Streit um Haltestelle Altenheim Meller Busschüler dürfen nicht einsteigen, wo sie wollen

Von Michael Hengehold, 10.09.2018, 17:36 Uhr
Per Anhalter müssen (von vorn) Lara, Malin, Azenin und Leon noch nicht fahren, aber in den Bus ihrer Wahl können sie am Altenheim auch nicht einsteigen. Foto: Michael Hengehold

Neuenkirchen. In Neuenkirchen sollen Schüler morgens an der Haltestelle Altenheim in einen Bus nach Melle wegen Überfüllung nicht einsteigen. Am Schulzentrum kommen sie in denselben Bus aber problemlos rein.

Die Situation ist im Wortsinn verfahren. Eltern berichten von „provozierenden Spielchen“ einiger Busfahrer, hängen sich ans Telefon, rufen die Schulen an, den Landkreis als ÖPNV-Träger und das Busunternehmen Schrage in Wellingholzhausen, von dem sie sich schlecht behandelt und abgebügelt fühlen.

Und bei Schrage hat man kein Verständnis für angebliche Aussagen wie: „Unsere Tochter möchte aber mit dem anderen Bus fahren, weil da ihre Freundin mitfährt und sonst kennt sie keinen.“ Dafür hat Geschäftsführer und Inhaber Sven Borgelt überhaupt keinen Sinn: „So können wir den ÖPNV nicht hinbekommen.“

Der Kern der Kritik ist aber ein anderer. An der Haltestelle Altenheim fahren morgens zwei Busse gen Melle. Einer über Riemsloh, der andere über Gerden. Die Schüler sollen den Riemsloher Bus nehmen, weil der über Gerden im Lauf der Fahrt zu voll werde, sagt Borgelt: „Wir müssen ja auch die Schüler mitnehmen, die als letztes zusteigen.“

Eltern und Schüler hingegen behaupten, der Riemsloher Bus sei viel voller und im Bus über Gerden immer jede Menge Platz. Was sie so gar nicht verstehen: Wenn die Kinder zum Neuenkirchener Schulzentrum gehen, können sie dort ohne Probleme in eben jenen Bus einsteigen, in den ihnen der Zustieg am Altenheim verwehrt wird.

Ja, räumt Sven Borgelt auf Anfrage unserer Redaktion ein, der Bus über Riemsloh sei sehr voll gewesen, aber da werde jetzt ein größerer Gelenkbus eingesetzt: „Natürlich darf jeder mit dem Bus fahren, wenn er möchte, aber wir behalten uns vor, die Kinder aufzuteilen.“

„Das kann ja nicht sein“

Wenn jetzt vielleicht noch Platz sei, könne sich das im Herbst doch schnell ändern, wenn auch jetzige Radfahrer den Bus nutzten. Der Riemsloher Bus komme laut Plan im Übrigen „nur drei oder vier Minuten“ später an als der über Gerden. Kinder und Eltern behaupten, es wären eher zehn, und dann werde es schon knapp mit dem Schulbeginn im Gymnasium. Replik Borgelt: „Das kann ja wohl nicht sein, dass ein ganzer Bus regelmäßig zu spät zum Unterricht kommt.“

Warum so schwer zu kalkulieren ist, wer wo zusteigt, versteht Peggy Aliyev nicht, die täglich zwei elfjährige Töchter nach Melle schickt: „Wir mussten doch vorher angeben, wo die Kinder einsteigen.“

Sven Borgelt betont, vor Schuljahresbeginn lägen seinem Unternehmen keine Zahlen vor, aber nach den Herbstferien, „wenn es am vollsten ist, zählen wir“.

Carola Bergmann ärgert, dass ihre Elfjährige schon um 6.45 Uhr aus dem Haus müsse, wenn sie erst am Schulzentrum einsteigen kann, statt um 7 Uhr: „Ich find‘s nicht richtig.“

Dass im Riemsloher Bus mehr Platz sein soll, kann die elfjährige IGS-Schülerin Malin jedenfalls nicht bestätigen: „Aus dem Gerdener Bus kommt man ganz gesittet raus, aber bei dem über Riemsloh muss man sich durchquetschen.“

Ohnehin führen doch über ein Dutzend Schüler via Riemsloh und nur eine Handvoll wolle über Gerden fahren, argumentieren die Eltern. Für Sven Borgelt wird freilich genau andersrum ein Schuh daraus: „95 Prozent nutzen den Riemsloher Bus, nur ein paar wollen das nicht.“

Sehen Sie nicht den vollständigen Artikel? Klicken Sie hier für die erweiterte Darstellung. »

Jetzt anmelden, um mehr zu lesen
Jetzt DigitalBasis bestellen
Service
Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN

Allgemeine Geschäftsbedingungen | Kundeninformationen | Datenschutzerklärung | Impressum | Kontakt | Mediadaten | Onlinewerbung

Weitere Angebote, Partner und Unternehmen der NOZ MEDIEN