Interesse an Familienforschung wächst 1000 Besucher beim 70. Deutschen Genealogentag in Melle

Beim 70. Genealogentag gab es auch Tipps zur Suche nach den Vorfahren. Foto: Stefan BuchholzBeim 70. Genealogentag gab es auch Tipps zur Suche nach den Vorfahren. Foto: Stefan Buchholz

Melle. Familiengeschichte boomt – Das zeigte der 70. Deutsche Genealogentag in Melle. Mehr als 1000 Besucher informierten sich über Ahnenforschung.

„Van Ossenbrügge in de wiete Welt“ lautet das Motto der Tagung, die der Arbeitskreis Familienforschung Osnabrück als Ausrichter auf die Beine gestellt hatte: 20 Vorträge, Gesprächsrunden, Stammtische nebst Vereinen aus dem In- und Ausland sowie kommerzielle Anbieter, die über alles in Sachen Ahnenforschung Bescheid wissen und geben – Auf dem Solarlux-Campus konnte man Lust auf das Stöbern in der Familiengeschichte bekommen.

Suche nach Heimat

„Es gibt weltweit ein wachsendes Interesse an Genealogie“, stellte Dirk Weissleder zur Halbzeit der Tagung fest. Der Vorsitzende der Deutschen Arbeitsgemeinschaft genealogischer Vereine nannte die Suche nach Identität und Heimat sowie die erleichterten Möglichkeiten, Ahnen zu finden, als Erklärung für den Boom.

Keineswegs sei Genealogie nur das Forschen nach längst Verstorbenen, sondern ein dynamisches Geschehen. „Ich lerne Geschichten hinter der Geschichte kennen, erfahre aus dem Gestern auch mehr über unser Heute, und Genealogie ist gelebte Völkerverständigung“, so Weissleder.

Ehepartnerin bei Ahnensuche gefunden

Das mit der Völkerverständigung kann etwa Georg Palmüller im Wortsinn bestätigen. Der Kamener beschäftigt sich seit 1985 mit Ahnenforschung. Irgendwann erreichte ihn eine Anfrage aus den USA. Eine Frau wollte mehr über ihre Vorfahren aus Deutschland wissen. „Ich konnte ihr bei der Suche helfen und als sie Deutschland besuchte, haben wir uns ineinander verliebt und später geheiratet“, erzählte Palmüller am Stand des Ahnenforscherstammtisches Unna.

Kostenfreie Portale

Das Erforschen der Familiengeschichte ist im Internetzeitalter einfach geworden. Zahlreiche Datenbanken wie Family Search, die die Mormonen erstellt haben, bieten kostenfreie Informationen. Auch kommerzielle Anbieter bilden inzwischen einen Markt: So bietet Archion mit verschiedenen Bezahlmodellen ein Portal, das seit wenigen Jahren evangelische Kirchenbücher online stellt. Oder: Eine Firma namens My Heritage sucht via kostenpflichtiger Speichelprobe nach den Verwandten im DNA-Stammbaum.

Beginnt man mit dem Erforschen der eigenen Familienlinien, sollte neben einer genau überlegten Systematik zudem alles gesammelt werden, was über eine Person zu finden ist, riet Beate Stüber aus Georgsmarienhütte in ihren Vortrag über Familienforschung für Anfänger. Und: „Veröffentlichen Sie ihre Chroniken und Stammbäume. Auch daraus können sich Anknüpfungen für weitere Forschungsfortschritte ergeben.“

Auf gut sechs Quadratmetern stabilster Lkw-Plane zeigte Margret Rohloff auf der Tagung ihre persönliche Genealogie mit vielen Bildern. Bis ins 16. Jahrhundert ist die Dortmunder Hobby-Forscherin dabei gekommen. Neben den Hauptlinien aus Ostpreußen und dem Niederrhein, entdeckte sie auch italienische Vorfahren, die als vermögende Textilingenieure vor über 200 Jahren nach Krefeld gekommen waren und dann Teil der Familie wurden. „Mit einer Frau aus diesem Zweig habe ich mich schon getroffen“, berichtete Rohloff.

TV-Tipp

Info: Das ZDF hat den Ahnenforscher-Trend aufgenommen. Am Sonntag, 21. Oktober um 13.55 Uhr, wird die erste Folge der Serie „Du ahnst es nicht“ ausgestrahlt.


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