Thema ist die Kunst der Weltausstellung „Brisante Träume“ locken nach Herford ins Marta

Von Marita Kammeier

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Herford Träume von einer anderen Welt – das war Osaka 1970. Welche Funktion hat Kunst heute in der Gesellschaft? Im Zentrum der neuen bildgewaltigen und sinnlich-visuellen Marta-Ausstellung stehen die Expos in Paris, New York, Brüssel, Montreal und Osaka.

Es ist eine spektakuläre Schau mit 400 Originalwerken und historischen Dokumenten. Drei Jahre Vorbereitung mit wissenschaftlichen Recherchen und dem Fachwissen des Kölner Ideengebers Thomas Schriefers stecken in dem Großprojekt „Brisante Träume – Die Kunst der Weltausstellung“.

Zeitgenössische Künstler

Künstler wie Robert Delaunay , Salvador Dalí, Raoul Dufy und Lionel Feininger treffen auf Architekturvisionen von Le Corbusier. Zentrale Themen der Weltausstellung sind Mensch, Wissenschaft, Atom und Kosmos, Utopie und Technik. Diese werden durch neu entwickelte Beiträge von zeitgenössischen Künstlern bereichert. Das Kunstmuseum in Ahlen hat dagegen die historischen Zusammenhänge ausführlicher im Fokus.

Seit der ersten Weltausstellung in London im Jahr 1851 ging es immer wieder um nationale Leistungen, Visionen und Ideologien. „Wir haben uns auf fünf Expos beschränkt, die für uns zentrale Bruchstellen im 20. Jahrhundert bedeuten. Außerdem beschäftigte uns die Frage, welche Rollen die Künstler dabei spielten“, erläuterte Museumsdirektor Roland Nachtigäller die Ziele.

In beiden Häusern werden diese Fragen beispielhaft bearbeitet in den Kapiteln „Ingenieure des Lebens“ (Paris 1937), „Demokratie und Zerstörung“ (New York 1939), „Der mikroskopische Blick“ (Brüssel 1958), „Aufbruch zu den Sinnen“ (Montreal 1957) und „Träume von einer anderen Zukunft“ (Osaka 1970).

Kunst als Seismograf

In diesen 33 Jahren veränderte sich die Welt massiv politisch, technologisch und kulturell. Trotz der Atombombenabwürfe in Japan im Jahr 1945 verkündete die Brüsseler Weltausstellung 1958 eine „strahlende Zukunft“ aus dem Atom. Das Atomium in Brüssel steht bis heute für diese Utopie.

Kunst habe immer eine wichtige Rolle gespielt, da Künstler meist in die Gestaltung der nationalen Pavillons einbezogen waren, erklärte Nachtigäller. Die Kunst sei ein Seismograf für politische Strömungen und gesellschaftliche Themen, aber auch für Stimmungen und Hoffnungen gewesen.

„Diese Ausstellung präsentiert einen radikalen, subjektiven Ausschnitt aus einem schier unermesslichen historischen Fundus.“ So beschrieb der Herforder Museumsdirektor die lange Vorbereitungsphase des Kooperationsprojektes von zwei Museen, basierend auf einer langjährigen Freundschaft der Leitungen.

Paris im Jahr 1937: Es ist ein modernes, quirliges Leben, das Robert Delaunay auf die 10 mal 15 Meter große Leinwand gebannt hat. Sein Gemälde „Air, fer, eau“ (Luft, Eisen, Wasser) zeigt eine Ansicht mit Eiffelturm und Eisenbahn, die sich spielerisch im bunten Treiben aus Formen und Farben auflöst.

Das gigantische Kunstwerk des Franzosen im Eingangsbereich des Museums inspirierte Angela Fette. Gleich gegenüberliegend zeigt die Düsseldorferin auf 25 Metern ihre dreidimensionale Arbeit: Eine dynamische „Musikmaschine“, die lebensbejahende Technik ausstrahlt.

„Wohlstand für alle, die Welt von morgen bauen“, so lautete das Motto auf der New Yorker Expo im Jahr 1939. Das Modell einer utopischen Stadt namens „Democracity“ beschreibt einen Tag im Jahr 2039. Dort wird die Demokratie als Garant für gesellschaftlichen Fortschritt propagiert.

Bilder der Nuklearkatastrophe

Salvador Dalí entwarf dagegen mit seinem „Dream of Venus“- Pavillon einen surrealistischen Gegenentwurf zum Expo-Motto. So waren die kunstvoll gestalteten „Tableaux vivants“ (lebende Bilder) deutlich erotisch aufgeladen und provokativ.

„Die Welt ist komplizierter geworden. Es gibt keine klaren Regeln“, sagt der Bildhauer Rob Voermann, während er aus seinem sechs Meter hohen Pappe-Pavillon schaut. Zehn Tage brauchte der Niederländer für den Aufbau. Im Inneren der begehbaren Installation staunen die Besucher über ein Modell des New Yorker UNO-Gebäudes. .

Montreal 1967: Im deutschen Expo-Pavillon initiierte Hugo Kükelhaus „Naturkundliches Spielwerk“. Otto Piene beeindruckt auch über 50 Jahre später noch mit dem Werk „Die Große Stehende“ und ihrem Lichtspiel.

Die Expo in Osaka 1970 als erste Ausstellung auf dem asiatischen Kontinent folgte dem Leitmotiv „Fortschritt und Harmonie für die Menschheit“. Der Pepsi-Pavillon war eine Kollaboration zwischen Wissenschaftlern, Ingenieuren und Künstlern rund um die E.A.T.-Gruppe.

„Wo führte der Fortschritt hin?“ Mit dieser Frage beschäftigte sich die Künstlergruppe „Konsortium“. Guido Münch, Lars Breuer und Sebastian Freytag zeigen in einer kompletten Rauminstallation historische Dokumente und Filmaufnahmen aus Osaka, die mit Bildern von der Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima 2011 aktualisiert werden.

Die neue Marta-Ausstellung ist ebenso ungewöhnlich wie faszinierend mit spannenden Einblicken in das umfangreiche Gebiet der Kulturgeschichte von Weltausstellungen.


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