erst einmal Salat im Trog.

Damhirsch Hennes und zwei Kälber stehen beim Futtertrog. Foto: Karsten Grosser

Rund drei Dutzend Vögel

Seit rund 20 Jahren kümmert er sich um die Hirsche, sagt Wenke. Früher als Angestellter der Stadt auf Vollzeit, heute noch auf Basis geringfügiger Beschäftigung. Die Suche nach einem möglichen Nachfolger sei ziemlich schnell beendet gewesen als Bewerbern klar wurde, dass die Tiere tatsächlich täglich gefüttert werden müssen. Auch an Wochenenden. Für Wenke kein Problem. 

Mehr noch: Bei frostigen Temperaturen kommt der 66-jährige Rentner nicht nur einmal in den Grönenbergpark. Denn zu seinen Schützlingen zählen auch die rund drei Dutzend Vögel in den Volieren – und die können verdursten, wenn das Wasser gefriert. "Wenn die einen halben Tag lang kein Wasser kriegen, dann legen sie die Füße hoch", beschreibt Wenke die tödliche Gefahr. Um dem vorzubeugen, setzt er sich an solchen Wintertagen eben zweimal ins Auto. Jeweils mit einem kleinen "Pöttken" voll lauwarmem Wasser. 

Gerhard Wenke lockt die Vögel in der Voliere mit einem Büschel Gras. Foto: Karsten Grosser

"Grünzeug ist das A und O"

Zur Begrüßung rupft Wenke ein Büschel Gras ab, steckt es in den Zaun und pfeift die Wellensittiche herbei. "Grünzeug ist das A und O", sagt er. Sogleich klammert sich ein weißer Sittich am Draht fest und fängt an zu picken. Kurz darauf gesellt sich ein Nymphensittich dazu. Auf dem Boden watet ein Königsfasanpärchen. In den Volieren nebenan schleichen weitere Fasanarten umher.

Wellensittiche in einer Voliere im Meller Grönenbergpark. Foto: Karsten Grosser

Auf den in den Volieren aufgehängten Zweigen und Ästen sitzen Tauben. Wenkes Lieblingsart sind die Perlhalstauben. Scheue Tiere, die ihren Namen dem charakteristischen Gefieder am Hals verdanken. Die schwarz-weiße Färbung sieht aus eine wie eine Halskette. 

Der Name der Perlhalstaube leitet sich vom charakteristischen Gefieder ab. Foto: Karsten Grosser

Ein Indikator für gute Luft

Die kalten Temperaturen selbst würden den Tieren nicht allzu viel ausmachen. Die Vögel können Schutz in der Hütte suchen. Wichtig sei indes, dass dort kein Regen reinplätschere. Denn zu viel Feuchtigkeit sei nicht gut. Als Indikator für gutes Klima sieht Wenke das Werk von Spinnen an: "Wo Spinnenweb ist, da ist die Luft gut." Spinnen seien zudem eine Art Gesundheitspolizei. "Ich habe noch nie gegen Ungeziefer gesprüht", sagt Wenke und füllt Körnerfutter nach.

Damhirsch Hennes hat derweil Platz am Trog gemacht. Zufrieden trottet er davon. Er kann sich darauf verlassen, dass Gerhard Wenke auch am nächsten Tag kommen wird.

Hennes ist der Chef im Meller Damwildgehege. Foto: Karsten Grosser



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