Family-Clash mit den Gerassimez-Brüdern Wahnwitzige Virtuosität in der Matthäuskirche in Melle

Von Conny Rutsch

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Melle. Einfach sensationell: Ihre außergewöhnliche Musikkunst präsentierten die Brüder Nicolai, Wassily und Alexej Gerassimez im Rahmen der Niedersächsischen Musiktage unter Federführung der Sparkassenstiftung in einem mitreißenden Konzert am Sonntagnachmittag in der Matthäuskirche in Melle.

Der Titel ihres Programms sagt alles: „family clash“, Familien-Zusammenstoß. Die Brüder ließen ihre absolut außergewöhnliche musikalische Energie tatsächlich förmlich aufeinanderprallen. Mit größtmöglicher Virtuosität, tiefem musikalischen Verständnis plus Riesenportionen an Charme und Humor machten die Künstler dieses Konzert zu einem absolut unvergesslichen Erlebnis.

Zeitgenössische Kompositionen

Schon gleich mit einem Bach-Präludium und Fuge setzten die drei das untrügliche Zeichen dafür, dass dieses Konzert außergewöhnlich werden würde. Mit der ungewöhnlichen Besetzung Klavier, Cello und Vibrafon verwandelten Nicolai, Wassily und Alexej Gerassimez die bekannte Musik in ein klangliches Kleinod. Und dann jagte ein musikalischer Leckerbissen den nächsten. Das Zusammenspiel wechselte ständig: Mit Cello und Marimba, Cello und Klavier, Klavier und Vibrafon oder als Trio ließen sie moderne und zeitgenössische Kompositionen in unterschiedlichster Formen und Klangfarben erklingen, die sonst nie zu hören sind. Mit wahnwitziger Virtuosität, dann wieder einfühlsamen Melodiebögen, mit traumwandlerisch sicherem Zusammenspiel und kreativer Interpretationskunst ließen die Künstler keine Wünsche offen.

Nach der Pause durften die Schüler der Klasse 7b unter der Leitung des Musiklehrers David Höing ein Stück für diverse Schlaginstrumente auf die Bühne bringen, dass sie in einem Workshop mit Alexej Gerassimez erarbeitet hatten.

Herausragende Künstler

Die Garassimez-Brüder sind als Solisten, zu zweit oder zu dritt an ihren Instrumenten herausragende Künstler. Es ist aber durchaus nicht übertrieben, Nicolai, Wassily und Alexej als Multitalente zu bezeichnen. Mit einem Minimalmusic-Werk von Steve Reich bewiesen sie ihre musikalische Vielfalt. Mit kleinem hölzernen Schlagwerk mussten die drei rhythmische Figuren versetzt voneinander spielen.

Höchste Konzentration heißt es hier, minutenlang zu halten. Perfekte Spielkunst.

Ob Klassik oder Jazz, am Klavier zeigte Nicolai, der älteste der Brüder, die alle um die dreißig Jahre jung sind, moderne Spielkunst allürenfrei und erfrischend unkompliziert. Wassily Gerassimez und sein Cello: er verwächst förmlich mit dem Instrument, es wird ein Teil seines Körpers, wenn er mit geschlossenen Augen in musikalische Welten verschwindet und die Zuhörer absolut fasziniert. Tja, und Alexej zeigt am Marimba, am Vibrafon, an einem Solo auf kleiner Trommel unglaubliche rhythmische Perfektion gepaart mit begleiterischem Einfühlungsvermögen neben dem „Krach, für den ich zuständig bin“, wie er seine Trommelkunst humorvoll bezeichnet.

Stehender Applaus

Mit charmanten Moderationen führten die Brüder durch ihr Konzert, das furios mit einer Komposition des Cellisten endete. Alle drei wechselten in atemberaubendem Tempo die Instrumente. Der Pianist begleitete plötzlich vom Cello aus, der Cellist entpuppte sich als virtuoser Klavierspieler und der Percussionist verwandelte den Cellorücken zum Schlagwerk. Dass sie als Zugabe ein Stückchen von Ravels Bolero gemeinsam am Cello erklingen ließen, begeisterte derart, dass das sonst eher zurückhaltende Meller Publikum zweimal Applaus im Stehen spendete. Ein grandioser Konzertabend, mit allem, was wirkliche Künstler ausmacht.


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