Serie Meller Zeitlupe Ein vergilbtes Dokument belegt Erwähnung von Melle

Von Uwe Plaß

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Melle Die 850-Jahr-Feier der Stadt Melle wirft ihre Schatten voraus. Doch warum feiern wir das Jubiläum? Das erklärt Uwe Plaß in unserer Serie „Meller Zeitlupe“.

Es ist eine sehr unscheinbare Urkunde, die sich im Domarchiv Osnabrück befindet. Mit einer aufwendigen Prachturkunde hat sie so gar nichts zu tun – die Urkunde aus dem Jahr 1169. Das Pergament weist Beschädigungen auf, und auch die Schrift ist im Laufe der Jahrhunderte verblasst.

Schriftbild ist fremd

Überhaupt die Schrift. Selbst der Lateiner bekommt große Mühen, diese zu entziffern. Handelt es sich dabei doch nicht um das klassische Latein, sondern um Mittellatein. Diese mittelalterliche Variante folgt teilweise eigenen Regeln und zeichnet sich überdies durch zahlreiche Abkürzungen aus. Das große Latinum hilft da nur bedingt weiter. Auch das Schriftbild ist uns fremd. Es erfordert einige Mühe, das Wort „Menele“ – also Melle – zu entdecken.

Worum geht es inhaltlich? Zunächst einmal ist es keine Gründungsurkunde für Melle. Es handelt sich dabei lediglich um das älteste heute noch erhaltene Dokument, in dem der Name Melle erwähnt wurde. Sicherlich gab es auch ältere Schriftstücke, die jedoch im Laufe der Zeit verloren gegangen sind. Besiedelt war Melle jedenfalls schon erheblich länger.

Die Urkunde ist ausgestellt – selbst geschrieben hat er sie natürlich nicht – vom Osnabrücker Bischof Philipp, der von 1141 bis 1173 amtierte. Er entstammte einer mittelrheinischen Grafenfamilie mit dem schönen Namen „von Katzenelnbogen“. Sein Siegel findet sich an der Urkunde.

Geld und Grundstücke

Inhaltlich ist die Urkunde wenig spannend. Es geht um Geld und Grundstücke. In diesem Fall bestätigt Bischof Philipp auf Bitten des Dechanten Thiedhart die Dotierung eines Altars; vermutlich im Osnabrücker Dom. Altäre gab es damals mehrere in Kirchen. Oftmals waren diese verbunden mit Pfründen, also Einnahmen.

Der Bischof bestimmt, dass zu diesem Altar Einkünfte aus mehreren Gütern seines Bistums gehören sollen. Genannt werden Alfhausen, Ankum, Hesepe, Holzhausen (Georgsmarienhütte), Haren an der Ems und Laer im Kirchspiel Melle. Weiterhin bestätigt der Bischof, dass der jeweilige Dechant die Verleihung dieser Altarpfründen vornehmen darf. Das ist – kurz gefasst – schon der ganze Inhalt. Wesentlich für Melle ist der kurze Abschnitt „in parrochia Menele in villa Lare“. Frei übersetzt: ein Hof in Laer im Kirchspiel Melle. In Laer als heutigem Ortsteil von Melle-Mitte war also ein Bauernhof, dessen Abgaben für einen Altar bestimmt waren. Der Dechant wiederum konnte diese Altarstiftung dann weiter verleihen. Dies waren wichtige und begehrte Einnahmen in einer Zeit, in der es regelmäßige Gehälter noch nicht gab.

Erster Hinweis auf Kirchengemeinde

Viel wichtiger ist aber die Formulierung in parrochia Menele. Es ist die älteste Erwähnung einer Schreibweise von Melle, und es ist die erste Erwähnung einer Kirchengemeinde Melle.

Vor diesem Hintergrund feiern wir 2019 auch ein Doppeljubiläum. Die Stadt nimmt die Urkunde zum Anlass für ihre 850-Jahr-Feier, und die katholische Kirchengemeinde St. Matthäus macht dies genauso. In Melle gab es im Mittelalter nur eine Kirche, und das war eben diejenige auf dem Kohlbrink. Die unscheinbare Urkunde im Magazin des Diözesanarchivs Osnabrück hat daher für Melle und seine Bewohner eine ganz herausragende Bedeutung.


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