„Dann geht er ab, das ist schlimm“ Meller Opfer von Messerattacke erhält Schmerzensgeld

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Symbolfoto: Michael SchwagerSymbolfoto: Michael Schwager

cew Osnabrück/Melle. Ein 30-Jähriger aus Georgsmarienhütte musste sich am Mittwoch vor dem Amtsgericht Osnabrück verantworten. Er hatte seinem Kumpel im Februar dieses Jahres ein Messer in den Bauch gestochen. Das Opfer, ein 31-Jähriger aus Melle, wurde dabei lebensbedrohlich verletzt.

Dem Angeklagten tat das alles unglaublich leid, wie er angab. „Ich bereue es zutiefst“, sagte er. Die Tat gab er in vollem Umfang zu.

Über den Augenblick direkt nach dem Messerstich sagte er: „Ich habe das ganze Blut gesehen, selbst Nasenbluten gehabt und noch schnell die Polizei gerufen. Dann bin ich ohnmächtig geworden. Ich kann doch kein Blut sehen.“

„Wir hatten ganz schreckliche Angst“

Der Tat vorausgegangen war ein Streit, der zwischen ihm, dem Opfer und der damaligen Freundin des Opfers eskalierte. Der Angeklagte gab an, dass sein Kumpel seine Freundin geschlagen und getreten habe. Er sei mit ihr dann zunächst aus der Wohnung gelaufen, später wieder zurück, aber der gewaltbereite Meller sei ihnen immer dicht auf den Fersen gewesen. „Wir hatten ganz schreckliche Angst“, so der Angeklagte, „er hat uns beide geschlagen und gewürgt.“

Als sich der Meller dann in der Wohnung mit der Freundin ins Badezimmer zurückzog, der Streit dort lautstark und unter Anwendung von Gewalt weiterging, habe er ein Messer genommen und zugestochen.

„Die Situation war ziemlich aufgeladen“

Die damalige Freundin des Mellers bestätigte die Aussage des Angeklagten. Sie gab auch an, dass ihr Freund sie zuvor schon einmal verprügelt hatte und ihr bester Freund, der Angeklagte, von dieser Geschichte wusste. „Er hat mir gegenüber einen richtigen Beschützerinstinkt“, sagte die 31-Jährige aus. Über ihren damaligen Lebensgefährten sagte sie: „Immer, wenn Alkohol im Spiel ist, kann er sich nicht mehr so gut steuern. Dann geht er ab, das ist schlimm.“

Das Opfer wollte hingegen keine Angaben dazu machen, ob er gewaltbereit war. Er gab an: „Die Emotionen spielten schon eine Rolle. Die Situation war ziemlich aufgeladen.“

Der Likör spielte auch eine Rolle

Dass der Likör, der am Abend die Runde machte, eine nicht unbedeutende Rolle gespielt haben muss, entnahm der Richter einem ärztlichen Gutachten. Mehr als zwei Promille hatte demnach der Angeklagte nach der Tat im Blut, ein bisschen weniger das Opfer.

Das Gericht verurteilte den Angeklagten, der zuvor nie strafrechtlich in Erscheinung getreten war, schließlich zu einem Jahr und drei Monaten Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wird.

Der Verteidiger des Angeklagten hatte außerdem 10.000 Euro in bar dabei, mit denen er in der Verhandlung herumwedelte: Schmerzensgeld vom Angeklagten für das Opfer. Das nahm der Meller aber im Rahmen der Hauptverhandlung nicht an. Er bekommt den Betrag nun überwiesen.


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