Musikalische Reise durchs alte Russland 450 Meller feiern Peter Orloffs Schwarzmeer-Kosaken



Buer. Das Publikum war zwar größtenteils über 50 Jahre alt, aber bei „Kalinka“ und einigen anderen russischen Gassenhauern kam mächtig Bewegung in die voll besetzten Bänke der Bueraner Martini-Kirche. 450 Zuhörer klatschten im immer schneller werdenden Rhythmus mit, den Peter Orloffs Schwarzmeer-Kosaken vorgaben.

Fröhliche Stimmungslieder und Balladen aus dem Leben der Kosaken in den Weiten Russlands prägten vor allem den zweiten Teil des Konzertes am frühen Sonntagabend. Das Konzert wurde eine musikalische Reise mit Romanzen und Geschichten, die Peter Orloff in seinen Moderationen immer kurz erklärte. Ob pure Lebensfreude und überschäumendes Temperament oder Sehnsucht und Wehmut – die Inhalte der Lieder kamen auch nur über die Musik bei den Zuhörern an, die kein Wort Russisch verstehen konnten.

Alle Solisten und hochkarätigen Sänger verstanden es, den emotionalen Funken auf das Publikum überspringen zu lassen. Mit unglaublich tiefen Bässen, glasklaren Tenören und gewaltigen Baritonen füllten sie ganz ohne technisches Zubehör den gesamten riesigen Kirchenraum bis in den letzten Winkel. In der großen Variationsbreite der Stimmen erwies sich der männliche Sopran Igor Ischak von der Oper Kiew als Höhepunkt erster Güte.

Balalaika und Domra

Aber nicht nur die stimmgewaltigen Sänger überzeugten das Publikum. Auch die instrumentale Begleitung war hochkarätig. Das von Ilya Kurtev unglaublich schnell gespielte russische Akkordeon schien phasenweise ein Eigenleben zu haben. Als wahrer Meister an der Bass-Balalaika entpuppte sich Slava Kripakov, der zudem noch mit seiner ausgesprochen rauen Stimme auffiel. Irina Kripakova glänzte an der Domra, einem russischen Zupfinstrument mit vier Saiten.

Jeder Sänger und jeder Instrumentalist war eine Klasse für sich. So stand der einstige Schlagerstar und „König der Hitparaden“ Peter Orloff, der seit 25 Jahren die Schwarzmeer-Kosaken leitet, keineswegs mehr allein im Mittelpunkt des Ensembles der Spitzenklasse, auf das der inzwischen 72-Jährige stolz sein kann.

Singendes Beten

Vor der Pause standen sakrale Lieder aus der orthodoxen Liturgie im Vordergrund. Das gesungene „Vater unser“ wurde vom ganzen Publikum stehend mitgebetet. Betendes Singen oder singendes Beten ist ein fester Bestandteil des Repertoires eines Kosaken-Chores. Bei „Oh du Fröhliche“ und „Alle Jahre wieder“ dirigierte Nasko Kirtscheff das Publikum beim Wechselgesang mit den Schwarzmeer-Kosaken.

„Der heutige Abend ist doch eine tolle Begrüßung des Advents“, mit diesen Worten hatte Matthias Breitenkamp das außergewöhnliche Konzert eröffnet. Während des Konzertes versprach Peter Orloff, in zwei Jahren zum dritten Mal nach Buer zu kommen: „Denn vor diesem Publikum, das uns mit Liebe, Aufmerksamkeit und viel Emotionen begleitet, treten wir gerne wieder auf.“


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