Schöpfer einer neuen Kunstrichtung Film über Erich Engelbrecht in Neuenkirchen

Meine Nachrichten

Um das Thema Melle Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Vor dem Heimathaus wurden Filmemacher Helmuth Kohn und Ulrike Kohn von den Initiatoren des Filmabends Gerhard Stechmann (links) und Christian Hoffmeister (rechts) begrüßt . Foto: Norbert WiegandVor dem Heimathaus wurden Filmemacher Helmuth Kohn und Ulrike Kohn von den Initiatoren des Filmabends Gerhard Stechmann (links) und Christian Hoffmeister (rechts) begrüßt . Foto: Norbert Wiegand

Neuenkirchen. Der Holterdorfer Künstler Erich Engelbrecht, der 2011 in der französischen Auvergne bei Vichy gestorben ist, hat eine ganz neue, wegweisende Kunstrichtung geschaffen. Davon waren viele der 90 Zuschauer überzeugt, die sich am Freitagabend nach den beiden Filmvorführungen im „Programmkino“ Neuenkirchener Heimathaus zu Wort meldeten.

In seinem 61-minütigen Film „Mein Weg mit Bello“ zeigt der Bramscher Filmemacher seine ganz persönliche Annäherung an den „Bello“ genannten Künstler Erich Engelbrecht und dessen Kunst. Der posthum entstandene Film beginnt mit aufgezeichneten Gesprächen, die Engelbrecht noch zu Lebzeiten mit seinem zeitweisen Weggefährten Hans-Jürgen Vogt geführt hatte. Darin kommt zum Ausdruck, dass der erfolgreiche Ingenieur Engelbrecht schon früh von einem engen Zusammenhang zwischen Ästhetik und Mathematik ausging. So erinnern die Formen in seinen Werken an mathematische Kurven.

Engelbrecht beschreibt im ersten Teil des Films, wie er sich beim Beginn eines neuen Kunstwerkes „der vollkommenen Leere eines leeren weißen Blattes anvertraut“. Nicht er selbst wolle etwas schaffen, sondern es werde etwas mit ihm und durch ihn geschaffen. Später im Film spricht Filmemacher Helmuth Kohn von „Introspektive“ - einer Innenschau, die Botschaften vermittelt.

Monumentale Stahlskulpturen

Neben den Annäherungsversuchen an das innere Wesen der Engelbrechtschen Kunst geht es aber auch um Arbeitstechniken. Optisch beeindruckend ist, wie teils monumentale Stahlskulpturen nach Engelbrechts Vorgaben mit hochmoderner CNC-Technik geformt werden. Die größten Skulpturen aus bis zu 30 Zentimeter dicken Stahlplatten sind bis zu 130 Tonnen schwer und zwölf Meter hoch.

Im zweiten Teil des Films machen sich Helmuth und Ulrike Kohn auch geografisch auf ihren „Weg mit Bello“. Zunächst filmen sie in seinem Holterdorfer Wohn-Atelier, in dem der gebürtige Bielefelder (geboren 1929) fast 40 Jahre gelebt hat. Anschließend besuchen sie das Chateau des Fougis in der französischen Auvergne, das Engelbrecht 2001 gekauft hatte. Im dortigen Schlosspark präsentiert er 28 beeindruckende Stahlskulpturen als zusammenhängendes Gesamtkunstwerk. Die eigenwilligen Installationen sind ein Anziehungspunkt für Kunstinteressierte aus ganz Frankreich. „Es kommen Busse mit gebuchten Führungen“, berichtete das Ehepaar Kohn von seinem mehrtägigen Aufenthalt.

Film in Schulen zeigen

In der Diskussion nach dem Film wunderte sich Volker-Theo Eggeling darüber, dass die Kunstwerke Engelbrechts in Deutschland „so reserviert“ betrachtet würden. „Es handelt sich um eine einzigartige neue Kunstart, die nicht nach schneller Anerkennung giert“, meinte dazu Arnold Weßling. „Holterdorf wird durch das einstige Atelier des Begründers einer neuen Kunstrichtung bereichert und Neuenkirchen durch seine Skulpturen beschenkt“, ergänzte der Kommunalpolitiker aus dem benachbarten Borgholzhausen. Von „beeindruckenden Formen und Farben“ sprach Christian Hoffmeister als Vorsitzender des veranstaltenden Heimatvereins.

Offenbar war der Funke der Begeisterung vom Filmemacher und vom Film auf die Zuschauer übergesprungen: Mehrere Redner forderten, dass der Film in Schulen gezeigt werden müsse und dass Besichtigungen des ehemaligen Ateliers mit seinen noch vorhandenen vielen Kunstwerken ermöglicht werden sollten. „Da könnte Neuenkirchen in der Tat mehr draus machen“, erklärte Helmuth Kohn unter dem Beifall der Zuschauer.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN