Das Gehirn einmal ausmisten Kabarettist Sebastian Pufpaff in Melle

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„Zum Nichtstun“ als kreative Pause ermutigte Sebastian Pufpaff das Meller Publikum. Foto: Norbert Wiegand„Zum Nichtstun“ als kreative Pause ermutigte Sebastian Pufpaff das Meller Publikum. Foto: Norbert Wiegand

Melle. Sein höchst eigenwilliges Kabarettprogramm „Auf Anfang“ präsentierte Sebastian Pufpaff im ausverkauften „Theater Melle“ am Schürenkamp.

Wie der Titel schon vermuten ließ, wurde seine Ein-Mann-Show zu einem Appell an die 480 Zuschauer, ihr Gehirn einmal richtig auszumisten.

Trump und Seehofer

Schon zum Auftakt erschreckte er das Publikum mit der Ankündigung einer allgemeinen Vorstellungs- und Vorschlagsrunde, was denn die Themen des Abends werden sollten. So schlimm wurde der Abend zum Mitmachen dann zwar nicht, aber er hielt sein Versprechen und baute alle sieben Themenwünsche aus den Zuschauerreihen in sein folgendes Programm ein. Natürlich durften „Donald Trump“ und „Horst Seehofer“ dabei nicht fehlen, es gab aber auch überraschende Zuschauerwünsche wie „Benjamin Blümchen“.

Im Laufe seiner Show ging er immer mal wieder auf leibhaftig anwesende Zuschauer ein, wie etwa den 13-jährigen Oliver oder den 76-jährigen Fernfahrer Hans, der zum Sinnbild einer früheren Zeit wurde, in der alles besser war. Hans war in jungen Jahren nämlich noch „ein richtiger König der Landstraße“, ganz anders als die heutigen Kollegen.

„Ich brauche Krise“

Pufpaff stellte sich als Kabarett-Dienstleister vor, der einfach nur an seinem Publikum verdienen will. Er präsentierte sich als einen typischen Deutschen, der immer etwas zum Aufregen braucht: „Ich brauche Krise, mit Schönem und Gutem kann ich nicht umgehen“.

Der Kabarettist, der übrigens tatsächlich Pufpaff mit seinem richtigen Namen heißt (seine Ahnen waren einst Schwarzpulverhändler), verzweifelte vor allem dann, wenn es keinen Grund zum Schimpfen gibt – wenn Service-Hotlines einwandfrei funktionieren oder andere Autofahrer freundlich und rücksichtsvoll sind. Überhaupt plädierte er (ironisch) für massenhaftes und ständiges Autofahren, um die Klimaerwärmung um weitere zwei Grad zu erhöhen: „Denn wenn die Polkappen schmelzen, dann haben die in Afrika Wasser.“

Zu jedem zweiten deutschen Haushalt gehört ein Haustier. Dies erklärte Pufpaff damit, dass ein Mensch neben einem Tier eben immer etwas schlauer wirkt. Aber neuerdings gibt es schon elektronische Rollkoffer, die man nicht mehr ziehen muss, weil sie einem immer hinterherlaufen, wie ein Dackel. Kritisch setzte er sich mit derartigen technischen Fortschritten auseinander. „Bald benötigen die Geräte den Menschen nicht mehr“, warnte der 42-Jährige. Auch die Verblödung der Massen durch dämliche TV-Formate wie „Dschungelcamp“ oder „Adam sucht Eva“ prangerte er an.

Langeweile macht kreativ

Pufpaff streifte zwar gelegentlich politische Entwicklungen, seine Show war aber kein klassisches politisches Kabarett. Dennoch schickte er einige klare Botschaften ab, vor allem gegen rechtspopulistische Tendenzen. „Wir sind alle politische Menschen, die Einfluss nehmen können, wenn wir nur wollen“. Der gebürtige Heinsberger rief sogar zur Teilnahme an der Demonstration gegen den Braunkohleabbau im Hambacher Forst am 6. Oktober in seiner Heimatregion auf.

Der Comedian und Kabarettist ermutigte sein Publikum im Zeitalter allgegenwärtiger Medienpräsenz zu „mehr gelebter Langeweile, aus der Kreativität erwächst“. Eingefahrene Verhaltensweisen und Vorurteile sollten auf Null oder „Auf Anfang“ gestellt werden, damit die Welt überhaupt unvoreingenommen erlebt werden kann. „Grüßt doch einfach mal einen wildfremden Menschen!“ gab er dem Publikum nach der Zugabe mit auf den Heimweg.


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