Versammlung der Waldschutzgenossenschaft Meller Waldbauern beklagen Dürre und Stürme

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Melle. Stürme, Dürre, Borkenkäfer: Waldbauern haben derzeit wenig Grund zur Freude. Die Waldschutzgenossenschaft Melle richtet deshalb den Blick in die Zukunft – und auf die Douglasie.

„Wir haben eine Jahrhundert-Katastrophe erlebt und sind zum Teil noch mittendrin.“ In seinem Grußwort zur Jahreshauptversammlung der Waldschutzgenossenschaft Melle fand Rudolf Alteheld, Leiter des Geschäftsbereiches Forstwirtschaft der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, deutliche Worte. Erst die Stürme, die vor allem den Nadelbäumen die Feinwurzeln zerrissen, dann die Dürre des Sommers. Und nun treibt der Borkenkäfer sein Unwesen in den Bäumen: „Der Ernst der Lage ist erschreckend“, betonte Alteheld.

Ausfälle bei der Fichte

Vor allem bei der Fichte verzeichnet die Forstwirtschaft herbe Ausfälle. „Und die Saat ist gelegt, dass je nach Witterung das nächste Jahr das Potenzial für noch größere Schäden hat“, erklärte Gerd Heinrich Meyer zu Tittingdorf, Vorsitzender der Waldschutzgenossenschaft. Grund genug also, nach waldbaulichen Alternativen zu suchen. Die Mitglieder nahmen bei einer Exkursion und der anschließenden Versammlung im Gasthaus Bremer Tor deshalb die Douglasie in den Blick.

Die Mitglieder der Waldschutzgenossenschaft Melle trafen sich zur Versammlung im Gasthaus Bremer Tor in Buer. Über die Douglasie berichtete Axel Noltensmeier von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt. Foto: Petra Ropers

Als Fachmann der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt stellte ihr Referent Axel Noltensmeier ein gutes Zeugnis aus: Sie sei bodenpfleglich, waldbaulich gut zu führen und gut integrierbar in die heimische Flora und Fauna. Zudem erwies sich die Douglasie in den Untersuchungen der Versuchsanstalt als der mit weitem Abstand ertragreichste Baum. Dabei ist sie weitgehend unempfindlich gegenüber klimatischen Extremen und für Schädlinge zudem weniger attraktiv als heimische Bäume.

Douglasie mag keine nasse Füße

Dennoch ist auch die Douglasie kein Wunderbaum: „Nasse Füße mag sie nicht“, betonte Noltensmeier. Und ein Fan von Freiflächen unter praller Sonne ist sie auch nicht. Stattdessen bevorzugt sie den Halbschatten in der Nachbarschaft etwa von Buchen, über die sie bei richtiger Anpflanzung schnell hinauswächst. Doch Douglasie ist nicht gleich Douglasie: „Die Herkunft spielt eine entscheidende Rolle“, erklärte der Fachmann. So sei die Graue Douglasie hierzulande ebenso wenig zu empfehlen wie die Küstendouglasie kanadischer Herkünfte.

Letztere sei im Vergleich zur Küstendouglasie aus Küstenherkünften von geringerer Qualität und Wuchsleistung. Damit aus dem kleinen Bäumchen ein stattlicher, standfester Baum wird, ist zudem bei der Anpflanzung größte Sorgfalt gefordert. Wurzelnackte Pflanzen seien extrem empfindlich gegen Austrocknen, warnte Noltensmeier. „Unser Ziel sind gut bekronte, vitale Bäum.“ Und diese sollten nicht in Reinkulturen, sondern in Mischbeständen stehen, die nach den Erfahrungen der Versuchsanstalt ertragreicher und risikoärmer sind.

Den Mitgliedern der Waldschutzgenossenschaft gab Noltensmeier gleich eine ganze Reihe praktischer Tipps zu Pflanzung und Bestandspflege an die Hand. Informationen zu forstlichen Tagesfragen und zum Holzmarkt rundeten das Programm der Versammlung ab.


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