Lux-Modellbau expandiert Wie ein Staubsauger einen Meller auf eine florierende Geschäftsidee brachte

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Eckard Lux ist der Kopf des Unternehmens. Die gelben Wagen sind seine Konstruktionen. Foto: Karsten GrosserEckard Lux ist der Kopf des Unternehmens. Die gelben Wagen sind seine Konstruktionen. Foto: Karsten Grosser

Melle. Das Nischengeschäft mit Staubsaugerwagen floriert: Lux-Modellbau aus Melle expandiert. Der Hersteller von Reinigungstechnik für Modelleisenbahnen hat seine Produktionsfläche um eine neue Halle erweitert und will nun auch die Zahl der Mitarbeiter erhöhen. Ein Erfolg, der auf eine Idee beim Staubsaugen zurückgeht.

Angefangen hat es mit Artikelnummer 8810. Die 88 stehe für das Jahr, in dem der erste Gleisstaubsaugerwagen für Modelleisenbahnen auf den Markt gekommen ist, sagt Eckard Lux. "Der älteste der Welt", wie der gelernte Maschinenbauer betont. Die Idee für ein solches Spezialfahrzeug sei ihm eines Tages kurz vor Feierabend gekommen: "Ich machte die Werkstatt sauber und hatte einen Staubsauger in der Hand." Plötzlich stand die Frage im Raum: Könnte man einen Staubsaugerwagen für Modelleisenbahnen konstruieren? Eine ungewöhnliche Idee auch deshalb, weil die Firma Lux-Modellbau damals vornehmlich Vitrinen für Sammler baute.

Mit einer Saugbürste fahren die Staubsaugerwagen über die Gleise und reinigen somit das Schienennetz. Foto: Karsten Grosser

"Auf allen Kontinenten zu Hause"

Heute steht Lux für hochwertige Miniaturen. "Wir sind qualitativ und preislich im Spitzenfeld", sagt Firmenchef Eckard Lux. Die Produktpalette umfasst für die verschiedensten Spurweiten neben den Staubsaugerwagen zum Beispiel auch Schienenschleifwagen und Radreinigungsanlagen. Der Einsatzzweck dieser Spezialanfertigungen liegt auf der Hand: Sie halten die Modelleisenbahnanlage sauber, reinigen die Räder von Loks und Waggons und sorgen dafür, dass die elektrischen Kontakte nicht so stark verschmutzen, dass die Stromaufnahme gestört wird. Die Meller Technik ist auf Anlagen weltweit unterwegs. Bei Hobbyisten und auf professionell betriebenen Anlagen wie zum Beispiel im Miniaturwunderland in Hamburg oder im Deutschen Museum in München. Aber die Meller Produkte sind nicht nur in Deutschland gefragt. "Wir sind auf allen Kontinenten zu Hause", sagt Lux. 

Eine Lok steht auf einer Radreinigungsanlage. Foto: Karsten Grosser

Neue Werkhalle in Melle-Gerden

Die Produktionsstätte liegt an der Anton-Schlecker-Straße in Melle-Gerden. Mit einer neugebauten Werkhalle hat Lux die Fläche seines Unternehmens kürzlich um rund 300 Quadratmeter verdoppelt. Damit hat er Platz für Maschinen geschaffen, sodass einige der zuvor fremdvergebenen Arbeiten nun in Eigenregie durchgeführt werden können. 

Neue Halle: Modellbau Lux hat sich vergrößert. Foto: Karsten Grosser

Tampondrucker, Laser und Fräsmaschinen

So soll demnächst ein Laser in Betrieb genommen werden, der die Modelle mit Gravuren versieht. Tampondrucker bringen mittels elastischem Silikonkautschuk Farbe auf Kunststoffteile auf, ein 3-D-Drucker fertigt Einzelteile für Prototypen. Auch eine CNC-Fräsmaschine für die Herstellung von Werkzeugen gehört nun zur Ausstattung. Ferner fräsen sich Maschinen durch Kunststoff, um Einzelteile wie Dachrahmen oder Chassis für die Wagen herzustellen. Alles computergesteuert. 

Eine Fräsmaschine arbeitet an einem Chassis. Foto: Karsten Grosser


Modellbahnen: Wie geht es der Branche?

Die Modellbahnhersteller haben es in diesem Jahrtausend bislang nicht leicht gehabt. Bröckelnde Umsätze und Insolvenzen. Beim Marktführer Märklin ist jedoch wieder Ruhe eingekehrt, die Talsohle aus dem Geschäftsjahr 2014/15 scheint durchschritten. "Wir verzeichnen die letzten Jahre einen stabilen, gleichbleibenden Umsatz", sagt Firmenchef Florian Sieber. "Mit dem aktuellen Geschäftsjahr sind wir recht zufrieden und planen zum Ende des Jahres mit einem leichten Wachstum." Mit einem geringen Plus soll es auch in den Folgejahren stetig weitergehen. Sieber geht davon aus, dass sich die Branche insgesamt ebenfalls stabil entwickelt habe - mit Gewinnern und Verlierern unter den Mitbewerbern.

Eckard Lux' Bruder Christoph programmiert und bedient als Maschinenbautechniker die Geräte. Gerade für diese Aufgaben sucht der Firmenchef zusätzliche Hilfe. Die Zahl der Mitarbeiter soll mittelfristig von derzeit sieben auf zehn oder mehr steigen. Zwar habe das Hobby Modelleisenbahn mit Nachwuchssorgen zu kämpfen, doch Einbußen bei der Nachfrage stellt Lux nicht fest. "Es wird immer Menschen geben, die diesem Hobby frönen", meint er. Nicht leicht sei es derzeit allerdings, kompetente Fachkräfte für seine Firma zu finden.

Das Innenleben eines Staubsaugerwagens. Im hinteren und noch verdeckten Teil wird der aufgesaugte Schmutz gesammelt. Foto: Karsten Grosser

Endfertigung in Handarbeit

Neben den beiden Lux-Brüdern arbeiten fünf Frauen in Betrieb - im Büro und in der Montage. In der Endfertigung läuft alles in Handarbeit. Keine Roboter. Viele Einzelteile kommen aus der eigenen Produktion, andere wie Radsätze oder Kupplungen kauft das Unternehmen zu.

Die Montage ist Handarbeit. Hier setzt eine Mitarbeiterin eine Polierronde für einen Schienenschleifwagen zusammen. Foto: Karsten Grosser

Konstruktionscomputer vom Netz getrennt

Für die Entwicklung der Neuheiten ist der Chef selbst zuständig. "Die Produkte kommen aus diesem Kopf", sagt Eckard Lux und zeigt mit dem Finger an die Stirn. Bis ein Fahrzeug wie gewünscht funktioniert, könne es mitunter Monate oder Jahre dauern. Die Optimierung sei das Schwierigste. Als Innovationstreiber geht der Meller zudem sehr vorsichtig vor. Um es Produktpiraten und Nachahmern schwer zu machen, hat er seinen Computer, mit dem er seine Konstruktionen entwirft, vom Internet getrennt. Sicher ist sicher.

Eckard Lux bietet in einem kleinen Verkaufsraum nicht nur eigene Produkte an, sondern auch Modelle und Zubehör anderer Hersteller. Foto: Karsten Grosser

Aus diesem Grund hält sich Lux auch noch bedeckt, welche Produkte kurz vor der Markteinführung stehen. Klar ist: Das Modell 8810 wurde in den vergangenen drei Jahrzehnten weiterentwickelt und ist nun unter der Artikelnummer 8830 zu haben. Oder wie Eckard Lux gerne sagt: "Jetzt macht Staubsaugen wieder Spaß!"

Bei Lux-Modellbau werden alle Produkte in typischen gelben Kartons verkauft. Foto: Karsten Grosser



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