Diakonisches Werk lud zum Gespräch Kräfte bündeln gegen Wohnungslosigkeit in Melle

Bezahlbarer Wohnraum ist knapp. Die Folgen verdeutlichten Sarah Teepe und Rainer Grüter von der Ambulanten Wohnungslosenhilfe des Diakonischen Werkes auf dem Wochenmarkt. Foto: Petra RopersBezahlbarer Wohnraum ist knapp. Die Folgen verdeutlichten Sarah Teepe und Rainer Grüter von der Ambulanten Wohnungslosenhilfe des Diakonischen Werkes auf dem Wochenmarkt. Foto: Petra Ropers

Melle. Ein Schlafsack, darunter eine Isomatte, darüber eine Plastikplane: Was auf dem Wochenmarkt ein Blickfang zum Aktionstag der Wohnungslosenhilfe war, ist für viele Menschen allnächtliche Realität.

„Die Plane hätte ich real wahrscheinlich nicht“, räumte Sarah Teepe ein. Mitten im bunten Treiben des Wochenmarktes schlüpfte sie in den Schlafsack, um zu veranschaulichen, was allzu gerne aus dem Bewusstsein verdrängt wird: Auch im Grönegau leben Menschen, die kein Dach über dem Kopf haben. „Die meisten legen sich in einen Eingang, solange es eben gut geht“, erklärt Rainer Grüter von der Wohnungslosenhilfe in Melle. Was das gerade im Winter bedeutet, braucht er nicht eigens auszuführen.

Ambulante Hilfe stößt an Grenzen

Die Ambulante Hilfe für alleinstehende Wohnungslose des Diakonischen Werkes in Stadt und Landkreis Osnabrück versucht, Betroffene zu unterstützen. Doch sie stößt an Grenzen. Denn bezahlbarer Wohnraum ist ohnehin knapp. Für Menschen, die nach oft langen Jahren der Wohnungslosigkeit wieder Fuß fassen möchten, ist er kaum zu finden. Die Folge: Die Betroffenen müssen teils über Jahre in Übergangswohnungen bleiben, die eigentlich nur für eine begrenzte Zeit bis zum Einzug in eine eigene Wohnung gedacht sind.

Gleichzeitig stehen diese Übergangswohnungen damit für andere nicht zur Verfügung. „Was sollen wir machen?“ fragt Grüter. „Wir können die Menschen ja nicht wieder auf die Straße schicken.“ Er ist jedoch überzeugt, dass Lösungen gefunden werden können. Eine Frage, die sich die Ambulante Wohnungslosenhilfe dabei stellt, ist: Welche Sicherheiten brauchen potenzielle Vermieter, um – durchaus vorhandenen – Wohnraum zur Verfügung zu stellen?

Not unmittelbar vor der Haustür

„In der Politik ist langsam angekommen, dass etwas getan werden muss“, sagt Anette Kaiser, Leiterin der Wohnungslosenhilfe in Melle. Doch dafür müssen nach ihrer Überzeugung alle Kräfte zusammenarbeiten. Das Diakonische Werk lud deshalb Vertreter von Politik, Kirchen und Wohnungsbau Grönegau zu einem Gespräch an seinen Stand auf dem Wochenmarkt ein.

Ausbau des sozialen Wohnungsbaus und Erhalt des bestehenden Sozialwohnraums, einheitliche Standards für Notunterkünfte, Sicherheiten für potenzielle Vermieter und der Ausbau präventiver Angebote, um von Wohnungslosigkeit bedrohten Menschen frühzeitig zu helfen: An Herausforderungen fehlt es nicht. Dennoch ist Anette Kaiser nach dem Gespräch unter freiem Himmel zuversichtlich. Denn alle Beteiligten formulierten die Absicht, in einem Arbeitskreis zusammenzuwirken, um die Not der Menschen zu linden. Not, die nicht fern und anonym ist, sondern unmittelbar vor der Haustür.

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