Spannender Blick in Kirchenbücher Schwestern aus USA auf den Spuren ihres Meller Vorfahren

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Aufmerksamer Blick in die Kirchenbücher mit (von links) Wolfgang Dreuse, Ingo Krahn, Marcia Elving, Kalman Tinka, Charan Niehaus, Maria Tinka und Jürgen Krämer. Foto: Peter SchatteAufmerksamer Blick in die Kirchenbücher mit (von links) Wolfgang Dreuse, Ingo Krahn, Marcia Elving, Kalman Tinka, Charan Niehaus, Maria Tinka und Jürgen Krämer. Foto: Peter Schatte

Buer. Als Friedrich Wilhelm Nienhüser anno 1870 dem Kirchspiel Buer den Rücken kehrte, um sein Glück in den Vereinigten Staaten von Amerika zu suchen, schlug er ein neues Kapitel in der Geschichte seiner Familie auf, die bis heute fortgeschrieben wird.

Am Sonntag wandelten mit Maria Niehaus (verheiratete Tinka) aus Ohio, Marcia Niehaus (verheiratete Elving) aus Pennsylvania und Charan Niehaus aus Missouri drei Nachfahren des Auswanderers im Kirchspiel Buer auf den Spuren ihres Vorfahren. Sie wurden dabei von Wolfgang Dreuse und Jürgen Krämer vom Vorstand des Deutsch-Amerikanischen Freundeskreises Melle (DAF) sowie von ihren Verwandten Reinhard Voß und Regina Haase aus St. Annen begleitet. Während ihres Aufenthaltes im Kirchspiel Buer besichtigten die Gäste aus den USA die historische Bueraner Kirchhofsburg, warfen einen Blick in das Heimathaus, besuchten den Klimaturm und nahmen den Amerika-Hain in Augenschein. Darüber hinaus trafen sie sich in Sehlingdorf mit Bernd und Sonja Jouvenal, auf deren Anwesen Friedrich Wilhelm Nienhüser einst das Licht der Welt erblickt hatte.

In Martini-Kirche getauft

Eine besondere Note erhielt der Kurzbesuch durch die Teilnahme an einem Gottesdienst in der St.-Martini-Kirche in Buer, zu dem Pastor Ingo Krahn die Gäste aus den USA namentlich willkommen hieß. Doch damit nicht genug: Um den drei Schwestern einen Einblick in ihre Familiengeschichte zu ermöglichen, hielt der Geistliche historische Kirchenbücher bereit, in denen vermerkt war, dass Friedrich Wilhelm Nienhäuser am 24. Januar 1851 im Vorgängerbau des heutigen Gotteshauses getauft und am 23. April 1865 in der damals noch neuen Martini-Kirche getauft worden war.

Dass die drei Schwestern in die Heimat ihrer Altvorderen gelangten, ist Wolfgang Dreuse zu verdanken. Dem DAF-Vorsitzenden, der sich auch im Arbeitskreis Familienforschung Osnabrück engagiert, gelang es in bereits vor einiger Zeit, die Familienbande wiederherzustellen – mit erfreulichen Ergebnissen, wie der erste Besuch seiner Cousinen Marcia Elving und Maria Tinka im Jahre 2009 dokumentierte.

Ein Blick zurück: Man schreibt das Jahr 1870. Der 19-jährige Friedrich Wilhelm Nienhüser wandert nach Amerika aus. Wie Tausende andere Meller vor ihm möchte der junge Mann aus dem Kirchspiel Buer sein Glück in der Ferne suchen. Am 21. Mai des Jahres erteilt ihm der königliche Kreishauptmann zu Melle die Auswanderungserlaubnis – ein historisches Dokument, das sich seit geraumer Zeit im Niedersächsischen Staatsarchiv in Osnabrück befindet.

Zielhafen Baltimore

Mit der S. S. „Leipzig“ verlässt Wilhelm Nienhüser von Bremerhaven aus die alte Welt. Nach einem Zwischenstopp im englischen Southampton erreicht er am 3. Juni 1870 den Zielhafen Baltimore an der Ostküste der USA.

Wilhelm Nienhüser geht in die aufstrebende amerikanische Großstadt Cincinnati im Bundesstaat Ohio. Ein Großteil der dort lebenden Bevölkerung ist deutschstämmig.

Die Stadt hat deutsche Kirchen, drei Verlage, die deutschsprachige Zeitungen auf den Markt bringen, und ungezählte deutsche Vereine. Die deutsche Lebensart wird mit heimischem Essen und Trinken gepflegt. „Obwohl sich die deutschen Auswanderer als äußerst heimatverbunden erweisen, vollzieht der junge Mann aus dem Kirchspiel Buer eine Namensänderung: Aus Wilhelm Nienhüser wird Wilhelm beziehungsweise William Niehaus – einen Nachnamen, den Marcia Elving und Marie Tinka bis zu ihrer Hochzeit führten – ebenso wie deren Schwester Charan Niehaus“, erläutert Wolfgang Dreuse.

Nach seiner Heirat eröffnete William Niehaus in Cincinnati ein Einzelhandelsgeschäft im deutschen Stadtviertel „Over the Rhine“. Er starb im Alter von nur 32 Jahren an Tuberkulose und hinterließ eine junge Frau, zwei Söhne und eine Tochter.


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