Zwei Hunde in der Schafherde Dennis Grobe lässt seine Schafe bei Melle von Hunden bewachen

Von Conny Rutsch



Melle. Idyllisch liegt das Gehöft in Meesdorf mit Blick auf den Kellenberg. Auf den Wiesen rundherum laufen Pferde und Ponys und Hochlandrinder.

Eine Schar Hühner pickt im Hof, ein Pfau hat es sich auf einem Pflug bequem gemacht. Selbstverständlich hält Hofeigner Dennis Grobe auch Hunde. Der Hobbylandwirt besitzt eine 200-köpfige Schafherde, die er mit Hilfe seiner Border Collies, den klassischen Hütehunden, das ganze Jahr über auf den Weiden im Grönegau betreut.

Um seine Herden möglichst gut schützen zu können, hat sich Dennis Grobe vor einem Jahr zwei Herdenschutzhunde angeschafft. Der Hobbyschäfer hat das Meller Kreisblatt eingeladen, sich das Leben dieser Hunde vor Ort anzusehen.

Vor über 100 Jahren im Einsatz

„Zuletzt waren diese Hunde vor über 100 Jahren in Deutschland im Einsatz“, erzählt er, „die Rückkehr des großen Beutegreifers Wolf nun war uns ein Anlass, uns über den Schutz der Schafherde Gedanken zu machen.“ Der Umgang mit diesen ganz besonderen Hunden sowie ihre Akzeptanz in der Bevölkerung müsse erst wieder neu erlernt werden, führt Dennis Grobe weiter aus.

Er wählte den „Cane da Pastore Maremmano Abruzzese“, kurz Maremmano, „wegen der positiven Erfahrungen mit ihm in Italien oder der Schweiz, vor allem auch in den Touristenregionen“.

Dennis Grobe und seine Frau Sonja holten sich zwei Hündinnen von einem erfahrenen Züchter in Deutschland. Amina und Alice wurden dort im Schafstall geboren und wechselten im Alter von acht Wochen zu den Meesdorfer Schafen. Sie leben mit ihnen auf den Wiesen. Die Herde ist ihr zu Hause. „Der Maremmano zeigt eine optimale Sozialisierung mit seinen zu schützenden Tieren, in unserem Falle den Schafen“, erzählt Dennis Grobe. Dieser Herdenschutzhund besitzt eine sehr hohe Verteidigungsbereitschaft, zeigt aber kein Angriffsverhalten.

Neutrales Verhalten

Nun möchte ich die Hunde auch sehen. Wir gehen durch die Scheune auf die nahegelegene Wiese, auf der einige Schafe friedlich grasen. Kaum kommen wir in die Nähe der eingezäunten Tiere, als zwei große, fast weiße Hunde laut bellend zwischen Zaun und Schafe eilen. Es klingt durchaus bedrohlich. „Ein Wolf würde jetzt wohl abwägen, ob es sich lohnt, über den Zaun zu springen und ein Schaf zu reißen, weil er sich nicht sicher sein kann, ob er selbst angegriffen wird“, sagt Dennis Grobe. Er selbst geht jetzt weiter auf den Zaun zu, steigt zu den Hunden auf die Wiese und wird direkt freundlich begrüßt. Aber hochaufmerksam blicken die Tiere immer wieder zu mir herüber. Sie trauen dem Frieden offensichtlich nicht.

Skepsis in der Bevölkerung

Die Skepsis gegenüber diesen großen Hunden ist in der Bevölkerung hoch. Würden sie den Menschen angreifen, wenn mal ein Weidezaun umgeweht wird und Schafe und Hunde Passanten begegnen würden? „Der Herdenschutzhund zeigt fremden Menschen gegenüber ein neutrales Verhalten, solange der Mindestabstand zu den Schafen eingehalten wird“, erklärt der Schäfer. Er wird den Menschen beobachten, vielleicht beschnuppern, aber dann sofort wieder zu seinen Schafen zurückkehren. „Streicheln oder füttern sollten man die Hunde aber nicht“, betont Grobe, dieses können falsch verstanden werden. Auf dem Schäferhof leben die Hunde ganzjährig draußen mit den Schafen, die nur zur Lammzeit in den Stall kommen.

Hunde und Schafe in einer Hütte

Die beiden Hundedamen können selbstverständlich jederzeit eine geräumige Hundehütte aufsuchen. „Manchmal tun sie das, und mitunter schläft dann sogar ein Schaf mit ihnen gemeinsam in der Hütte“, erzählt Grobe und lacht. Haushunde sind sie nicht, weil sie seit Jahrhunderten zu selbstständig entscheidenden Wächtern gezüchtet wurden. Sie fühlen sich zwischen den Schafen wohl, das ist zu sehen. Als ihnen nichts mehr bedrohlich erscheint, lassen sie sich ganz gemütlich zwischen den grasenden Wollknäulen nieder.

„Wir stehen interessierten Weidetierhaltern für einen offenen Informationsaustausch gerne zur Verfügung“, schließt Dennis Grobe unser Gespräch.


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