Drei Fragen an: Zeynep Süberk Mellerin enggaiert sich im Atatürk Verein

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Zeynep Süberk. Foto: Christoph FrankenZeynep Süberk. Foto: Christoph Franken

Melle. Zeynep Süberk ist Mitglied im Atatürk Kultur- und Bildungsverein Osnabrück. Die Mellerin und die rund 150 Mitglieder des Vereins sehen sich als Repräsentanten einer modernen Türkei und verfolgen die aktuelle Entwicklung in ihrem Land kritisch. Sie moderiert seit zwei Jahren die zentrale Feier der Region zum Tag der Republikgründung am 29. Oktober.

Frau Süberk, der Verein führt in seinem Namen den Namen des Republikgründers Atatürks. Was bedeutet das für Sie und die Mitglieder?

Atatürk bedeutet für uns Demokratie, ein modernes Land, Bildung und, was das Wichtigste ist: Freiheit.

Sie gelten als Gegner der Partei AKP von Präsident Erdogan. Ist das richtig?

Nein, das kann man so nicht sagen. Natürlich üben wir Kritik an der AKP. Alles das, was wir bisher erreicht haben, zum Beispiel die Freiheit der Frauen, wollen wir verteidigen. Wenn Frauen Kopftuch tragen wollen, müssen wir das akzeptieren. Aber wenn ein Mädchen dazu gezwungen wird, ist das traurig. Ich finde, ein achtjähriges Mädchen kann noch nicht selbst entscheiden, ob es ein Kopftuch trägt oder nicht. Auch ein Kind hat schließlich Rechte. Außerdem sind gerade ganz aktuell wieder getrennte Schulklassen für Jungen und Mädchen geplant. So etwas ist doch Schwachsinn.

Ich selbst bin in einer modernen und aufgeklärten Türkei aufgewachsen. Jetzt aber ist dort leider vieles rückwärts gerichtet. So falle ich mit meinen Töchtern bei Besuchen in der Türkei inzwischen wegen meines Kleidungsstils auf. Außerdem soll es bei der türkischen Luftwaffe beispielsweise bald keine Pilotinnen mehr geben. Gegen solche und ähnliche Einschränkungen im türkischen Alltag wehren wir uns als Verein. Wir wollen unser Land wieder so haben, wie es schon einmal war.

Wie gestaltet sich dann das Zusammenleben in Deutschland mit anderen türkischen Organisationen, beispielsweise der Ditib?

Das Verhältnis zu anderen Organisationen ist nicht schwierig. Wir sprechen die selbe Sprache und haben zumindest auch ein gemeinsames Ziel: Alle Türken, die in Deutschland leben, wollen eine starke Türkei haben. Und: Unsere Kinder dort sollen eine gute Bildung erfahren und Frauen ganz selbstverständlich an der Gesellschaft teilhaben können. Die Wege dahin aber unterscheiden uns. fr


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