Weil: „Im Westen noch besser“ Jubiläum der Arbeitgeberverbände auf Schloss Gesmold

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Melle. Stimmungsvolle Kulisse, interessante Gäste, unterhaltsame Musik und ein gut aufgelegter Ministerpräsident als Ehrengast: Die barocke Anlage auf Schloss Gesmold bot den ehrwürdigen Rahmen für das Jubiläum zweier Arbeitgeberverbände.

100 Jahre Industrieller Arbeitgeberverband Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim (IAV) und ein 90-jähriges Bestehen der Niedersachsen Metall-Bezirksgruppe waren der Anlass für ein spätsommerliches Fest in stilvollem Ambiente.

„Moin“: Friesisch herb leitete Stephan Weil sein Grußwort ein, wobei er den 100 und 90-jährigen Verbänden die Glückwünsche des Landes aussprach. Als „jung und knackig“ bewertete der Landesvater die beiden Geburtstagskinder, gleichwohl als Synonym für die wirtschaftliche Entwicklung in West-Niedersachsen.

Kronjuwelen

Das westliche Niedersachsen verkörpere gegenwärtig eine aufstrebende, erfolgreiche Region, die von vielen beneidet werde. Mit Blick auf den erfolgreichen Strukturwandel der letzten zehn Jahre hob Weil die Gesamtleistung der Unternehmen hervor, die Verantwortung übernehmen.

Niedersachsen könne im Länderranking stolz auf seine Entwicklung sein: „Eine Leistung, an der viele mitgewirkt haben“, würdigte der Ministerpräsident, der insbesondere das Wirken des „German Mittelstandes“ herausstellte. Dieser zeichne sich durch ein hohes Beschäftigungs- und Qualitätsniveau aus. Dieser Erfolg sei nur gemeinsam auf dem Fundament einer ausgeprägten Sozialpartnerschaft zu meistern: „Das ist die soziale Marktwirtschaft, die Kronjuwelen unseres Landes,“ betonte Stephan Weil. Diese Wirtschaftsform brauche Akteure: Verbände und Gewerkschaften, erklärte Weil, verbunden mit einem Dank an das haupt- und ehrenamtliche Engagement in den Verbänden.

Als künftige Herausforderungen nannte er den Außenhandel, die Digitalisierung, die Fachkräftesicherung und den Ausbau der Infrastruktur. Den erfolgreich agierenden Arbeitgeberverbänden rief er zu: „Wir sind in Niedersachsen gut drauf, im Westen noch besser.“

Rückblick, Standortbestimmung, Worte des Dankes, aber auch Kritik: Olaf Piepenbrock, Vorstandsvorsitzender des IAV, spannte in seiner Begrüßung vor rund 300 Vertretern der Mitgliedsfirmen und geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und befreundeten Verbänden und Kammern einen weiten Bogen.

Aus dem Verband, der 1918 mit 36 Unternehmen und etwa 1300 Beschäftigten gegründet wurde, habe sich der heutige IAV entwickelt, dem gegenwärtig gut 380 Unternehmen mit fast 90000 Beschäftigten angehören: „Die Rolle des IVA ist für die Region wertvoll, denn er vermittelt, informiert und berät auf vielschichtigen Ebenen“, betonte Piepenbrock.

Klar stellte er heraus, dass die Politik und der Gesetzgeber eindeutig für adäquate Rahmenbedingungen sorgen müssten. Es brauche weniger statt mehr Bürokratie, forderte er mit Blick auf die neue Datenschutzgrundverordnung. Eine bessere Verkehrspolitik, die bessere Erreichbarkeit sicherstelle und die Infrastruktur zügig erneuere, sei ebenso vonnöten wie der Ausbau des schnelleren Datennetzes. Dass Deutschland bei der Internetgeschwindigkeit hinter Ländern wie Rumänien, Litauen oder Spanien auf Platz 25 rangiere, sei „kaum zu fassen“.

Vor dem Hintergrund des Fachkräftebedarfs und Demografie werde mehr satt weniger Arbeit gebraucht: „Längere Lebensarbeitszeiten wären sinnvoll“, regte Piepenbrock an.

Michael Grunwald lenkte in seiner Begrüßung den Fokus auf die Schwierigkeiten von Tarifverhandlungen. Tarife dürften kein starres Korsett sein, erklärte der Vorstandsvorsitzende der NiedersachsenMetall-Bezirksgruppe.

Diese Zeiten seien längst vorbei. Er appellierte an die politischen Kräfte, dafür Sorge zu tragen, dass sich die Regierung weiterhin zurückhalten und möge und in das autonome Handeln der Tarifpartner nicht tiefer eingreifen möge: „So viel Freiheit braucht die Wirtschaft“, forderte Grunwald.

In der von Axel Busch moderierten Veranstaltung wies der Hauptgeschäftsführer NiedersachsenMetall, Volker Schmidt auf die gelungene Fusion von Metall- und Elektroindustrie Osnabrück-Emsland mit NiedersachsenMetall hin, während Stefan Delkeskamp, Michael Grunwald, Wilhelm Dietrich Karmann und Bernhard Krone darüber parlierten, was Unternehmer heute bewegt. Das Spektrum reichte von Unternehmerkultur und Fachkräftemangel über Ausbildung und Bürokratie bis hin zu Internationalisierung und Digitalisierung.

Für den musikalischen Part sorgte das Trio rewind aus der Grafschaft Bentheim.


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