Addy-Patt war sein Vermächtnis Justizrat Stegemann hat viel für Melle getan

Von Uwe Plaß

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Verdient: Adalbert Stegemann. Foto: Heimatverein MelleVerdient: Adalbert Stegemann. Foto: Heimatverein Melle

Melle. Früher war es praktisch eine Selbstverständlichkeit oder auch gesellschaftliche Verpflichtung, dass sich die Honoratioren der Stadt in diversen Vereinen und Gremien engagierten. Das gehörte dazu, das wurde erwartet. Einer dieser Männer, der in allen Töpfen rührte, war Adalbert Stegemann.

1866 in Göttingen geboren, studierte er Jura und setzte damit die Familientradition fort. 1892 legte er sein Assessor-Examen ab und wollte eigentlich eine Verwaltungslaufbahn einschlagen. Auf Empfehlung von Geheimrat Reinhardt, Amtsrichter in Melle, gab er dieses Vorhaben aber auf und übernahm stattdessen 1893 eine Rechtsanwaltsstelle in Melle. Bereits ein Jahr später wurde der Oberleutnant der Landwehr a . D. auch Notar. 1911 wurde ihm der Titel Justizrat verliehen. 1943 konnte er sein 50-jähriges Berufsjubiläum begehen. Neben Glückwünschen der Präsidenten des Oberlandesgerichts Celle und des Landgerichts Osnabrück gratulierten auch das Amtsgericht, die Stadt Melle sowie der NS-Rechtswahrerbund. Letzterer machte seinem Namen alles andere als Ehre.

Man darf an dieser Stelle nicht verschweigen, dass Stegemann auch verschiedenen NS-Organisationen angehörte und ab 1937 auch NSDAP-Mitglied war. Stegemann gehörte zu den prominentesten und geachtetsten Persönlichkeiten in Melle. Dies gründete sich zum einen auf seiner langen Tätigkeit als Rechtsanwalt. Zahlreiche Meller hat er in dieser Zeit rechtlich vertreten. Das schaffte Vertrauen. Noch bedeutender war aber sein Einsatz für die Allgemeinheit.

Seit 1893 war er Mitglied im Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV). Später übernahm er dort die Funktion des Kassenführers, anschließend wurde er Vorsitzender. Überdies gehörte er zu den Mitbegründern des Wiehengebirgsverbands. Das Wandern und die Förderung der Wanderfreude waren seine Leidenschaft. Seine bis ins Kleinste ausgearbeiteten Führungen durch die Landschaft des Grönegaus genossen Kultstatus. Anlässlich seines 85. Geburtstags 1951 gab er einen Wanderführer mit 50 schönen Touren heraus. Den älteren Mitbürgern ist überdies sicherlich noch der Addy-Patt ein Begriff. Der Weg, der sich durchs malerische Zwickenbachtal und die Meller Berge schlängelt, trug seinen Namen und ist sein Verdienst. Auch im Vorstand des Heimatvereins setzte er sich ein. Kein Wunder, dass der VVV ihn zum Ehrenvorsitzenden und der Heimatverein ihn zum Ehrenmitglied ernannten.

Mehrfach ausgezeichnet

Sein zweites Steckenpferd war das Deutsche Rote Kreuz. Bereits seit 1913 war er Schriftführer des Vaterländischen Frauenvereins Melle. So hieß das damals. Später engagierte er sich ebenfalls auf Kreisebene für das DRK als stellvertretender Leiter des Kreisgemeinschaft Melle. Mehrfach wurde er dafür ausgezeichnet.

Aber auch in anderen Bereichen war er aktiv. Ein besonderes Augenmerk richtete er auf die Jugend. Als Vorsitzender des Ortsausschusses für die staatliche Jugendpflege setzte sich der Familienvater für die Anlage des Carl-Starcke-Platzes ein. Auch während der Notzeit des Ersten Weltkriegs ließ er sich in zahlreichen Funktionen für seine Stadt in die Pflicht nehmen. Stegemann, der evangelischer Konfession war, gehörte daneben für viele Jahre dem Kirchenkreisvorstand an.

Unter diesen Umständen wundert es nicht, dass Stegemann eine der prägendsten Figuren der Meller Clubgesellschaft war.

Am 21. Oktober 1954 verstarb Adalbert Stegemann im Alter von 88 Jahren und wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Meller Friedhof beigesetzt. Eine Abordnung der männlichen Bereitschaft des DRK trug diesen verdienten Meller zu Grabe.


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