Strahlende Töne aus strahlendem Messing „Brasssonanz“ eröffnet die Konzertsaison in Melle-Buer

Von Conny Rutsch

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Perfektes Handwerk, eine Riesenportion Herz und schier umwerfende Musikalität bot das Ensemble „Brasssonanz“ in der Martinikirche. Foto: Conny RutschPerfektes Handwerk, eine Riesenportion Herz und schier umwerfende Musikalität bot das Ensemble „Brasssonanz“ in der Martinikirche. Foto: Conny Rutsch

Buer. Sie sind jung. Sie sind schon erfahrene Musiker. Und sie konzertieren in den nächsten Wochen sogar in China. „Brasssonanz“: zehn Blechbläser und ein Schlagzeuger eröffneten am Sonntag die winterliche Konzertsaison in der Martinikirche zu Buer.

Mit einem erstaunlichen Programm beeindruckten die Musiker das durchaus fachkundige Publikum. Die Bläser luden zu einem Streifzug durch die – das ist nicht übertrieben – gesamte klassische Musikgeschichte ein. Da gab es gleich zu Beginn den „Earl of Oxford Marsch“ von William Byrd, ein Renaissance-Werk: Dieser perfekter Start in das Programm ließ schon aufmerken, was Zusammenklang und dynamische Gestaltung anging. Mit drei Trompeten, vier Posaunen, zwei Hörnern und einer Tuba ist dieses außergewöhnliche Kammermusikensemble wunderbar besetzt, aber zehn Musiker müssen auch gewissermaßen an einem musikalischen Strang ziehen. Bis zum Ende des Abends ließen sie daran keinen Zweifel: die Musiker verstehen sich bis auf die letzte Note, kommunizieren miteinander mit Blicken, lächeln sich zwischen den schwierigsten Passagen zu. Klasse.

Besondere Klangvielfalt

Dabei treffen sich die jungen Leute, die nach dem Studium am Beginn ihrer Berufsmusikerkarriere stehen, nur mehrmals im Jahr. Sie kennen sich aus dem Bundesjugendorchester oder der Jungen Deutschen Philharmonie, sie studieren von Hamburg bis München an den Musikhochschulen des Landes und haben wegen ihrer musikalischen Extraklasse schon Praktikums- oder Zeitverträge an renommierten Orchestern wie der Hamburger Staatsoper oder der Dresdner Philharmonie im Gepäck.

Zurück zum Konzert. Die jungen Bläser bedienten sich an der ganz großen Musik. Solistisch besetzt mit Flügelhorn, Posaune und Horn etwa musizierten sie die berühmte „Erbarme dich“-Arie aus der Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach. Das klingt ganz anders als das Original, aber herzwärmend schön.

Die besondere Klangvielfalt zeigten die Bläser mit dem „Urlicht“ aus Gustav Mahlers zweiter Sinfonie basierend auf dem gleichnamigen Gedicht der Sammlung „Des Knaben Wunderhorn“. Mahler bringt hier die menschliche Stimme zum ersten Mal in eine seiner Sinfonien ein. Und mit dem gesamten Spektrum von der Piccolo-Trompete bis zur Tuba, zum Teil gestopft geblasenen Instrumenten, näherten sich die jungen Bläser Mahlers Klangvorstellung erstaunlich leicht an.

Rhythmusreich

Jedes einzelne Werk machte „ Brasssonanz “ zu seinem eigenen. Ob nun eine komplizierte Bach-Fuge, die plötzlich ganz leicht mitzuhören war, ob der „Liebestod“ aus der Oper „Tristan und Isolde“ von Richard Wagner, ob das konzertnamengebende „Eternal light“ von Georg Friedrich Händel: die Bläser verstehen ihr Handwerk perfekt.

Und darüber hinaus schenken sie ihren Interpretationen Pep, Witz und viel Herz. Ganz klar, dass nach der schwindelerregend tempo- und rhythmusreichen Werkauswahl aus einer Suite von Astor Piazzolla, das Publikum begeistert nach Zugaben applaudierte. Mit Recht, denn was die zehn samt Schlagzeuger ablieferten, war die ganz große Bläserkunst. „Brasssonanz“, das ohne Zweifel zu den besten Bläserensembles gehört, die in die Konzertsaison starten, blies sich mit der „Highland Cathedral“ aus Irland und zuallerletzt mit einem ergreifenden Satz zu „Der Mond ist aufgegangen“ in die Herzen der gut 200 Zuhörer.


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