Meller Volksbank geschädigt Zeugin: Angeklagter hat Millionen in der Türkei verloren

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Viel Geld im Spiel war bei den Geschäften des Angeklagten im Osnabrücker Prozess um schweren Kreditbetrug. Foto: dpaViel Geld im Spiel war bei den Geschäften des Angeklagten im Osnabrücker Prozess um schweren Kreditbetrug. Foto: dpa

Osnabrück/Melle. Der wegen millionenschweren Kreditbetrugs angeklagte Osnabrücker Unternehmer Önder V. ist angeblich selbst von einem Geschäftspartner in der Türkei um mehrere Millionen Euro betrogen worden.

Eine 45 Jahre alte Zeugin sagte lange vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts aus und berichtete von Geschäften des Beschuldigten in der Türkei. Das hätte sie nicht zu tun brauchen, denn als Schwester der mitangeklagten Lebensgefährtin von Önder V. hatte die Frau ein Zeugnisverweigerungsrecht.

Doch offenbar wollte sie den Angeklagten entlasten. Der Hauptvorwurf gegen Önder V. (37) lautet, sich Millionenkredite für sein Unternehmen bei der Volksbank Bad Laer-Borgloh-Hilter-Melle sowie der Postbank erschlichen und einen Großteil dieses Geldes zweckentfremdet zu haben. Der Postbank entstand dadurch ein Schaden von mehr als zwei Millionen Euro.

Laut der Zeugin hat der Angeklagte ab Mitte 2016 seinerseits allein zwei Millionen Euro in die Einrichtung eines einzigen Fitness-Studios in der Türkei investiert – und das Geld durch betrügerisches Verhalten seines Geschäftspartners verloren. Der Angeklagte, der mit seiner Firma Dienstleistungen vor allem für die Autoindustrie erbringt, sei durch Zufall Betreiber von Fitness-Studios in der Türkei geworden, sagte die Frau. Ursprünglich habe der Geschäftspartner Önder V. versprochen, ihm Lasermessgeräte zu besorgen, weil die Osnabrücker Firma ihr Messtechnik-Geschäft auf das Land am Bosporus habe ausdehnen wollen.

Angestellte oder Geschäftsführerin?

Mehrfach und bisweilen schluchzend erklärte die Zeugin, sie fühle sich verantwortlich für die Misere des in U-Haft sitzenden Beschuldigten, weil sie den Kontakt zu dem Geschäftspartner vermittelt habe. Dieser habe sich als Besitzer einer türkischen Fitness-Studiokette ausgegeben und Önder V. einen Anteil von 40 Prozent daran übertragen, weil er diesem sein Geld zum Kauf der Messgeräte nicht habe zurückzahlen können.

Doch der Partner habe gelogen und lediglich die Namensrechte für die Studiokette besessen. Gleichwohl habe seine Frau alle Einnahmen, zum Beispiel aus Mitgliedsbeiträgen, kassiert, während Önder V. alle Kosten angelastet worden seien.

„Irgendwann war für mich klar: die nehmen ihn aus“, sagte die Zeugin. Als sie dahintergekommen sei, habe man sie aus dem Unternehmen herausgeworfen.

Ganz schlau wurde der Vorsitzende Richter Norbert Carstensen anscheinend nicht aus den Aussagen der Zeugin, unterbrach sie mehrfach und bat sie, „strukturierter“ zu berichten. Vor allem wollte er wissen, warum der Angeklagte sie ab Mai 2016 als Vertreterin seiner geschäftlichen Interessen in die Türkei entsandt habe – und nicht etwa ihre Schwester.

Zuvor hatte die Zeugin Begriffe wie „Mitangestellte“, „Finanzdirektorin“ und „Geschäftsführerin“ benutzt, um ihre Tätigkeit im Auftrag von Önder V. bei der türkischen Fitness-Studiokette zu beschreiben. Die Frage, ob sie Önder V. einmal nähergestanden habe als ihre Schwester, blieb unbeantwortet, weil der Vorsitzende nicht bis zuletzt insistierte.

Stattdessen erklärte die Zeugin, dass der Angeklagte bei einer Einreise in die Türkei wegen einer Vielzahl von Gläubigern in dem Land mit Schwierigkeiten bis hin zu Gewaltanwendung rechnen müsse. Sie selbst sei bei ihrer jüngsten Einreise vorübergehend festgenommen worden.

An Gläubigern fehlt es Önder V. auch in Deutschland nicht. Für seine Firma ist ein Fremdantrag auf Einleitung eines Insolvenzverfahrens eingereicht worden. Wie ein Gutachter als Zeuge am vorerst letzten Prozesstag sagte, ist das Unternehmen des Osnabrückers aufgrund der Kreditrückforderungen der genannten Banken seit Mitte März 2017 überschuldet.


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