„Das ist der Hammer!“ Trommel- und Capoeira-Workshop in Meller Förderschule

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Melle Sie waren morgens zunächst ein wenig zurückhaltend, die Schüler der Wiehengebirgsschule, als die Gäste aus Brasilien zu ihnen kamen. Ein Trommelworkshop stand auf dem Plan – was das wohl werden würde?

Um es vorwegzunehmen: Die Skepsis der meisten Schüler schwand nach wenigen Mitmach-Takten, die zwar anfangs noch durchaus neben dem Takt lagen, aber auch das sollte sich flott ändern. Die Fortschritte der Schüler waren erstaunlich. Wie groß genau, durften sie abends in einer großen (und lauten!) Aufführung ihren Eltern und Verwandten beweisen.

Sie pfeifen auf die Sprache

Im Kreis standen sie am Morgen um Luiz Torres, Claudio Miranda und Marcelo Monteia herum, die bis auf ein paar Brocken kein Deutsch sprechen: „sehr gut!“, „super!“ – der Rest war Portugiesisch mit etwas Englisch gemixt. Und trotzdem klappte die Verständigung auf Anhieb.

Claudio Miranda, Sänger der in der Heimatstadt Sao Paulo sehr bekannten Combo Poesia Samba Soul, benutzte statt Sprache einfach eine Trillerpfeife, die die Drum-Grooves des Trios spielend übertönte und den Kindern so als Orientierung diente.

Die Musiker kommen aus der einst extrem verrufenen Favela (Armenviertel) „Jardim Angela“ in Sao Paulo, wo sie das Instituto Favela da Paz gegründet haben, das mit vielerlei Projekten von der Wasserversorgung über Solarenergie und einem Biogassystem bis hin zu vegetarischem Essen Frieden in das Viertel bringen soll – so die Bedeutung des Namens.

Nach Deutschland bringen sie auf Vermittlung der Osnabrücker Musikerin Tabea Mangelsdorf alle ein, zwei Jahre den Samba-Groove in Schulen und zaubern Lächeln auf Kindergesichter.

Falsch mit Spaß = Richtig

Und ein Lächeln wiederum ist ein deutliches Zeichen dafür, dass alles genau so ist, wie es ein sollte, erklärt zeitgleich der Vierte im brasilianischen Bunde, Pikeno Neres, den Mädchen im Capoeira-Tanzkurs. Capoeira ist eine Mischung aus Kampfkunst und Tanz, den am Donnerstag nicht nur die Mädchen kennenlernen; anschließend ist eine Jungsgruppe dran.

Was Neres damit sagen will: Wenn eine nicht alles richtig macht, aber Spaß daran hat, –dann ist es richtig. Bei Capoeira gehen jeweils zwei Tänzer, die Capoeiristas, in den Kreis, den die anderen bilden, und kämpfen darum, wer die besseren Moves draufhat. Im Westen kennt man das vom Breakdance.

„Es ist irre, was das mit den Schülern macht“

In der Wiehengebirgsschule kämpfen sie nicht, sie haben Spaß. Selbst Mädchen, die sich so etwas sonst nie trauen würden, seien in die Mitte gegangen, begeistert sich Gabriele Rahe: „Es ist irre, was das mit den Schülern macht. Das ist der Hammer! Ich bin noch voll geflasht“, lässt die Lehrerin in der kurzen Frühstückspause ihrem Glück und ihrem Stolz freien Lauf.


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