Freude über „Adelstitel“ BBS in Melle ist jetzt offiziell Europaschule

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Mit der Enthüllung der Europafahne und der Übergabe der Urkunde an Schulleiter Hermann Krüssel (rechts) verlieh Erwin Schröder als Vertreter der Landessschulbehörde der BBS offiziell den Titel „Europaschule in Niedersachsen“. Foto: Christoph FrankenMit der Enthüllung der Europafahne und der Übergabe der Urkunde an Schulleiter Hermann Krüssel (rechts) verlieh Erwin Schröder als Vertreter der Landessschulbehörde der BBS offiziell den Titel „Europaschule in Niedersachsen“. Foto: Christoph Franken

Melle. Große Freude herrscht bei den Schülern und Lehrern der Berufsbildenden Schulen (BBS) Melle: Am Donnerstag wurde die Schule offiziell zur Europaschule gekürt.

Kreisrat Mathias Selle sprach während einer kleinen Feier in seinem Grußwort vor Vertretern aus Politik, Verwaltung, Meller Schulleitern, Eltern und Schülern von einem „Adelstitel“, den die BBS nach jahrelangem Engagement zur Förderung des Europagedankens nun erhalten habe. „Wir als Schulträger Landkreis sind froh und stolz über diese Auszeichnung“, sagte Selle. Die zahlreichen Kontakte der BBS-Schüler im europäischen Ausland seien nicht nur eine gute Prävention gegen Populismus, sondern verankerten gleichzeitig auch den Friedensgedanken.

Der Friedensaspekt

Den Friedensaspekt hatte auch Schulleiter Hermann Krüssel in seiner Begrüßung hervorgehoben. „Nie wieder Krieg in Europa“ sei die zentrale Botschaft, die angesichts der momentanen politischen Situation nicht oft genug nach vorne gestellt werden könne. Als er vor sechs Jahren die Schulleitung in Melle übernommen habe, sei ihm klar gewesen: „Wir müssen europäischer werden.“ Dieser Anspruch sei bei Schülern und im Kollegium positiv aufgenommen worden und habe zu zahlreichen Aktivitäten sowie der Bildung einer „Europagruppe“ unter Leitung von BBS-Lehrerin Gertrud Remark geführt. Berufsschule bedeute schließlich mehr als die Vermittlung von Fachwissen.

In der von Gertrud Remark moderierten Veranstaltung hielt Leitender Regierungsschuldirektor Erwin Schröder die Festrede.

Er erklärte zunächst, was Europaschulen auszeichnet (siehe auch nebenstehende Info-Box). Im Kern gehe es darum, Bildungssystem, Kulturen und Sichtweisen der europäischen Nachbarn kennenzulernen. Außerdem habe sich die BBS Melle dem Ziel verschrieben, Jugendliche in einer Zeit zunehmender Internationalisierung von Gesellschaft und Wirtschaft auf ein Arbeiten und Lernen im vereinten Europa vorzubereiten.

Nur einige Beispiele

Schröder nannte einige Beispiele, die die BBS Melle auf den Weg zur Europaschule gebracht haben: die Vermittlung europäischer Themen im Unterricht, die Teilnahme von Schülern im Rahmen von EU-Programmen an Projekten in europäischen Metropolen, Auslandspraktika mit deutschen und spanischen Partnern sowie die Beteiligung an einem internationalen Netzwerk zur Förderung von Unternehmertum und Berufschancen. Die jungen Leute der BBS erhielten so eine weitere Kompetenz. „Die qualifiziert sie, den europäischen Gedanken besser zu verstehen, aber auch den Anforderungen des europäischen Arbeitsmarktes gerecht zur werden“, hob Schröder hervor. Er danke den Mitgliedern der Europagruppe mit Gertrud Remark, Stefanie Bölke, Sabine Preuß und Roland Cramer sowie für deren Unterstützung durch Hermann Krüssel.

„BBS meets Spain“

Cramer skizzierte unter dem Titel „BBS Melle meets Spain“ die praktische Zusammenarbeit seiner Schule mit der Berufsschule im spanischen Sevilla. „Wir gehen damit gegen die Jugendarbeitslosigkeit in Spanien durch Bildung an, das ist aller Mühen wert“, so Cramer. Im Rahmen der gegenseitigen Kontakte auf Schüler- und Lehrerseite entstand beispielsweise ein Online-Bildwörterbuch Deutsch – Spanisch: „Es unterstützt die fachliche Terminologie als Lernprogramm“, erklärte Cramer.

BBS-Bildungskoordinator Kai Schwarzmann gab anschließend einen Einblick in die Zusatzqualifikation zur/zum Europakauffrau/Europakaufmann. Die dauert drei Jahre und wird von jährlich rund 50 jungen Leuten in Abendkursen zusätzlich zu ihrer normalen Ausbildung absolviert. „Sie sind damit einen Level weiter auf der europäischen Ebene einsetzbar, was auch zunehmend von Unternehmen gefordert wird“, sagte Schwarzmann.

BBS-Lehrerin Stefanie Bölke sprach über Berufspraktika von BBS-Schülern an mittlerweile 16 Orten in Europa. „Wir wollen die Landkarte aber noch mit weiteren Orten füllen“, erklärte sie unter Beifall.

Vanessa Höner, Auszubildende der Firma Kesseböhmer (Bad Essen) berichtete abschließend von ihren positiven Erfahrungen als Praktikantin bei einem Start-up-Unternehmen in Südschweden.

Die Veranstaltung wurde schwungvoll musikalisch begleitet von Mitgliedern des Schülerorchesters des Gymnasiums.


Europaschulen in Niedersachsen haben das Ziel, über ihren staatlichen Bildungsauftrag hinaus Kenntnisse über Europa und europäische Institutionen zu fördern. Außerdem stärken sie die Teilhabe der Mehrsprachigkeit und unterstützen die Förderung interkultureller Kompetenz.

Der Titel und damit die Funktion einer Europaschule trägt so zum Verständnis für die europäische Vielfalt der Kulturen, Religionen und den unterschiedlich politischen Entwicklungen der verschiedenen Länder bei.

Europaschulen entwickeln den Gedanken der Völkerverständigung sowie Respekt und Toleranz gegenüber anderen Kulturen. Sie legen Wert auf die Idee einer gemeinsamen Zukunft der europäischen Länder in Frieden.

Sie fördern das Interesse der jungen Leute an der EU. Und: Sie bereiten die Schüler auf ein Leben in einem Europa vor, in dem sie Chancen und Möglichkeiten sinnvoll nutzen können.

Europaschulen in Niedersachsen wirken also als Multiplikatoren an der europäischen Idee mit. Die Zusammenarbeit von Schulen innerhalb Europas wird gefördert. Entstehende Vernetzungen werden gleichzeitig stabilisiert.

Unter dem Strich: Europaschulen knüpfen Kontakte, tauschen sich aus und bilden Partnerschaften.

(Dieser Text ist der Rede von Erwin Schröder entlehnt.) fr

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