Spendenaktion 2018 Wenn Demenz-Angehörige in Melle selbst Hilfe brauchen

Von Conny Rutsch

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Selbstverständlichkeiten bedürfen bei beginnender Demenz oft solcher Erinnerungs-Zettel. Foto: dpaSelbstverständlichkeiten bedürfen bei beginnender Demenz oft solcher Erinnerungs-Zettel. Foto: dpa

Melle/Wittlage. Die große lokale Weihnachtsspendenaktion, die von der Diakonie-Stiftung, der Caritas-Stifung und den beiden Zeitungen „Meller Kreisblatt“ und „Wittlager Kreisblatt“ getragen wird, startet mit einem Beispielfall, der das Thema Demenz aufgreift.

„Du wolltest mir doch Schokolade mitbringen.“ Jule hüpft auf ihre Oma zu und schaut in den großen Einkaufskorb. Blumenkohl und Toilettenpapier. „Keine Schokolade?“ Jule blickt ihre Großmutter fragend an. „Die hatten keine mehr“, antwortet diese. „Aber ich hab noch eine Packung in meiner Schublade“, sagt die Oma, „komm mal mit.“

Vergnügt hüpft das Kind die Treppe hinauf. Die Oma will die Wohnungstür aufschließen, versucht es mit allen Schlüsseln an ihrem Schlüsselbund. Der letzte ist es schließlich. In der Wohnung ist es kalt. Oma stellt den Korb in die Küche. Erwartungsvoll schaut Jule die Oma an. „Was wollten wir jetzt machen?“, fragt sie. „Ach ja, die Schokolade.“ In der Schublade der Kommode ist aber keine Schokolade mehr. Jule ist enttäuscht. „Naja, vielleicht hat Mama ja noch welche“, sagt das Kind und läuft hinunter zur Mutter.

„Bei Oma ist es kalt“

„Bei Oma ist es kalt“, sagt sie. Nein, nicht schon wieder, denkt Gabi und hastet die Treppe hinauf. „Mutter, du darfst die Heizung nicht abdrehen“, versucht sie, freundlich zu bleiben. „Es ist Ende November und viel zu kalt hier drinnen.“ „Was willst Du denn mit dem vielen Blumenkohl?“ Entsetzt schaut Gabi in den Korb. „Und Toilettenpapier hast du doch gestern erst gekauft.“ Antwort: „Ach, Kind, das hatte ich wohl vergessen.“

Ich muss besser aufpassen, denkt die Tochter. Ich werde mit Mutter gemeinsam einkaufen gehen, Einkaufszettel schreiben. Seit wann ist sie eigentlich so tüdelig? Dass ihre Mutter die Wochentage vergaß, kam häufiger vor. Aber neulich, die Butter auf dem Fernseher, das war seltsam. Wie Mosaiksteinchen purzelten bei Gabi in den nächsten Tagen die kleinen Geschehnisse ineinander, über die ihre Familie noch gelacht hatte: eine Rolle Toilettenpapier im Kühlschrank oder den Zucker an den Nudeln. Die Mutter wurde alt, ganz klar. Aber so schnell?

Mit diesen oder ähnlichen Szenen könnte eine Geschichte beginnen, die eine sich rasch entwickelnde Demenzerkrankung beschreibt und ein Familienschicksal dazu. Früher hieß es „Oma wird tüdelig“. Wenn sich diese Tüdeligkeit aber immer massiver ausbildet, wenn die Vergesslichkeit weiter um sich greift, dann heißt es, zu handeln. Bis ein Arztbesuch mit einer folgenden Diagnose aber den richtigen Weg weist, können noch Monate ins Land gehen.

Das schlechte Gewissen

So weit ist Gabi noch nicht. Aber sie denkt darüber nach, mit ihrer Mutter einen Psychiater aufzusuchen. Richtig alleine lassen mag sie die Mutter gar nicht mehr. Zudem hat sie jetzt immer ein schlechtes Gewissen und ein seltsames Gefühl, wenn sie für einige Stunden das Haus verlassen muss. Als die Mutter neulich sagte, sie müsse noch Feuer machen, war Gabi so erschrocken, dass sie sämtliche Streichhölzer aus der Wohnung entfernte.

Finanziell schwierig

Wenn sie sich jetzt abends mit einer Freundin verabreden wollte, dann bat sie die Nachbarin, ein paar Stunden mit ihrer Mutter zu verbringen. Selbstverständlich hielt sie für die hilfsbereite Frau jedes mal einen Briefumschlag mit ein paar Scheinen bereit. Ganz klar, Gabi braucht Hilfe, ganz bald. Denn finanziell kann sie sich als alleinerziehende Mutter keine großen Sprünge leisten.

Unser Tipp: Beratungsstellen helfen bei Fragen rund um Demenzerkrankungen, und finanzielle Engpässe können mit Hilfe von Spendengeldern überbrückt werden.

Das Spendenkonto der Weihnachtsspendenaktion wird über die Diakoniestiftung geführt: IBAN: DE 68 2655 2286 0161 1279 23, BIC: NOLADE21MEL. Stichwort


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