„Farbgedanken“ mit konstruktiven Elementen Borgholzhausener Künstler in der Alten Posthalterei Melle

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Der Kunsthistoriker Jürgen Jesse führte in die Ausstellung mit Werken von Joseph Schräder (von links) ein. Foto: Petra RopersDer Kunsthistoriker Jürgen Jesse führte in die Ausstellung mit Werken von Joseph Schräder (von links) ein. Foto: Petra Ropers

Melle Seine Kunst zeigt viele und vor allem immer neue Facetten. Einen – zwangsläufig begrenzten – Einblick in die Vielfalt seines Werkes gibt der Borgholzhausener Architekt und Künstler Joseph Schräder derzeit in der Alten Posthalterei.

Joseph Schräder habe kein lebenslanges Thema, betonte der Kunsthistoriker Jürgen Jesse in seiner Einführung zur Vernissage. Vielmehr wechseln sich in seinem bereits Jahrzehnte währenden Schaffen die unterschiedlichsten Themen und auch Ausdrucksformen ab. Und so finden sich in der Alten Posthalterei Landschaften in extremer, abstrahierender Reduktion auf ihre natürliche Form- und Farbsprache neben konstruktiver Malerei im Spannungsfeld von Flächen, Linien und Formen.

Kleine Skulpturen

Kleine Skulpturen spielen in Vitrinen mit einer architektonisch anmutenden Formensprache. Den Schwerpunkt der Ausstellung aber bilden jene Werke, die als titelgebende „Farbgedanken“ die Malerei gleichsam in den Raum erweitern.

Da vereinen sich mikroskopisch kleine Punkte in übersehbarer Vielzahl, Linien in architektonisch exaktem Gleichmaß oder große, pastos aufgetragene Farbkleckse zu strukturellen Gemälden, denen reliefartig hier ein schwarzes Quadrat, dort drei parallele rote Linien, dann wieder ein grüner Kreis aufgesetzt ist.

Joseph Schräder, einer der Mitbegründer des Versmolder Kunstkreises, schlägt so nicht nur den Bogen zu seiner konstruktiven Malerei. Er fordert den Besucher auch zu ganz eigenen „Farbgedanken“ heraus. Soll das konstruktive Element ergänzen? Soll es abdecken, unsichtbar machen? Zerstört nicht die singuläre, räumliche Abdeckung das, was zuvor geschaffen wurde? Gänzlich abwegig ist letzterer Gedanke nicht. Denn hinter manchem Bild steckt ein ganz anderes, das übermalt und damit unsichtbar gemacht wurde.

Lust am Entdecken

Fest steht: Dem Konstruktiven bleibt Joseph Schräder auch in der Auseinandersetzung mit struktureller Kunst und Farbreliefs verbunden. Ebenso ist klar, dass er auch mit 80 Jahren die Lust am Entdecken und Aufdecken neuer künstlerischer Welten nicht verloren hat. „Manchmal sitze ich einfach da oder ich sehe etwas. Und dann muss ich das einfach machen“, beschreibt der Künstler den Impuls, der ihn antreibt.

Was folgt, ist weniger spontan, als es anmutet: Jede Arbeit beginne mit dem Versuch, sich möglichst umfassend über das neue Thema zu informieren, beschrieb Jürgen Jesse die Herangehensweise. Das Ergebnis können Kunstfreunde noch bis Monatsende in der Alten Posthalterei sehen.


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