Diskussion mit Umweltminister Meller Experte: „Wölfe sind keine Vegetarier“

Einen informativen Abend bestritten Jan Degener, Fritz Mithöfer, Gerhard W. Barmeier, Vorsitzender der FDP Melle, Gero Hocker, Olaf Lies, Heiner Thöle, Vorsitzender der FDP-Stadtratsfraktion und Christoph Michalski (von links). Foto: Edith KaaseEinen informativen Abend bestritten Jan Degener, Fritz Mithöfer, Gerhard W. Barmeier, Vorsitzender der FDP Melle, Gero Hocker, Olaf Lies, Heiner Thöle, Vorsitzender der FDP-Stadtratsfraktion und Christoph Michalski (von links). Foto: Edith Kaase

Melle. Große Resonanz erfuhr die Meller FDP-Stadtratsfraktion mit ihrer Einladung zu einer Podiumsdiskussion zum Thema „Die Rückkehr der Wölfe“ am Montagabend im Forum: Rund 300 Zuhörer wollten wissen, wie Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) und andere Fachleute mit dem hochaktuellen Thema umgehen.

Schon nach den Eingangsstatements der Podiumsteilnehmer wurde klar: Eine kontroverse Diskussion war nicht zu erwarten, da sich die vier Diskutanten einig waren: Abschüsse von Wölfen werden künftig unvermeidlich sein, um die Wolfspopulation in Niedersachsen auf ein vertretbares Maß zu begrenzen.

Minister Lies skizzierte die Randbedingungen: Der Schutz des Menschen habe höchste Priorität, die Weidetierhaltung und insbesondere die Beweidung der Deiche durch Schafe müsse möglich und gleichzeitig ein eingeschränkter Schutzstatus des Wolfes erhalten bleiben. Zur Erreichung dieser Ziele seien Verbrämungsmaßnahmen wie der Einsatz von Gummigeschossen und Lärm ebenso denkbar wie die Tötung von Wölfen.

Angst vor Attacken

Jan Degener von der Meller Schäferei Krüger-Degener erklärte, er habe bisher schon viel Geld in die Hand genommen, um einen Grundschutz für seine Schafe herzustellen. Dennoch lebe er in ständiger Angst vor Wolfsattacken. Degener verwies auf eine Umfrage unter deutschen Schäfern, wonach 40 Prozent von ihnen ihren Beruf an den Nagel hängen würden, wenn es in ihrer Herde einen Riss durch Wölfe gebe.

Gero Hocker, FDP-Bundestagsabgeordneter und Sprecher für Landwirtschaft und Ernährung, ließ keinen Zweifel an seiner Haltung. Der Wolf sei der stärkste Beutegreifer in Mitteleuropa. Dessen Population nicht managen zu wollen, sei ein großer Fehler in der Vergangenheit gewesen. Hocker forderte Lies auf, den Goldenstedter Wolf zu „entnehmen“, wie er den Abschuss umschrieb. In dem Ort im Landkreis Vechta hat ein Wolfsrudel wiederholt Nutztiere gerissen.

Fritz Mithöfer als Vorsitzender der Jägerschaft Melle sprach sich als vierter Teilnehmer auf dem Podium für eine Regulierung des Wolfsbestandes aus. „Wir sind für den Wolf in Niedersachsen, aber nicht in unbegrenzter Zahl, denn das sind keine Vegetarier“. Erfolge keine mengenmäßige Regulierung, werde es bald keine Schafe, Rinder und Pferde im Freien mehr geben.

Obergrenze gefordert

Unter der Moderation von Christoph Michalski verdeutlichten die vier ihre Haltung: Mithöfer forderte eine Obergrenze für Wölfe. Ein gewisser Prozentsatz müsse dazu „entnommen“ werden. Im übrigen werde der Wolf bei Bejagung sein Verhalten schnell ändern und dörfliche Siedlungen verstärkt meiden.

Hocker bezweifelte, dass die von Lies in den Bundesrat eingebrachte Initiative für ein nationales Wolfskonzept, das auch Abschüsse erleichtern soll, Erfolg hat. „Ich begrüße die Initiative, aber es ist nur ein Placebo-Vorschlag, weil es dafür im Bundesrat vermutlich keine Mehrheit geben wird“.

Schwierige Gesetzeslage

Lies verwies in diesem Zusammenhang auf die schwierige Gesetzeslage in Artenschutz - und Bundesnaturschutzgesetz. „Wir brauchen Rechtssicherheit“, schilderte er das Dilemma. Es sei aber an der Zeit, konsequent zu handeln, um so auch die Akzeptanz für den Wolf zu erhalten. Der Minister warb für den Vorstoß im Bundesrat. Damit wolle Niedersachsen eine breite politische Unterstützung finden und parteiübergreifend zu Lösungen kommen. Es gehe darum, die jetzige Gesetzlage zu ändern, die dem Wolf hohen Schutzstatus zubillige.

Degener hob hervor, dass die Jagd auf Wölfe in Skandinavien erlaubt sei. „Warum tun wir uns damit so schwer?“, fragte er. Wegen der momentanen Gesetzeslage, antwortete Lies.

In der Zuhörer-Fragerund e ging es unter anderem auch um die Pflege der Kulturlandschaft. Die funktioniere doch in weiten Teilen des Landes nur durch Schafbeweidung. Das sieht der Umweltminister genau so. Deswegen müsse bei einer Zuspitzung der Lage auch gehandelt werden. Kritisiert wurde, dass betroffene Schäfer bis zu sechs Monate auf Entschädigungen warten müssten, weil nur ein Institut landesweit DNA-Proben nehme. „Wir sind dran“, sagte Lies.

Auf eine entsprechende Frage au dem Publikum sagte MdB Hocker: Der Wolf ist für manche Nichtregierungsorganisationen eine Geschäftsmodell geworden. Unter Hinweis auf „Wolfspatenschaften“ sprach er von einer „Spendenrequierierungs-Industrie“. Im übrigen seien manche Wolfsfreunde bei solchen Organisationen naiv und weit entfernt von Realitäten.

In den Bundestag

In ihren Schlussworten plädierte Mithöfer für Obergrenzen, Hocker sprach sich für eine gesetzliche Regelung durch den Bundestag aus und Degener forderte schnelles Handeln. „Es ist wenige Sekunden vor 12.“

Lies dankte für das „Stimmungsbild vor Ort“, das er in Melle wie von ihm gewünscht erhalten habe. „Meine Haltung habe ich klar gemacht, aber die rechtlichen Möglichkeiten sind zur Zeit andere und daher müssen wir die Gesetz ändern“.


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