Biotope sind ausgetrocknet Wasserstände in Meller Gewässern extrem niedrig

Von Kirsten Muck, 12.09.2018, 09:28 Uhr
Bis dahin stand im Frühjahr noch das Wasser im Ludwigsee. Geschäftsführer Peter Grothaus zeigt auf den Rand der Betonsohle, die für den Schwimmsteg gebaut wurde. Foto: Kirsten Muck

Melle. „Ich glaube, ich biete demnächst mal Wattwandern an“, sagt Peter Grothaus schmunzelnd und zeigt dabei auf die matschigen Ufer des Ludwigsees. Der Geschäftsführer der dortigen Campinganlage nimmt den Zustand des Sees mit Humor. Ändern kann er doch nichts daran, dass der See über den Sommer 30 Prozent seines Wassers verloren hat. Auch andere Gewässer in Melle haben unter der Hitze gelitten.

Unter diesen Gewässern sind etliche flache Biotope, die als Ausgleichsflächen in der Stadt angelegt wurden. Hinter dem Hochregallager von Thomas Philips ist so ein Gewässer. Im Frühsommer tummelten sich dort noch Libellen, Frösche, kleine Fische, Lurche und etliche Fischreiher. Doch nun durchziehen den Boden tiefe Furchen. Der Wasserstand war dort bei einer Tiefe von maximal 50 Zentimetern eh schon sehr flach.

„Das ist kein Desaster“

„Um einen Rückzugsort für Tiere zu schaffen, sollte so ein Gewässer zumindest an einer Stelle eine Tiefe von 80 bis 90 Zentimeter haben“, sagt Volker Tiemeyer von der Stiftung für Ornithologie und Naturschutz, kurz SON. Allerdings habe das Austrocknen für einige Arten auch Vorteile. „Da ist des einen Leid des anderen Freud“, meint Tiemeyer. Denn Amphibien beispielsweise kommen trockene Perioden zugute, wenn sie laichen. Dann ist der Fischbesatz in einem Teich geringer. Die Fische kommen an den Laich nicht mehr heran. „Einige Insektenarten sind stark spezialisiert, die brauchen temporäre Gewässer“, erklärt Tiemeyer weiter. Was auf den ersten Blick tragisch erscheint, ist also gar nicht so schlimm. „Das ist kein Desaster“, betont der Naturschützer. Zumindest nicht aus Sicht der Amphibien oder Insekten. Beim nächsten Regen werde sich die Fläche wieder mit Wasser füllen. „Hier wird es kurz- und mittelfristig zu einer Wiederansiedlung kommen“, sagt er.

Ein See, der noch gut gefüllt ist, ist der Grönegausee in Oldendorf. Am Ufer ist zwar deutlich zu sehen, dass das Wasser schon mal höher stand. Doch ein trauriges Bild wie der Ludwigsee gibt dieser See noch nicht ab.

So ausgetrocknet zuletzt im Jahr 1996

Am Ludwigsee nutzen die Mitarbeiter den niedrigen Pegelstand nun, um die Uferränder und die Böschung zu schneiden und zu säubern. „Wir haben hier einen Wasserverlust von knapp einem Meter, das sind 30 Prozent weniger Wasser“, berichtet Geschäftsführer Peter Grothaus. Einen ähnlichen Anblick bot der See nur im Jahr 1996. Da sei der See fast zur Hälfte ausgetrocknet gewesen, erinnert sich Grothaus.

Im Frühjahr war der Wasserstand optimal, da der Winter feucht und nass war. Bis Ende September falle der See noch. „Wenn die Bäume das Laub fallen lassen, erreichen wir unseren Nullstand“, erklärt er. Nun hofft Grothaus auf einen nassen Winter.

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